Verballistiker

November 14th, 2011 § 3 Kommentare

Erstaunlich, wie einen das geschaffene Textcorpus darauf verpflichtet, einfach immer weiter so zu schreiben, wie man es einst (mit gutem Grund) getan hat – wie man aus dem Gespinst, das man gesponnen hat, schlicht und einfach nicht mehr herauskommt! Die Masche vernascht einen. Haps! Es ist wie bei Kafka: Man folgte dem Läuten der Nachtglocke, und wirklich – es war nicht wieder gut zu machen, nie! So verbos oder erbost man sich auch gibt – man bleibt ein Schiff in enger Fahrrinne. An Umkehr ist nicht zu denken. Man nennt das landläufig wohl „Charakter“, auch „Stil“ wäre ein passendes Wort, will uns (uns?) scheinen. Schicksal ist es auf jeden Fall. Ein ewiger Klamauk, ein Karneval, und fatal ist nur, dass sich auch nach 1.000 Seiten nicht einfach das Buch zuklappen lässt. Schriebe man das Wort „Ende“ (oder „Fin“, oder auch „Happy End“, wie auch immer) – es endete nichts, es änderte nichts. Das ist der Fluch des Blogs. Man bleibt doch auf dem Gleis, man rauscht, von der Last des Geschehenen gezogen, zu Tale. Steinigster Brocken man selbst. Das Ungeweinte bleibt oben, man tränt ihm kein Auge nach. Die Sehnsucht verfängt sich in der Verzweiflung.

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§ 3 Antworten auf Verballistiker

  • Phorkyas sagt:

    Die einen rauschen, wasserfallvoll – die andern tuckern, buchstabenweise und werden wohl nie beim Fressepolierer ankommen.
    (Zum Glück habe ich mir als Achtjähriger selbst schon den Vorderzahl rausgeschlagen, da ists wohl nicht so schlimm, wenn ichs nicht rechtzeitig schaffe)

  • blogozentriker sagt:

    Du bist von der Physik einfach die strengsten Maßstäbe gewöhnt, Phorky — und für diese gibt’s ja auch massive sachliche Gründe: Einmal falsch gerechnet, und in CERN blasen Deine Leute uns ein Schwarzes Loch in den Erdmittelpunkt, und noch bei richtigen Ergebnissen trägst Du zu irgendeinem schurkischen Atomprogramm bei! Oder, ein anderes Szenario: Du stellst fest, dass das Universum schon in wenigen Monaten kollabieren wird (aufgrund irgendwelcher bizarren Eigenheiten einer spezifischen Struktur der Dunklen Materie, die Du “Hohlkörper” taufst), und die Hälfte der Erdbevölkerung versinkt ob der “Phorky-Konstante” in Depressionen. Wohingegen ich das Spielerische, Kasparhafte der Literatur zum Programm erhoben habe, weil ich weiß, dass, was ich tue, absolut keinerlei realen Konsequenzen hat. Das Gute für Dich: Die letzten Monate wird die zum Untergang verdammte Erdbevölkerung ausschließlich von Dir sprechen — sogar Musil wird vergessen sein, fast so vergessen wie Broch!

  • phorkyas sagt:

    Mit dieser Anpreisung meines Tuns erntete ich in eine Kaffepause doch etwas irritierte Reaktionen: Dass das Elfenbeinturmeske unsrer Rechnungen doch das beste sei. Niemand wird da je Raketen mit bauen können, weil es eh nur fünf Leute auf der Welt interessiert.

    Ich glaub, in mir ist doch schon zuviel Kapperbrunn, aber dass ich das alles nicht mehr ernst nehme, sage ich bestimmt besser erst, wenn ich meinen Doktor habe – mein Doktorvater darf’s schon sagen, der genießt eh schon Narrenfreiheit

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