Das Biederkraftmeier, in dem wir leben.

November 7th, 2011 § 6 Kommentare

Alles das Größte, das Beste, das Tollste. Die Gehirne aufgepumpt von zu viel Gedankengymnastik, unbrauchbare Nervenzellballungen zwischen zu starren Knochenwänden. Da brauchst du schon eine Stange Dynamit, um da Abhilfe zu schaffen. Das Menetekel, vor dem wir alle zittern seit Erfindung der Globalausrottung, entpuppt sich plötzlich als Slogan, der von einer besonders cleveren Werbeagentur an die Wand gesprayt wurde. Jetzt ist es Kunst und hängt in einem Museum in Los Angeles, Tiflis oder Tokio. Sorry, Leute. Wir haben uns geirrt. Die Apokalypse war schon. Entropie statt Big Bang. Und die Sprachmaschine produziert seine leicht verkäufliche Ware nach dem Schema F (wie „Ficken“) vor sich hin.
Das beste Beispiel für das, was gründlich falsch läuft, ist doch Sven. Der verkörpert doch die gesellschaftliche Malaise. Früher war er hier der große Kunstkrawallo, und jetzt sitzt er in seiner stylischen Werbeklitsche am Stadtrand mit 30 Mitarbeitern und schnurrt die Belanglosigkeiten heraus. Stimme: früher rau und laut, heute samtweich und leise. Geht dir rein wie Öl. Kriecht dir direkt durchs Ohr in den Arschausgang. Zum Kotzen, so ein Wichser. Seine feiste Fresse, wenn ich die schon sehe. Auspeitschen, und dann ab zum Kielholen, solange, bis er nicht mehr japst. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Solchen Typen ist echt nicht zu helfen. Die sind wie Krebs für unsere Gesellschaft. Passen sich an jede Lebenslage optimal an. Survival of the haltungslosest.
Und ich? Ich Idiot, ich Spasti suche von früh bis spät nach einer Notwendigkeit. Nach einem Halt. Nach etwas Unverrückbarem. Als hätte Nietzsche nie das große, richtige Wort gesagt vom Tode Gottes. Was lebe ich denn da zusammen? Eine unerträglich arrogante, unverträglich dumme Haltung. Eine völlig hirnlose Pose. Kann ja sein, dass die anderen in einer Postmoderne leben, wo alles geht, was geht. Aber ich, ich lebe nach wie vor in einem Kosmos mit Oben und Unten. Durch den es einen Fahrstuhl gibt, vom Himmel durch die Hölle in die Welt. Und wieder zurück. Mit Mephistopheles als Liftboy.

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§ 6 Antworten auf Das Biederkraftmeier, in dem wir leben.

  • Vielleicht interessiert die Postmodernen einfach nicht mehr wo oben und unten ist? Dann erübrigt sich auch der Lift.

  • Phorkyas sagt:

    (Die Beschleunigung des Lifts könnte ja auch ein Planet sein, den jemand plötzlich unter deine Füße rollt)

    Für den Liftboyjob bewerb’ ich mich sofort. Würde gerne einige Leute in die Geschlossene Gesellschaft schicken – denn die Hölle, das sind ja die anderen.

  • blogozentriker sagt:

    - Juhu! Hey! Yeah!
    So stürmte der junge Mann mit dem strengen schwarzen Brillengestell aus dem Raum. Die Fäuste geballt, die Zähne vor Freude gefletscht. Georg sprang beiseite. Als er eintrat, bemerkte er den aufdringlichen Schwefelgeruch.
    - Was war denn mit dem Typen da eben?, fragte er verwundert.
    - Ach, der. Bob Macha hielt einen Vertrag in die Höhe; das Blut am Fußende war noch nicht vollständig getrocknet. Der ist der Ansicht, er habe mir soeben seine Seele verkauft.
    - Aha? Georg setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Hat er aber gar nicht, oder wie?
    Bob Macha lachte.
    - Meinst du denn im Ernst, Georg, ich nähme die Seele von einem, der sie mir freiwillig verkaufen will?
    - Aber Erfolg in der Welt wird er trotzdem haben?
    - Das, sagte Bob nachdenklich, ist nicht ganz unwahrscheinlich, ja.

  • phorkyas sagt:

    Ein Mephistoteles, der seine Seele, respektive Lederbeutel?, verscherbelt. – Hier fährt der Fahrstuhl wohl wirklich in die falsche Richtung.

  • Ich kannte mal einen Barman, der hatte unterm Tresen eine Spritze zum Blut abzwacken und Verträge. Wenn ein besoffener am Schluß kein Geld mehr hatte, konnte er sich ein bischen Blut abzwacken und damit den Vertrag unterzeichnen, daß der Barman nun Besitzer seiner Seele sei. Dafür bekam er dann noch Freibier. Haben übrigens ein paar wirklich gemacht :)
    Der Barmann meinte, damit habe er dann nach dem Tod eine gute Verhandlungsbasis für seine eigene Seele.

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