Zu Wasser zu Fuß
Oktober 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Irgendein Bahnhof in der Provinz. Ich hole mir eine kühle Cola. Die Sonne brennt herab auf dieses verlassene Stück Erde, auf die rostigen Transportmittelreste im Hintergrund. Auf den öden Granit des Bahnsteigs. Hinterm Fahrkartenschalter hockt so ein Imbeziller, so ein Idiot. 120 Kilo totales Desinteresse. Er löst ein Kreuzworträtsel in der Zeitung. Besonders weit ist er damit noch nicht gekommen. Ich sage: Kann ich ne Fahrkarte haben?
Wo soll’s denn hingehen, Meister?
New York, sage ich.
Da kommen Sie doch nich mit der Bahn hin!
Ach, sage ich, ist doch egal. Was ist denn das Weiteste, was Sie mir anbieten können?
Er blinzelt noch nicht mal. Als käme jeden Tag so ein Irrer mit Gitarre über der Schulter.
Kenne ich Sie?, fragt er.
Nö. Hoffe nich.
Warum wollen Sie denn weg hier?
Ach. Lange Geschichte. Hat mit so nem Mädchen zu tun.
Rosie?
Rosie?
Ja?
Sie kennen Rosie?
Is meine Schwester.
Tut mir leid für Sie.
Sie ist ne Hure. Nehmen Sie sich das nicht zu Herzen.
Hm.
Sie hat’s mit so ziemlich jedem getrieben, der je in dieses beschissene Kaff gekommen ist.
Versteh schon.
Können Sie die spielen?
Er zeigt mit einem Zeigefinger, der bei anderen Leuten für zwei oder drei gereicht hätte, auf meine Gitarre.
Verkaufen Sie mir jetzt ne Fahrkarte?
Aber klar. Wie wär’s mit Göteborg?
Ich kratze mir das Kinn. Oder doch in den Süden?
Mailand, vielleicht? Oder Rom? Wunderschöne Stadt.
Aber im Süden ist’s scheißheiß, oder?
Na ja. Kühler ist’s im Norden, klar. Aber ne Garantie kann ich Ihnen darauf auch nicht geben.
Tja, da soll sich einer auskennen …
Ich schiebe meinen weißen Hut in den Nacken und kratze mir die Stirn.
Das müssen Sie schon entscheiden, sagt der Typ hinter seinem Plexiglas.