In Pallagonia
November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Bei geistlosen Scherzen, bemerkt Goethe, spiele das Geschlecht der Zwerge überall eine große Rolle. Also schlüpfe ich mal eben in ein schellenlautes Hofnarrengewand, um an einem Beispiel zu erläutern, warum manche von uns solche Probleme mit der postmodernen Ästhetik haben. Dazu ziehe ich, ähem, einen Passus aus der RÖMISCHEN REISE heran:
Im Schlosse selbst nun, dessen Äußeres ein leidliches Innere erwarten läßt, fängt das Fieber des Prinzen schon wieder zu rasen an. Die Stuhlfüße sind ungleich abgesägt, so daß niemand Platz nehmen kann, und vor den sitzbaren Stühlen warnt der Kastellan, weil sie unter ihren Sammetpolstern Stacheln verbergen. Kandelaber von chinesischem Porzellan stehen in den Ecken, welche, näher betrachtet, aus einzelnen Schalen, Ober- und Untertassen und dergleichen zusammengekittet sind. Kein Winkel, wo nicht irgendeine Willkür hervorblickte. Sogar der unschätzbare Blick über die Vorgebirge ins Meer wird durch farbige Scheiben verkümmert, welche durch einen unwahren Ton die Gegend entweder verkälten oder entzünden. Eines Kabinetts muß ich noch erwähnen, welches aus alten vergoldeten, zusammengeschnittenen Rahmen aneinander getäfelt ist. Alle die hundertfältigen Schnitzmuster, alle die verschiedenen Abstufungen einer ältern oder jüngern, mehr oder weniger bestaubten und beschädigten Vergoldung bedecken hier, hart aneinander gedrängt, die sämtlichen Wände und geben den Begriff von einem zerstückelten Trödel.
So, glaube ich, nimmt sich für unsere verspäteten Klassizisten, die sich selbst natürlich für Hochmoderne halten, die berüchtigte „postmoderne Ästhetik“ aus. „Zerstückelter Trödel“, das Fieber-Werk närrischer Gehirne, willkürlich zusammengeschraubter Kultur-Unrat. Nichts, was man wirklich gebrauchen könnte, Nutzwert: null, sogar der Blick auf die schöne Natur versaut durch bonbonbunte Brillengläser.