Bob Macha tritt ab

August 16th, 2011 § 1 Kommentar

Bob Macha, eh schon sehr am Ende, verfettet, versoffen in der Provinz, will einen Roman schreiben, mit dem er das Genre zu Grabe trägt. Strich drunter, Kassensturz. Lassen Sie uns abschließend Joyce zitieren: The novel to end all novels … Das letzte Tabu, das Bob zu diesem Zweck brechen will: Kindersoldat sein in Afrika.
- Verstehst du, Georg? Ich erschoss meinen Vater, ich hab meine Mutter vergewaltigt …
- Bob!
- OK, schön. Meine Schwester. Ich hab meine Schwester vergewaltigt. Die Mutter hab ich aber auch erschossen, einverstanden?
- Das ist doch alles pervers …
- Genau. Pervers.
- Und du willst nach Afrika?
- Um da zu recherchieren.
- Das kannst du doch aber auch von deinem Schreibtisch aus?
- Unsinn! Das merkt man doch, ob einer wirklich Blut gesoffen hat oder nur davon redet. Ob einer Menschenfleisch gekostet hat …
- Ekelhaft.
- Das ist das Leben, Georg!
- Und das soll dann der ultimative Roman sein, ja?
- Der LETZTE Roman, Georg. Ja.
Per SMS hat Bob seine Berichte aus dem Leben eines Kindersoldaten im Kongo an den Verlag geschickt. Ein SMS-Roman, von Anfang an als Fragment geplant. Entsprechend hören mitten in der Arbeit die Lieferungen auf. In Köln registriert man das mit Befremden. Der Lektor ruft an, der Verleger. Bob Macha blieb verschollen. Kein Lebenszeichen mehr.
Die mit dem Roman verbundenen Entstehungsgeschichte hat den Roman KID KILLING an die Spitze der Verkaufscharts katapultiert.
- Das war’s ja auch, was er wollte, sagt der Lektor sehr zufrieden. Keine Ahnung, ob Bob noch lebt. Aber wenn er’s tut, lacht er sich jetzt ins Fäustchen, irgendwo, genau in diesem Augenblick! Der Inhalt ist freilich ein bisschen klischeehaft, so der Verleger, ein Riese mit riesigem Kopf. Aber mit seinem Roman hat er all diesen Darmspiegelungsexperten hierzulande mal wieder gezeigt, worum es beim Schreiben geht — um’s echte Leben. Um echte Gefühle. Und um den Einsatz der ganzen Person. Man kann sich nicht in Jetons auf den Spieltisch werfen, nur am Stück. Das war, schließt er, ein deutliches Signal an die Branche. Das war ein Fanal, ein Schuss vor den Bug!

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