Aufzeichnungen aus dem Rattenloch
Oktober 24th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Seit zwei Wochen. Zwei Wochen bin ich jetzt schon nicht zu Hause gewesen. In diesem muffigen, engen Loch in Kreuzberg, das ich, mit dem mir angeborenen Sinn für zynischen Humor, als “mein Zuhause” bezeichne. Stattdessen sitze ich in den engen, muffigen Räumen des Blogozentrikers. Als Praktikant. Und räume den Dreck weg. Und fresse die Scheiße, die hier Tag für Tag durch die Produktionsmühle gequetscht wird.
Unglaublich, unglaublich widerlich, was ich hier für Szenen erleben muss! Wurde eben noch ein hochherziger Text abgedreht, in dem ein gewisser “Zoey” sich für das authentische Leiden stark macht, das nach Ausdruck sucht, finde ich, kaum dass die Klappe geschlagen wurde, den Darsteller des Zoey mit Bob in der Kantine, wo sie sich volllaufen lassen. Was ja ihr gutes Recht ist. Und vielleicht werde ich in fünfzehn, zwanzig Jahren auch so sein. Zerfressen von der Einsicht, dass sogar der Erfolg nichts ist als ein ewiges Scheitern, nur in finanzieller Saturiertheit. Dass auch die erfolgreichen Menschen Schwachköpfe sind — halt solche, denen mal ein Glückstreffer gelungen ist, den sie sich dann geschickt zunutze gemacht haben. (Denn mehr ist das ja nicht, der Erfolg, als die Weigerung, eine gute Stunde wieder loszulassen.)
Aber zu erleben, wie diese beiden Meistermimen ihren Geifer über jenes Stück überwältigender Prosa sabbern — wie sie sich gegenseitig aufstacheln zu Höchstleistungen des Sarkasmus — wie sie über das Sublime witzeln und das Herzzerreißende verspotten — das beraubt mir noch in der Erinnerung den Atem!
Ergriffen, beklommen, niedergeschmettert von der Wahrheit ihrer Darbietung hatte ich in der Ecke des Studios gesessen, atemlos den Dialogen lauschend, die die beiden mühelos improvisierten. Wie ich das liebte! Diesen Zoey hätte ich am liebsten umarmt! So einen Menschen als Freund zu haben, dachte ich, das hätte auch meinem Leben ein wenig Glanz verleihen können, hätte mich erretten können … hätte mich herausführen können aus der Kellerfigurenexistenz … egal. Schluss. Aus. Ich hab mir das Jammern verboten! Das ewige Wehklagen! Genug! Still!