Nackte Fäuste

November 23rd, 2011 § 3 Kommentare

- Was viele unserer Leser sehr beschäftigt, ist ein verstörender Aspekt Ihres Romans. Und zwar spreche ich hier von dem Fehlen einer weiterführenden Perspektive, von dem radikalen Verzicht auf Metaphysik, die Sie ja, wenn ich Ihr Werk richtig deute, als eine ähnliche Verschwörung von Idioten sehen wie den Kulturbetrieb.
- Das ist richtig, ja. Man kann die Dinge wahrscheinlich so betrachten.
- Könnten Sie dazu vielleicht noch ein paar Worte sagen, Herr Macha? Um vielleicht so etwas wie ein versöhnliches Licht über die Angelegenheit zu verbreiten?
- Herr Sörensen, auch wenn Sie mir sehr sympathisch sind, so muss ich mich doch fragen, ob Sie mich auf den Arm nehmen wollen!
- Ich? Aber wieso das denn?
- Schauen Sie, es ist ja nicht so, dass man als Autor den Lesern einen Trost schuldet, auch wenn es so sein mag, dass man der Welt einen Toten schuldet. Eventuell schuldet der Leser MIR etwas – da bin ich mir nicht so sicher. Aber Spaß beiseite: Was ich dem Leser anbiete, ist eine Fahrt in einem Einbaum. Da sind wir beide gefragt. Ich räume ein, dass ich am Steuer sitze, von einer gleichberechtigten Partnerschaft kann man also in dem Sinne nicht sprechen, aber auf Ihre Hilfe bin ich doch angewiesen! Ohne Sie komme ich keinen Millimeter voran! Ich kann ja nur ein naturgetreues Porträt dessen geben, was mich zu einem bestimmten Zeitpunkt bewegt hat. Und da war eben schon so ein Blick in ein dunkles Glas. Dass sich das heute vielleicht alles ganz anders darstellt und relativiert hat usw., das steht auf einem anderen Blatt – es gehört nicht mehr zu den HOHLKÖRPERN.
- Ah, ja. Wirkt sich denn eigentlich diese, ich nenne es mal: Düsternis Ihrer Weltauffassung in irgendeiner Weise auch auf Ihre private Existenz aus?
- Sie meinen, ob ich als Typ eher düster bin? Ein Negativling?
- Ja.
- Ob ich herumlaufe und meine Nachbarn mit der Kettensäge traktiere?
- Ich würde nicht so weit gehen, natürlich, das erscheint mir etwas …
- Oder ob ich meine Frau schlage?
- Das vielleicht schon eher, ja. Aufgrund der Verzweiflung, die doch oft bleischwer auf Ihrer Seele liegen muss. Das braucht doch ein Ventil?
- Sie haben Recht, aber ich tu’s nicht. Bisher noch nicht.
- Probieren Sie es doch einmal aus!
- Haben Sie denn Erfahrung damit?
- Natürlich! Ich schlage meine Frau regelmäßig!
- Mit den nackten Fäusten?
- Ja.
- Wie reagiert Ihre Frau darauf?
- Bisher sehr positiv. Sie zeigt Verständnis.
- Ach. Schön.
- In solchen Momenten beweist sich eine Ehe.

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