In den Schuhspitzen DNA
Oktober 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Ziemlich verdreht …
Wieso? Egon Windisch wandte sich mir zu, 800 m über dem Meeresboden. Nur ein schmales Eisengerüst stand zwischen mir und dem Sturz in die Tiefe. Inzwischen, das ging aus Tschtetsches SMS hervor, wussten wir zweifelsfrei, dass er der Mörder war. Ich klappte mein Handy wieder zu und sagte:
Haben denn die Opfer kein Anrecht auf Glück gehabt?
Sie hätten, knurrte Windisch, es sich halt nehmen müssen …
Das Recht des Stärkeren?
Windisch zuckte die Achseln: Des Stärkeren? Oder des Schnelleren. Vielleicht auch nur des Skrupelloseren. Aber mag sein, das läuft auf dasselbe hinaus … wer vermag sich in den Kopf eines Mörders zu versetzen?
Er stützte seine Unterarme auf das Eisengeländer. Sein Blick verfing sich in den waldigen Tiefen. Dann spuckte er hinab.
Wir wissen, Windisch, dass Sie es waren!
Keine Reaktion. Nur kurz ein Zucken des Wangenmuskels. Dann gespannte Stille. Endlich hob er die Schultern.
So, so.
Ihre DNA, sagte ich. Im Inneren eines der Schuhe Ihres letzten Opfers haben wir sie nachweisen können.
In den Schuhen, murmelte Windisch.
Möchten Sie ein Geständnis ablegen?
Er überlegte. Dann:
Ich möchte Sie töten, Macha.
Ich lachte: Daraus wird wohl nichts!
Und wieso nicht?
Als er sich herumdrehte, sah ich die Mauser in seiner rechten Faust. Irrsinn glitzerte in seinen perlmuttgrauen Augen. So ein Pistolenlaufausgang kann verdammt groß und schwarz und tief sein, glauben Sie mir!
Natürlich können Sie mich töten, sagte ich schnell. Ich meinte nur, was soll’s? Unten haben sich schon Einheiten der österreichischen Gendarmerie formiert, um Sie in Empfang zu nehmen, wenn Sie …
Die Österreicher! Windisch lachte verächtlich.
Hubschrauber sind unterwegs.
Das hab ich doch alles Ihnen zu verdanken, Macha!
Windisch trat einen Schritt auf mich zu. Ich hob die Hände.
Hey! Wir machen beide nur unseren Job! Ist es nicht so?
Ich bin Frauenarzt, Macha, Sie Idiot, kein hauptberuflicher Mörder!
Na ja, okay, aber im Herzen …
Ich bin auch im Herzen Frauenarzt. Ich habe Frauen immer geliebt. Nur wenn sie mir dumm gekommen sind …
Wenn Sie nicht so wollten, wie Sie?, soufflierte ich.
Genau.
Aber das ist doch unritterlich!, rief ich empört.
Mag sein. Windisch wich meinem Blick aus. Mag sein, ja, dass Sie … Sehr chevaleresk war’s alles nicht … mag sein.
Bitte. Ich streckte die rechte Hand vor, die geöffnete Fläche nach oben. Ich kam ihm einen Schritt entgegen. Blöderweise hatte ich momentan nicht parat, ob sie uns in der extrempsychologischen Schulung beigebracht hatten, auf den Bewaffneten zugehen oder vor ihm zurückzuweichen. Desto lauter sagte ich: Geben Sie mir jetzt Ihre Knarre, Windisch!
Mit dünnem Lächeln fragte er: Und wir vergessen die Sache?
Aber klar.
SIE WOLLEN MICH WOHL FÜR DUMM VERKAUFEN?
Hm, etwas billiger Trick, dachte ich. Und biss mir heimlich auf die Zunge.
Neinnein, sagte ich schnell. Ich hab mich versprochen! Ich werde aber eine milde Strafe für Sie herausschlagen … ich setze mich für Sie ein! Da haben Sie mein Wort drauf.
Macha. Windisch sah mich aus traurigen Augen an. Er wirkte ehrlich deprimiert. Seine Lippen bewegten sich kaum, während er sprach.
Was sind Sie nur für ein beschissener Ermittler, Macha!