Ich halt’s nicht durch.
Juli 28th, 2011 § 6 Kommentare
Was?
Das Blogverbot.
Hab ich dir doch …
Ich meine, ich HÄTT’S schon durchgehalten, natürlich!
Aber dann?
Dann fiel mir ein …
Bob hebt das Glas an die Lippen und trinkt gierig. Gluck, gluck, gluck.
Was?
Tschuldigung, Georg, ich trinke gerade!
Was?
Spelunken. Hansi sagt, es gibt sie nicht mehr, die Spelunken, in denen unsereins, Charaktere, die Dostojewskij als Staffage benutzt hätte, als Statisten für seine fiebrigen halbseidenen Elendsszenen …
Hä?
Zuflucht finden bei Bier, Rauch und Rausch.
Du bist unverbesserlich, Bob.
Und Vergessen.
Man kann dich totschlagen – sobald es einen Blogbeitrag zu schreiben gibt, bist du wieder da!
Man kann mich nicht totschlagen.
So?
Ich bin ja tot. Per definitionem. Ich bin schon mehrfach gestorben …
(In diesem Moment betritt ein Schwung Attentäter den Raum, das „Verlorene Herz“, eine wüste Spelunke in Bahnhofsgegend, in der jeden Morgen der Boden mit einem Gummischlauch abgespritzt und das Schmutzwasser einfach mit einem Besen auf den Bürgersteig gekehrt wird. Manche Gescheiterte liegen hier von früh bis spät auf den Bänken, im Halblicht, im Halbschlaf, ein halbvolles Glas Bier neben sich auf dem Tisch, Zigaretten zwischen wunde Finger ganz heruntergebrannt.
Wie auch immer, die Attentäter eröffnen das Feuer, sobald sie den Laden betreten haben, und nieten einen ganzen Haufen Stammgäste um, darunter auch Bob, der seit der Schließung des Blogozentrikers hier seine zweite Heimat gefunden hat.
Die Attentäter, Psychopathen aus dem Lehrbuch, Affenmasken vorm Gesicht, mit kindischem Kichern ab.)
GEORG (sich mit weidwundem Augenaufschlag auf ein Knie niederlassend und den Kopf des Kameraden stützend): Bob!
BOB: Ah, verdammt. Weh tut’s halt jedes Mal doch! Uh!
Wo tut’s denn weh?
Eine Kugel, sagt Bob, kaum verständlich aufgrund massiv aufeinander gepresster Zähne, hat meine Eier getroffen!
Scheiße. Im Ernst?
Nein, ich mach nur Spaß … NATÜRLICH im Ernst, du Idiot!
Also, sterben kannst du nicht, aber in die Eier schießen kann man dir? Das kapier ich nicht …
Was gibt’s denn da nicht zu kapieren? Oder, richtiger: Was gibt’s da zu kapieren? Das sind nun mal die Gesetze des Blogoversums …
Die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?
Ungeachtet seiner monströsen Schmerzen, richtet Bob sich ruckartig auf:
Schriftsteller, das ist eine Berufsbezeichnung, die ich in hohen Ehren halte! Die würde ich nicht jedem Sepp ankleben, der einen Blog zusammenschmiert!
Ach, komm. Georg winkt ab. Das gilt vielleicht für das schöne Wort „Dichter“ …
Du bist ein Zyniker! Ich wollte, sie hätten DIR in den Sack geschossen, Georg!
War mir klar … will sagen: Es ist schlichtweg undenkbar, dass Bob den Blogozentriker im Stich lässt.
Das ist leider ein Trugschluss, Mr metepsilonema! Bob stand schon mehrfach davor, seinen eigenen Laden aufzumachen! Nur durch eminent viel gutes Zureden (aber was heißt hier “gut” …) hab ich ihn bislang noch immer davon abbringen können. Aber da er mehr oder weniger irre ist, kann es jederzeit passieren. Wollte er nicht sogar mal bei Ihnen anheuern? Und Sie haben ihm aber nur eine Beteiligung am Umsatz angeboten statt eines Fixgehalts?
Nun, das war … wissen Sie, ich muss Ihnen etwas gestehen: Ich kann mich nicht mehr erinnern, ich bin schwerer Alkoholiker, unter einer halben Flasche Rum gleich nach dem Aufstehen geht gar nichts. Aber vielleicht haben Sie noch ein paar Detail und ich erinnere mich — manchmal funktioniert es!
Gern. Bob hat die Angewohnheit, alles per Tonband mitzuschneiden:
Yeah?
mete?
Was?
mete? Sind Sie das?
Ja, Gott … wer ist da? Mein Kopf …
Ich bin’s. Bob. Bob Macha.
Bob Macha? Der Typ vom Blogozentriker?
Ja.
Wissen Sie, wie viel Uhr es ist?
Elf Uhr früh.
Oh! Okay … warum rufen Sie an?
Wegen Ihrer E-Mail.
Meine … was für ne E-Mail? Oh, meine Birne, ich muss mal kurz …
Ich weiß nicht, mete … Sie erinnern sich nicht mehr an die E-Mail, die Sie mir gestern Nacht geschickt haben? Um, warten Sie …
(Schluckgeräusch.)
… zwei Uhr?
Ah, besser. Eine E-Mail, sagen Sie?
Ja.
Und was steht da in dieser E-Mail?
Dass Sie mich gern an Bord hätten. Bei der Makulatur.
Hab ich geschrieben?
Aber ja!
Ich kann mich beim besten Willen nicht … ich kann mich nicht erinnern. Tut mir leid.
War das ein Scherz?
Ich würde es nicht Scherz nennen … wissen Sie, ich bin Alkoholiker, und da springt mir halt manchmal die Sicherung raus …
Sie bieten mir 50 Prozent Ihres Unternehmens an, mete!
Oh, tut mir leid, tut mir leid … vergessen Sie’s. Wirklich. Vergessen Sie’s.
50 Prozent, mete!
Was sind 50 Prozent von nichts, Bob? Die Makulatur ist doch nichts wert! Für mich, klar, da hat sie einen gewissen emotionalen Wert. Sie bedeutet mir sehr viel. Aber wirtschaftlich? Haben Sie bei mir je eine Anzeige gesehen?
Sie haben nicht unbedingt ein anzeigenfreundliches Umfeld, mete.
Richtig.
Deswegen haben Sie mir ja auch geschrieben. Ich soll Ihnen, Zitat, “helfen, ein anzeigenfreundlicheres Umfeld zu generieren”.
Generieren?
Ja.
Steht da? Generieren? Das Wort?
Ja.
Oh, Mann … da war ich vielleicht blau!
Es wird also nichts mit dem Angebot?
Nein, Bob, Sorry, aber …
(Ende der Aufnahme.)
Fuck … damals war auch noch dieses – ja wie heißt das gleich? – weiße Pulver im Spiel, daran erinnere ich mich jetzt … vielleicht mag Bob morgen zu den Anonymen mitkommen? Persönlich redet sich’s am Freisten!
Den Anonymen-Blogosoffen? Count me in.
(Ich hätt´s ja heute auch nur fast geschafft – damn it?)