Wie ein rollender Stein, oder: Vielleicht müssen wir uns Sisyphus auch als unnützen nützlichen Idioten vorstellen?

November 14th, 2011 § 8 Kommentare

Ich schreibe Texte. Texte, in denen es in DEM Sinne um nichts geht. Was so mühsam ist, wie es klingt. Mit einem pictorial turn gesagt: Ich rolle tagein, tagaus (der baureiheneigene word processor schläft nie) diese unglaublich schweren, sperrigen und nutzlosen Brocken den Berg des größten Widerstands hoch. Was alle um mich herum (sehr zu Recht wohl) eher lächerlich finden. Sie sagen: Geh doch lieber schwimmen, Mann, wen interessieren denn TEXTE? – Schön. Mich juckt’s nicht, was sie reden. Denn genau das ist eben mein Leben: Steinbrocken einen steilen Hang hinauf wuchten. Mittlerweile finde ich’s sogar ganz okay. Früher war es jedes Mal zum Steinerweichen, wie ich heulte, wenn mir der Stein abrutschte und ins Tal rollte, weil meine Arme zu weich waren und ich zu schwach für den Job. Das war ein Spektakel! Das hätten Sie sehen sollen, es hätte auch Ihr Herz erwärmt! Ich plärrte eine Weile, und dann stiefelte ich mit teuflischer Engelsgeduld hinterher. Mit blutigen Fersen, von denen sich die Fleischbrocken lösten, und einem traurigen Liedchen auf den Lippen. Das ist nun mal meine Bestimmung, mein Beruf, mein Schicksal: Ich stapfe bergab rollenden Felsen hinterdrein. Dann brauchte ich wieder eine ziemliche Weile, bis ich mich damit angefreundet hatte, dass der Stein auch dann nach unten rollte, wenn ich ihn endlich sauber oben abgestellt hatte. Sobald ich dachte: Jetzt hab ich’s geschafft! – zack, da war der Fels auch schon wieder auf dem Weg nach unten. Ganz ehrlich gesagt: Anfangs dachte ich, es ginge bei der Wälzerei darum, da oben eine Burg zu bauen, oben auf dem Berg. Aber Burgen gibt’s nicht, es gibt nur Stein um Stein. Inzwischen weiß ich, dass das Rollen das Ziel ist. Darum gibt’s auch nur einen einzigen Stein für jeden von uns. Und eigentlich ist es ganz egal, ob er hoch rollt oder runter. Hauptsache, es ist jemand da, der ihm folgt. Soll ich euch was sagen? Ich warte nur auf den Moment, da Jackie Chan mich da oben erwartet. Um mir die Fresse zu polieren. Er wird sagen: Du glaubst, das Steinerollen hat dich hart gemacht, he? Ha! – Und dann schlägt er mir mit seinen granitharten Handkanten die Zähne aus. Einzeln. BAMM, BAMM, BAMM. Und dabei wird er brüllen: Hast du jetzt endlich gerafft, wer die Herren dieser Welt sind, Phorky? Hast du es kapiert? Es sind die STEINE!

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