Waiting for Godzilla

Juli 26th, 2011 § 1 Kommentar

MAX: Godzilla. Du hier?
GODZILLA: Huaaaa.
MAX: Du willst mich einschüchtern.
GODZILLA: Grrr.
MAX: Aber ich weiß, dass du nur ein Monster bist. Nur eine Projektion.
GODZILLA: Je mange, je pense. Je pense, je mange.
MAX: Irgendein verficktes Blockbuster-Monster aus den Abfallhaufen Hollywoods.
GODZILLA: And you? What are you? What’s your name.
MAX: Wie ich heiße?
GODZILLA: Ja, your fucking name, man. Tell me.
MAX: Max, der kleine Soldat. Max, le fou. Ich habe viele Namen. Ich brauche nur eine Waffe und ein Mädchen.
GODZILLA: Und dann?
MAX: Dann mach ich einen Film.
GODZILLA: A gun and a girl.
MAX: So ist es.
GODZILLA: Ist das alles, woran du denkst? Filme zu machen?
MAX: Und Kritiken schreiben. Ich habe nichts anderes.
GODZILLA: What about life? Vivre sa vie?
MAX: Das Leben? Das ist doch erst was wert, wenn’s auf Zelluloid gebannt wird. Was ist denn das Leben? Rohstoff. Worum es geht, das ist die Wahrheit. Und die Wahrheit, das ist die Fotografie. Der Film ist die Wahrheit, 24 Mal in der Sekunde. Unerbittlich treibt der Projektionsapparat uns an. Die Projekte, die unsere Leben sind.
GODZILLA: Das ging mir jetzt fast a little too fast.
MAX: Du bist ein blödes Monster.
GODZILLA: Aber brutal. Scharfe Zähne. Kräftige Kiefer.
MAX: Hollywood style.
GODZILLA: Und du? Du bist ein Formalist.
MAX: Ich bin ein Quantenphysiker, genau genommen.
GODZILLA: Hä?
MAX: Weißt du, dass ich jetzt, in just diesem Moment, in einer Unzahl von Galaxien ein paralleles Leben führe? Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In der Einstein-Galaxie, in der Eisenstein-Galaxie, in der Joyce-Galaxie, in der Alexander-Kluge-Galaxie, in der Gutenberg-Galaxie, in der Galen-Galaxie …
GODZILLA: Stop talking! NOW!
MAX: Das ist nur der Dialog, die Tonspur. Achte auf das Bild!
GODZILLA: Welches Bild?
MAX: Das Bild, dessen Bestandteil wir zwei sind.
GODZILLA: Ich bin ein Monster. Ich kann nicht besonders gut beobachten.
MAX: Da du ein Monster bist, und ich bin ein Held – da müsste ich dich eigentlich fertigmachen, oder?
GODZILLA: Wenn du das schaffst – nur zu.
MAX: Ich schneide dich einfach raus. Was sagst du dazu?
GODZILLA: Untersteh dich! Don’t you dare …
MAX: Ich bin Ödipus. Urahn aller abendländischen Erzählungen, um meinen verehrten Kollegen Roland Barthes zu zitieren. Ödipus mit der Cutter-Schere. Und damit steche ich mir die Augen aus. Wiederum ein Zitat aus dem ANDALUSISCHEN HUND. Das ist mein Schicksal. Alles, was ich tue, ist nur ein Zitat aus einem Film, mit dessen definitiver Fassung ich nicht restlos einverstanden bin. Und deswegen schneide ich alles um, um, um, um, um. Permanent. Man könnte das Dekonstruktion nennen. Ich nenne es lieber: Schneideraum. Ich habe in die Quellen geschaut, den cartesianischen Quellcode studiert, und ich erkannte, dass ich nur aus den Träumen und Illusionen, dem Imaginären und dem Unbewussten anderer großer Künstler bestehe. Ich bin nur der Traum eines Traums, den ein film still träumt. So kann’s gehen. Und jetzt kann ich mich, King Kong gleich, vom World Trade Center stürzen … und aus Pietät schneidet ein amerikanischer Editing-Idiot die Szene dann aus dem fertigen Film, und damit ist mein Tod gelöscht, und meiner harrt ein ewiges Leben im Zwischenreich zwischen zwei Scherenschneiden. Ach, wissen Sie was? Ich rede hier noch ein bisschen weiter, im fotografischen Traumreich der Projektionen. Nehmen Sie unterdessen den Faden ruhig wieder auf, in Alblingen, in der Realität.

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