Neulich, im Schatten der Verleihung des 34. “Versatile Matrizenmechaniker Award” …

November 25th, 2011 § 3 Kommentare

- Ach, das spricht man wie “breath” aus? Wie englisch, “Atem”?
- Das is ne lange Geschichte, Phorky. Dazu muss ich ein bisschen ausholen … Ich hab dir nie erzählt, wie es kam, dass Bob ein paar Tonnen Kokain in seinem Keller gehortet hat, oder?
- Bob? Um Himmels willen, nein! In seinem Keller?
- Pass auf, das kam so. Er drehte damals diesen Film …
- Warte mal! Bob Macha? Der hat einen Film gedreht?
- Er hat über 40 Filme gedreht.
- Wow.
- Aber dieser Film war etwas ganz Besonderes. Der einzige Film, mit dem er es ernst meinte.
- Okay.
- Es war ein Social-Science-Fiction-Film, eine Mischung aus STAR WARS und BAYWATCH. Über einen jungen Sternenritter, der kurz davor steht, seine Mission hinzuschmeißen und sich das Leben zu nehmen. Er steht schon auf den Kreidefelsen von Helgoland, ein DLRG-Roboter, der vor ihm herumschwirrt, flattert verzweifelt mit seinen Stahlflügeln und summt ihm beruhigende Mozart-Melodien zu, damit er nicht springt. Im Hintergrund pathetisch ausgeleuchtete Wolkenbänke. Das alles vermag seinen Entschluss jedoch nicht zu beeinflussen. Er hat die Schnauze voll, er will nur noch sterben.
- Üble Geschichte.
- Retten tut ihn in letzter Sekunde so ein weiser alter Mann, Merlin, der unserem jungen Freund die Augen öffnet und ihm klar macht, dass er eine Bestimmung hat in dieser Welt. Dass er eine Verantwortung trägt, der er nicht ausweichen darf.
- Klingt wirklich irre. Ein echter Bob Macha!
- Das Werk ist in die Filmgeschichte eingegangen! Allerdings nicht aus künstlerischen Gründen …
- Sondern?
- Nun, Bob hat mit seiner Performance das Method Acting auf eine neue Stufe gehoben … du kennst doch diese Geschichte, Phorky, wie Robert De Niro sich mal 30 Kilo angefressen hat, um einen verfetteten, abgehalfterten Boxer zu spielen?
- LIKE A RAGING BULL.
- In diesem Fall ging Bob noch einen Schritt weiter. Und zwar hat er eine Spielpause von 30 Jahren eingelegt.
- Wieso denn das?
- Weil er beide Parts spielen wollte! Er wollte den jungen, verwirrten, an seinem Auftrag irre werdenden Mann spielen. Und zugleich auch den weisen, alten, erfahrenen Helfer.
- Ich glaub’s ja nicht … 30 Jahre?
- So konnte der alte Bob noch mal mit dem jungen Bob spielen — zumindest in der Phantasie der Zuschauer. Das hat, ehrlich gesagt, im Endeffekt nicht ganz so hingehauen, wie er sich das erhofft hatte, weil die beiden Darstellungen nicht wirklich zueinander passten. Das war nicht ganz synchron. Aber der Effekt war natürlich toll!
- Verblüffend.
- Und um diese 30 Jahre Wartezeit zu überbrücken und danach seinen Film trotzdem garantiert noch beenden zu können, musste Bob natürlich gewisse Vorkehrungen treffen.
- Indem er, warte. Hat das was mit dem Kokain zu tun? Er hat zu diesem Zweck Koks gehortet, ja?
- Alle anderen haben damals ihr Geld in Gold investiert. Der Aktienmarkt war in Turbulenzen geraten, wenn du dich erinnerst, die Börsen fühlten sich an wie eine Schlauchbootfahrt im Wildwasser, wie eine Raftingtour. Da sagten sich viele: Wir brauchen stabile Werte!
- Ich versteh nur nicht ganz …
- Nun, Bobs Argumentation war ganz einfach: Er sagte, im Grunde seien das einzige, was wirklich krisenfest ist, Drogen. Und da er zufällig gute Kontakte zu einem Kokainhändlerring hatte …
- Das Filmgeschäft. Verstehe.
- Leider kam ihm etwas dazwischen. Weswegen er dann auch so viele Filme drehen musste, einfach, um die Miete bezahlen zu können. Denn wenn er sein Haus verloren hätte, wären ja auch seine Anlagen im Keller futsch gewesen …
- Das waren also hauptsächlich Auftragsarbeiten, diese Filme?
- Na klar. Ihn hat das alles überhaupt nicht interessiert. Er hat nur für sein Meisterwerk gelebt. Wer ihm dann allerdings beinahe das Genick gebrochen hätte, das war ein Hesse, ein Frankfurter. Ein Mann namens Breth.
- Breth?
- Du kennst den Namen vielleicht eher in seiner amerikanischen Aussprache: “Breath.”
- Moment … damit wären wir wieder bei dieser Wunderdroge, richtig? Von der es in DER TOD HAT EINEN LANGEN ATEM* heißt, sie sei so stark, dass Kokain im Vergleich zu ihr wie schwarzer Tee wirke?
- Exakt.
Phorky zieht die Brauen zusammen. – Lass mich mal kurz nachdenken, sagt er. Ich will das mal kombinieren … diese Droge führt dazu, dass der Wert von Kokain schlagartig sinkt, stimmt’s? Und für Bob bedeutet das, dass seine Anlagen rapide an Wert verlieren …
- Sehr gut! Tom nickt anerkennend. Man merkt, dass du es gewohnt bist, Versuchsanordnungen zu interpretieren.
- Oh, Phorky wird rot, das würde ich nicht überbewerten … es gibt Bessere, weitaus Bessere …
- Wie auch immer, fährt Tom fort. Dieser Breth jedenfalls, der war ursprünglich in die USA gekommen, um Jazz-Platten zu produzieren. Was natürlich keine besonders geschäftstüchtige Entscheidung war.
- Eher eine etwas idiotische, würd ich sagen!
- Eine Herzensentscheidung, und das Herz ist ja bei den meisten ein Idiot. Zum Glück! Natürlich war Breth auch bald klar, dass es nicht laufen würde mit seiner Geschäftsidee. Darum machte er sich daran, eine Droge herzustellen.
- Die dann nach ihm benannt wurde …
- Und deswegen eigentlich “Breet” ausgesprochen werden müsste.
- War er denn Chemiker, dieser Breth?
- Nein, er war einfach ein Naturtalent.
- Aha, verstehe.
- Ja … sag, nimmst du auch noch eine Spezi?

* Ein unveröffentlichter Pulp-Text, ein düsteres Endzeit-Szenario, eine Apokalypse der Berliner Republik, die Geschichte des sagenhaften Rex Granit, nur unter der Ladentheke in gewissen blogozentrischen Zirkeln erhältlich.

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§ 3 Antworten auf Neulich, im Schatten der Verleihung des 34. “Versatile Matrizenmechaniker Award” …

  • Phorkyas sagt:

    Meth oder Breth?
    Versuchsanordnugnsinterpretionen soll ich leisten können, wo ich nicht einmal den Genitiv beherrsche?
    Phorky ist ferienreif — aber nicht auf Helgoland, selbst wann da die Matrizenmechanik gefunden wurde — in Matrixproduktzuständen war ich jetzt erst einmal genug.

  • blogozentriker sagt:

    Phorky, gleich nach dieser Verleihung haste Urlaub. Versprochen! Und der Genitiv, der ist ja ohnehin vom Aussterben bedroht … also, er ist natürlich des Aussterbens bedroht!

  • Big sagt:

    Jetzt dämmert’s mir. Ja, ich bin gar nicht Fletcher, ich bin Big. Und dieser grandiose Film mit dem irren Sternenritter der sich 30 Jahre später als Merlin inkarniert selber gerettet hat… Wie konnte ich den vergessen, wo der DEN Award gekriegt hat? Verdammt, hat mich diese Szene etwa unbewusst auf meinen Trip gebracht?

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