Gängeviertel
August 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Aber was wär’s dir wert?
- Hey, ich hab echt nix. Ich bin …
- Du bist bettelarm?
- Ja, stimmt. Stimmt echt. Schau mal, meine Klamotten. Ich hab nix.
- Aber wenn du Geld hättest. Was würdst du dafür zahlen?
- Wenn ich richtig viel Geld hätte?
- Ja.
- Sag mal.
- Also, wenn ich richtig Asche in der Tasche hätte …
- Genau. Geld spielt für dich keine Rolle.
- Wie viel gibst du uns dann dafür?
- Also, so als richtig Reicher würde ich dafür …
Es handelt sich um eine wabenartige Faltkonstruktion aus Papier. Weiß, mit dunklen Abschattungen an den unteren Rändern. Das Werk hängt an der Wand, in einem der Ateliers. Auf einem weißen quaderartigen Sockel in der gegenüber liegenden Ecke haben wir einen aufgespannten schwarzen Regenschirm platziert, tropfnass. Immer wieder treten Neugierige heran und linsen hinter die aufgespannten Schirmflächen, um zu sehen, was es da gibt. Doch da gibt’s nichts. Nur eine Werbepostkarte.
- Wie viel?, rufe ich jetzt.
Ich bin richtig nervös, obwohl es natürlich Quatsch ist, sich da zu ereifern. Weder sind wir die Künstler, noch sind wir Händler. Wir sind einfach Herumstehende, Beliebige. Passanten, die sich einen Spaß mit einem Besoffenen machen.
- Wie viel?
- Denk dran: Du hast richtig viel Geld!
- 200 Euro.
- Was?
- Du würdest, wenn du richtig, richtig reich wärst, 200 Euro für dieses Kunstwerk zahlen?
- Ja.
- Für ein Kunstwerk? 200 Euro?
Ich werfe noch mal einen Blick auf die wabenartige Konstruktion.
- Da musst du aber schon noch ein paar Nullen dran hängen, im Kunstbetrieb, das weißt du?, sage ich.
- Klar, sagt der Typ im roten Pulli, aber ich würd 200 Euro geben.
- So, wir machen hier jetzt das Licht aus, ruft jemand von der Tür.
Wir schieben uns, aus dem schlagartig dunkel werdenden Raum, hinaus ins Gedränge. Und dann heim.