Gemampfte Dekonstruktion papierreligiöser Illusionen
Juli 14th, 2011 § 1 Kommentar
Da! Ist es nicht das, was du wolltest? Ein kulinarischer Romangenuss auf allerhöchstem Niveau? Und hier, gleich noch ein paar … lass es dir schmecken, du Schwein!
Phorky, sagte ich.
Halt die Fresse! Er wirbelte herum und streckte mir seinen Zeigefinger mehr oder weniger ins Nasenloch. Wenn du noch einen Mucks machst, Bob …
Aber das ist doch albern, ihm ein Buch in den Mund zu stopfen.
Albern?
Phorky sah mich mit flackerndem Blick an. Dann drehte er sich um, um Georg zu inspizieren.
Der saß da, die Hände hinter der Stuhllehne gefesselt, die Beine mit Kabelbinder an den Stuhlbeinen fixiert. Auf dem Boden lag ein Buch von Elmore Leonard, halb zerfetzt, Seiten im Zickzack herausgerissen, ein Bild des Jammers. Und Georg erst!
Ganz abgesehen davon, sagte ich, ob Georg wirklich der passende Repräsentant für Buchgläubige der altmodischen Art ist!
Phorky wandte mir wieder sein Gesicht zu. Frontal. Eine Maske von Wut. Unter die Wut gemischt: fiebrige Schlauheit.
Du meinst, sagte er mit rauer Stimme, weil es ein Taschenbuch ist?
Weil es ein — ?
Natürlich! Phorky lachte. Er sprang in die Höhe. Er schlug sich die Hände auf die Knie vor Begeisterung. Wir brauchen ein Hardcover!, rief er. Du hast ganz Recht, die Sau soll ein Hardcover fressen! So ein Taschenbuch, das ist für den doch nur Fastfood. Der braucht mal, hihihi, was Richtiges! Ne richtige Mahlzeit!
Er war schon auf dem Weg in das Zimmer, wo die Bücherregale standen, da hielt er noch einmal inne. Er fuhr also herum, und sein Zeigefinger bedeutete mir: Achtung, pass uff, pass uff!
Nee, sagte er dann. Er schlug sich die Hand auf seinen Mund, um sein irres Grinsen zu verbergen. Seine Augen rollten. Dann prustete er heraus: Nee, nich fressen! Nich fressen, dekonstruieren!
Ich sah ihm nach, wie er aus der Tür rannte. Im Flur hörte man ihn ausrutschen und hinfallen, er rief: Dekonstruieren!, und wieherte. Eine Cartoonfigur des Bösen.
Georg sah mich streng an. Aus den Winkeln seines mit herausgerissenen Buchseiten verstopften Mundes liefen dünne Fäden Blutes. Bedauernd zuckte ich die Achseln: Was kann ich denn …
Hey, das fühlt sich gut an.. böse zu sein. (Auch wenn es das jetzt nur als elektronische Simulation gibt, die ich keinem nicht nirgendwohin stopfen kann)