Wilhelms Meisterwerk
Oktober 31st, 2011 § 3 Kommentare
Natürlich, welch ein Glücksfall, dass ich ausgerechnet an diesem Abend einen Kanister Benzin dabei hatte! Meist führe ich ja nur ein Feuerzeug mit mir, aber ich erinnere mich, dass ich mich, weil die Benzinpreise (aufgrund irgendwelcher Friedensschlüsse) gefallen waren, zu einem Spontanhamsterkauf entschlossen hatte. Versteht sich von selbst, dass ich den Zwerg anrief und ihn fragte, ob er nicht Lust hätte, mir bei einer flammenden Performance unter die Arme zu greifen. Imre (so nannte sich der Zwerg, obwohl er eigentlich “Ludger” hieß) ließ sich natürlich nicht lange bitten. Ein Freudenfeuerchen abzufackeln — konnte es etwas Schöneres geben an einem lauen Herbstabend? Und dann noch für einen Pyromanen? Anfangs dachte ich natürlich, er habe die Situation unter Kontrolle. Ich hielt es für einen Scherz, als er den Kanister umstieß und darüber nach vorn purzelte, sich mit seinen kurzen Ärmchen abstützend. Ich lachte lauthals. Selbst als das Benzin einen feuchten Teppich ausrollte, bis unter diesen Fiat, dachte ich mir weiter nichts dabei. Doch war der Fiat ja noch nicht das Ende! Das Ende war der Jaguar, hinter dem Fiat geparkt, lichterloh in Flammen stehend, wie wir es beabsichtigt hatten. Gleich, so viel war klar, würde das Benzinrinnsal dieses Autodafé erreicht haben … Imre, rief ich, nimm die Beine unter den Arm! Wir müssen hier weg! Ich war echt in Panik. Imre rappelte sich auf, rutschte aber auf feuchtem Laub aus und fiel wieder hin. Er umklammerte in seiner Desorientierung den Kanister, als könnte der ihm helfen, und rutschte auf dem Bürgersteig hin und her. Lass das Ding los!, rief ich. suchte aber Abstand zu gewinnen. Imre! Lass den verfluchten Kanister los und komm her! Ich sah in seine Augen, spiegeleiergroße Spiegel nackter Verzweiflung. Wilhelm, wisperte er, hilf mir! Hilf mir doch … und da dröhnte von hinten, von unten das Feedback aus der Flammenhölle heran, eine monströse Lunte, die mit Tausend sturmschnellen Fingern nach Imres Haaren griff, nach seiner Jacke und seinem Gesicht, die selbst seine Schreie nicht unversehrt ließ, sondern sie in Rauch auflöste, welchen mit mildem Seufzen die Abendbrise davon trug.
(Ein Kommentar wurde wegen Trivialität zurückgewiesen.)
Zensur! Gibt es nicht ein Grundrecht auf Trivialität?
Nein. Ihre Trivia-Visa wurde leider eingezogen. Schon überzogen.
Verdammt.
Nicht ich war es, der das Grundrecht auf Trivialität eingezogen hat …