Für Ideen würde ich töten

August 4th, 2011 § 1 Kommentar

Ihn als „skurriles Original“ zu bezeichnen, wie der „New Yorker“ es einst tat, wird der Sache nicht gerecht – so lautet das Fazit der Praktikantin Monika Muchel, die für den Blogozentriker in Worpswede ein Gespräch mit Georg Urba führte. „Er ist weit mehr als skurril, und er ist weit mehr als ein Original“, schwärmt Muchel noch im Rückblick von seiner „tiefen, samtigen Stimme“ und seinen „klaren dunklen Augen. Und die Brust – ganz behaart! Hmmm …“
Urba, ein John-Cage- Schüler, dessen 8 1/2-stündiges orchesterloses Konzert NO.TES von der Kritik mal als „erleuchtende Zen-Übung“, mal als „mühsames Waten durch tonnenschweres Schweigen“ bezeichnet wurde, trat in den letzten Monaten künstlerisch vor allem durch seine „Hammerperformances“ in Erscheinung: In Wien zertrümmerte er in verschiedenen Galerien rund um das Kunsthistorische Museum grinsende Totenschädel – „Aktion gegen Dr. Freud/Nietzsche grüßt den Tag“ nannte er das.
Einer breiten Öffentlichkeit rief er sich indessen durch ein seltsames Interview mit der Zeitschrift „Guns & Weapon“ in Erinnerung, in dessen Verlauf er „ein gewisses Verständnis“ für den Attentäter von Oslo und Utøya, Anders Behring Breivik, äußerte.
„Ich meine, ich will natürlich nicht für das Abschlachten von Wehrlosen plädieren. Mir tun ja sogar Käfighennen leid! Aber wer je einen von diesen protestantisch-sozialdemokratischen Gutmenschen über Nächstenliebe hat schwadronieren hören, ohne dabei seine Waffe in der Hosentasche zu entsichern – der muss wirklich verdammt starke Nerven haben!“ Dabei kam auch heraus, dass Urba stets eine Kompaktwaffe, einen aufklappbaren Revolver der Marke Smith & Wesson namens „Bodyguard“, mit sich führt – „um jederzeit verteidigungsfähig zu sein!“
Das Herumballern wurde Urba nicht in die Wiege gelegt: Noch bevor er überhaupt laufen konnte, bekam Georg Urba für seine „Kinderkritzeleien“ (G. Urba) den hoch angesehenen Nachwuchsförderpreis des Münchner Hauses der Kunst. Das erste Wort, das er schrieb, war, seine Mutter schwört darauf Stein und Bein:
IDEE.
Eine hübsche Anekdote um den Mann, der sich mit einem selbstkonstruierten Flugapparat vom Burj Khalifa stürzte (und nur überlebte, weil er in der Brunneninstallation eines niederländischen Installationskünstlers landete) und bis heute versucht, die Gelder für einen Film über den „Ursprung des Bewusstseins im Zusammenbruch des bikameralen Geistes“ zusammen zu bekommen.
Warum dieser Film (nach einem wissenschaftlichen Bestseller von Julian Jaynes) ihm eigentlich so wichtig sei? Monika Muchel fuchtelt in ihrer affektierten Art mit ihrem Latte macchiato herum, was Georg Urba schwer nervt. Draußen strömt die Hip-Boheme einer großen norddeutschen Hansestadt vorbei, im sorgsam kultivierten Gammelglamourlook. Auch das geht Urba „auf den Sack“.
Bei der Antwort aber überlegt er keine Sekunde: „Weil ich damit zeigen kann, was der Mensch für eine verlogene, doppelgesichtige Schweinebacke ist. Mal so gesagt. Wussten Sie übrigens, dass die Wissenschaft bisher keine wirkliche Erklärung für das Phänomen des Schluckaufs hat?“

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