Maskiert zwar, doch nicht länger anonym
August 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Ha! Hab ich dich endlich, du … Doch wie baff war ich, als ich plötzlich eine Maske in der Hand hielt statt der Kehle meines Gegners! Nur eine leere, luftig-leichte Larve hatte ich gepackt, wo ich auf den finalen Showdown, die ultimative Auseinandersetzung vorbereitet gewesen war … Können Sie sich meine Überraschung vorstellen? Sie können es bestimmt, wenn Sie erfahren, dass das Nächste, was ich sagte, als ich auf den Stofffetzen starrte, dieses hier war: Moment! Das ist ja gar nicht …
Mal ehrlich: Haben Sie je einen so lächerlichen Ausruf gehört? Ich meine, ich stand am Ende eines Stollens, der mich einige Hundert Meter tief in das größte Gebirge der Welt geführt hatte, tief, tief hinab über schroffes Gestein und verrottete Bohlen, und dort, wo auch das Ende der Welt zu Ende zu sein schien, war ich auf eine lang gesuchte Gestalt gestoßen, verborgen in der dunkelsten Ecke. Tausende von Meilen hatte ich zurückgelegt, um hierher zu kommen, immer auf einer Spur … auf der Spur dieser Gestalt, eines dunklen Gesichts. Und endlich standen wir uns gegenüber.
Ich hatte die Gestalt angerufen, und sie hatte nicht reagiert, auch auf meine höfliche Nachfrage nicht, ob sie mich gehört habe. Und als ich mich ihr dann endlich näherte, griff ich sozusagen jämmerlich ins Leere … ein Haufen Steine mit einer Karnevalsmaske drauf, ein Requisit aus einem Horrorfilm …
Wie auch immer – in jedem Fall hatte ich es mir verdient, dass hinter mir ein gehässiges Lachen erscholl: HAHAHAHAHAHAHAHA!
Und noch einmal: HA!
In einen hohen Husten übergehend. Als hätte sich jemand verschluckt.
Pardon, sagte eine piepsige Stimme.
Ich drehte mich um, die zerknüllte Maske in der einen, meinen sechsschüssigen Colt in der anderen Hand: Bob Macha? Sind Sie das?
Eine nachtschwarze Silhouette im Gegenlicht der Grubenbeleuchtung. Allerdings ziemlich klein. Zu klein, um Bob Macha zu sein.
Wer sind Sie?, fragte ich.
Ich? Erstickt kam es heraus: Ich bin Bob Macha!
Unsinn! Sie sind doch viel zu klein! Bob Macha ist ein kräftiger, ausladender …
Nein! Eine kreischende, verzweifelte Stimme. ICH bin Bob Macha!
Sie sind doch noch ein Kind!, rief ich. Sie können nicht … du bist nicht Bob Macha, Kleiner. Nie und nimmer! Du bist nur ein Hosenscheißer … Ich hatte den Knaben am Wickel. Er grapschte nach der Maske in meiner Hand.
Gib her, rief er, das ist meine!
Deine? Ich ließ ihn los, und er plumpste mit dem Hintern auf den Boden. Willst du damit … warte mal! Willst du mir etwa sagen, du hast die ganze Zeit, getarnt durch diese Maske, den Bob Macha markiert? Ich schoss in blinder Verzweiflung drei Mal in die Decke der Höhle. Die Querschläger zischten uns wild um die Ohren. Das darf doch nicht wahr sein! Wir sind die ganze Zeit auf ein verdammtes KIND reingefallen!
Hihihihihihihihihihihihihihihihihihihihi …
Der Kleine hielt sich beide Hände vor seinen vom kindischen Kichern verzerrten Mund.
Ich stöhnte auf.