Jeder Award hat seinen Preis
November 25th, 2011 § 3 Kommentare
- Also, ich sag das jetzt mal ungeschminkt, Freunde: Wir haben heute beschissen performed. Bzw. performt. Damit meine ich, dass wir jeden Besucher unseres Blogs zum Mittagessen hätten einladen können, ohne mehr als das Kleingeld in der Hosentasche zu brauchen. Und ja, sagt Bob Macha, seine Stimme dabei fast wund vor Wut und Schmerz, ich rede vom Nobelitaliener im Norden der Stadt, bei dem viele von euch noch nie waren und aller Voraussicht nach auch nie sein werden!
Lange Gesichter, um den ganzen Tisch herum. Sowohl von links aus gesehen, als auch von rechts.
- Dieser Award, den man uns da aufgepappt hat, führt Macha weiter aus, die Statistiken, einen Schwung Papier, durchblätternd, der hat sich in keiner Weise für uns ausgezeichnet. Im Gegenteil. Beifall von der falschen Seite — er sieht auf, hält kurz die Klappe, dann fällt die Klappe auch schon wieder: — schadet uns eher.
- Das ist die Sprache der Zahlen, sagt, etwas zu laut, Ewerdink. Bernd Ewerdink, der Statistiker, der zwar allen mit seinem angeblichen IQ von 132 in den Ohren liegt, sich dessen ungeachtet aber von früh bis spät als totaler Idiot erweist. (Immerhin, die Zahlen hat er im Griff, meint man, weil niemand Lust hat, sich vom Gegenteil zu überzeugen.) Unmissverständlich, sagt Ewerdink noch schnell und klappt sein widerborstiges Jackettrevers wieder herunter, wobei er versehentlich seinen Kugelschreiber mit BLOGOZENTRIKER-Aufdruck aus der Brusttasche fegt.
Das Schreibgerät macht es sich mit einem gleichmütigen Klick auf der Auslegeware gemütlich.
Ewerdink überlegt, sich nach dem Stift zu bücken, doch Bob Macha schießt einen grolligen Blick auf ihn ab, und der Zahlenfex beschließt, dass Warten immerhin ja auch eine Option sei.
Macha fängt an, sich mit der Hand ausgiebig durchs Gesicht zu wischen und den Hals zu massieren.
- Ich weiß ja nicht, schnauft er. Ein paar Sachen müssen jetzt mal klargestellt werden, und da ich hier immer noch der Chef bin, obliegt das wohl mir. Also. Es gibt hier unter uns einige, und damit meine ich nicht nur Alice Schwarzer (die Grande Dame des feministischen Budenzaubers stößt erleichtert die Luft aus) — wobei du trotzdem gefeuert bist, Alice (die Grande Dame des feministischen Budenzaubers schlägt die Hände vors Gesicht und gibt einen spitzen kleinen Schrei von sich). Was ich sagen will. Einige von euch hier sind der Ansicht, man könne eine Reputation und eine Auflage nicht ausschließlich auf Artikel über Furzerei beim Arschlecken, Borderlinismus und Hyposensibilität …
- HyPERsensiblität!, wirft der Praktikant ein, gedämpften Tones zwar und keusch, aber gleichwohl keck.
- … aufbauen, fährt Bob Macha fort, dieser Korrektur durch diese Kreatur natürlich in KEINSTER Weise achtend. Und ich habe mir diese Bedenken ja auch eine ganze Weile angehört. Doch, Freunde, ich hatte ein offenes Ohr! Ich bin kein Unmensch! Wie Bob Macha jetzt aufblickt, muss er selbst grinsen. Scheiße, sagt er, da muss ich ja selbst grinsen!
- Verlangst du von uns jetzt also wieder das übliche harte Programm? Diese Grenzpornographie?
Es ist Georg, der so fragt. In seiner klagenden Stimme rollt der Unmut von Jahren wie Donner in meilenweiter Entfernung.
Bob Macha seufzt. Er faltet die Hände. Er lächelt.
- Leute, sagt er. Wir sollten es wenigstens noch mal probieren. Oder?
- Und dieser Award?
Aller Augen richten sich auf Nettie Moore. Nicht wegen ihrer Grazie (da ist keine), nicht wegen der schönen Stimme (dito). Sondern einfach so. Weil Massenmenschen reflexhaft denjenigen anglotzen, der seine Stimme erhebt.
- Den Award reichen wir einfach weiter, sagt Macha.
- Aber an wen denn?
Wieder fragt, wieder klagt Georg.
- An metepsilonema! Bob Macha erhebt sich. Er knüllt die Statistiken zusammen und wirft das insgesamt eher mittig gefaltete Bündel in Richtung Papierkorb. Gibt’s noch Fragen?
Er trifft übrigens nicht in den Papierkorb. Er streift diesen noch nicht einmal. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, wurde der Papierkorb gestern Abend verpfändet, um den Mitarbeitern morgens ein Frühstücksbüffet offerieren zu können.
Doch davon später mehr.
Weiß Macha eigentlich, was er will? Wenn ja: Weshalb spricht er es nicht aus, und zwar so, dass es ein jeder versteht?, fragte der Praktikant ganz leise, ganz hinten, ganz unsicher seinen Nachbarn in der Klobox nebenan.
Wenn er es wüsste, wär er kein Macha, fürchte ich.
Oh. Nun denn…