Dreckschleuder aus Sternenstaub
August 30th, 2011 § 2 Kommentare
Ja, hier, jetzt, alles Dreck. Aber ursprünglich, ursprünglich kommen wir von den Sternen! Mag sein, wir sind Affen, aber aus dem Stoff, aus dem unsere Affigkeit gemacht ist, stellt man auch das Leuchtendste her, Sonnen. Oben, weit weg, erhaben, weit draußen in den schweigenden Weiten, wo noch Frieden herrscht … Diese amerikanische Physiker-Mystik ist doch reiner Schwachsinn! Vielleicht tröstet einen das alles, wenn man in einem Elite-College sitzt mit einem Elite-Wein neben sich und die Füße vom Glockenturm baumeln lässt: „Carbon, Nitrogen, Sauerstoff, Eisen, all die Dinge, die wir brauchen für die Evolution und das Leben“ – was ist das? Man himmelt ein Auto an. Aus dieser gleichen Pseudogedanken-Scheiße werden Werbespots gemacht: Intelligenz für Idioten. Der Cadillac – dafür wurde all dieser evolutionäre Zauber veranstaltet? Damit der Cupholder temperiert ist? Entsetzlich! („Klar, die Evolution hat ja in DEM Sinne auch kein Ziel, das dürfen Sie nicht denken!“) Was herrscht, ist blindes Besitzstanddenken, da ist kein gerader Gedanke, nur das Betteln um weitere Forschungsgelder. Das Pathos in dem Satz: „The stars died so that you could be here today“ (Lawrence M. Krauss) ist rundum widerlich und pervers. Weil er das Poetische mit dem absolut Belanglosen verbindet (was interessiert mich denn, ob mein Arschloch von Alpha Centauri kommt, wenn Alpha Centauri keinen höheren Wert hat als mein Arschloch?). Wahr ist ja auch: Hekatomben von Prototypen waren nötig, damit wir heute Kaffee aus Pappbechern saufen können. Wie scheißpoetisch! Mir KOMMEN die Tränen!
Nicht Dreck, nicht „Carbon, Nitrogen, Sauerstoff, Eisen”, nicht der Gedanke an Evolution trägt hier, sondern die wunderbare Reduktion auf das, was nur geringfügig mehr ist als nichts: Dust = Staub. Und das finde ich gut. Seufz.
Was ich tröstlich finde, ist, dass, während im Bauch der Galeere die Armen schwitzen, die Privilegierten auf dem Sonnendeck einen Aperol-Sprizz gereicht bekommen! (Leider ist dieses Gefühl des Trostes in seiner ungeheuren, perversen Verlogenheit ja eines der wesentlichen Motive, sich mit Literatur zu befassen …)