Ausschnitt aus einem Sternfahrertagebuch
Juli 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Wir landeten auf dem fernen Planeten Terra Rium. Es war die letzte Expedition, die wir mit unseren geliebten Space Shuffles machen durften. Die Fluggeräte galten, obwohl ausgesprochen formschön, als extrem anfällig für Störungen und Pannen wie Explosionen, Triebwerksausfall und Flügelbruch. Viele unserer Kameraden waren beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht. Aber ehrlich gesagt, hatte das nie jemandem etwas ausgemacht. Erstens war so ein Tod ganz okay, in unseren Augen. Und zweitens genossen wir einfach zu sehr diese wunderbare Ästhetik, die uns die Space Shuffles boten. In so einem Space Shuffle fühlte man sich wie in einer Bar, entsprechend viel wurde konsumiert. Auch General Iwona fand den Beschluss des Parlaments grotesk, auf MARX III-Raketen umzusteigen. Er selbst inszenierte sich mit Pomp und Epauletten als Operettengeneral, und jetzt so ein realistischer Axthieb in unsere feudalen Gewohnheiten! Wir waren stinksauer, aber der General natürlich mal wieder am meisten. Diese Schweinebande von Parlamentariern hätte man sowieso längst erschießen sollen, knurrte er, als man uns eröffnete, dass die Space-Shuffle-Ära vorbei sei. Eine letzte Expedition wurde noch genehmigt. Aber dann sei Schluss.
Ich hatte das Glück, für diesen letzten Flug ausgewählt zu werden. Terra Rium ist ein sogenannter „grüner Planet“. Alles voller Bäume, mildes Wetter, herrlich klare, frische Luft. Die Bewohner waren dunkelhäutig und menschenähnlich, aber viel zarter. Klein und zierlich und mit großen Augen versehen, aus denen sie unschuldig in die Welt blickten. Sie hatten definitiv eine zu große Portion Urvertrauen abbekommen! Gustav fing gleich an, sie zu erschießen, kaum hatten wir die Gangway heruntergefahren. Er schoss ihnen mit seiner TX einfach in den Kopf. Sie begriffen überhaupt nicht, was geschah, die Armen! Meine Güte, was haben wir gelacht!
Schon am ersten Abend hatten wir mit Stacheldraht und Betonpfeilern ein Lager errichtet. Dort hielten wir Hunderte von Terrarianern gefangen. Erstaunlicherweise hatten sie offenbar keine Sekunde lang erwogen, ganz einfach die Flucht zu ergreifen. Sie schauten uns nur treuherzig an, halfen uns sogar, den Stacheldraht um die Betonpfosten zu drapieren. Ihr einziger Daseinszweck war von nun an, uns als Schlachtvieh zu dienen. Wozu waren wir Menschen? Ganz offensichtlich waren wir die überlegene Rasse! Also war es unsere Pflicht, hatte General Iwona erklärt, diese Schwächlinge und Parasiten des Kosmos auszurotten.
Der Plan war, Raketenwerke auf Terra Rium zu bauen. Wer unseren Genozid überlebte, würde in diesen Werken schuften müssen.