Fleischfliegenmoden

November 29th, 2011 § 9 Kommentare

Dann sind wir durch.
Alle Vergleiche sind gezogen, alle Metaphern zu Meta-Metaphern verdünnt. Die Text-Maschine läuft leer. Ein leises Jaulen zieht sich unter den Zeilen hin. Die Analogien sind alle strapaziert bis zur Hirnrissigkeit, die Bilder verblasst. Dünntintige Umrisszeichnungen reichlich ungeklärter Sachverhalte.
Es fällt einem nix Neues mehr ein.
Und da fragt man sich plötzlich: Wieso soll einem eigentlich dauernd etwas NEUES einfallen? Wer hat denn DIESEN Zwang jetzt wieder in meine Denk-Maschine eingebaut? Wieso soll der neue Schwachsinn denn draller sein als der von gestern?
Was läuft denn nur falsch?

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§ 9 Antworten auf Fleischfliegenmoden

  • tom-ate sagt:

    Manchmal gerät einem die Lust Neues zu kreieren wirklich zum Zwang. Das Problem ist vielleicht eben eher die Metamorphose der Lust ins Zwangshafte, weniger die objektive Unmöglichkeit, “neue” Bilder zu malen? (Nur so als Frage dahergeschrieben… ich hab ja gar keine Ahnung.)

  • blogozentriker sagt:

    Bestimmt, ja. Und der Zwang, die Kreation des Neuen zu wiederholen, dieser Wiederholungszwang, steht ja in eklatantem Widerspruch zum Neuen selbst, er ist also nur ein maskiertes Altes, verdammt geschickt maskiert wohl, aber letztlich doch nur das berüchtigte Mehr desselben. Vielleicht hat dieser Widerspruch oder Widerstreit mit dem zu tun, was Søren Kierkegaard sagt: „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben.“ Der Drang nach Schaffung eines Neuen wäre demnach vielleicht die (unmögliche, absurde) Sehnsucht danach, das Leben vorwärts auch schon zu verstehen! (Was ja irgendwie auch eine Definition des “pseudo-event” (Daniel Boorstin) ist, unter dessen Knute unser Alltag ächzt und wimmert und stöhnt.)

    • Hängt nicht der Drang zu schaffen, damit zusammen Neues zu schaffen? Wer möchte bloß etwas reproduzieren, als nicht zumindest eine eigene Stimme finden, eine Form, die man für sich passend wählt und schafft (was nicht dasselbe wie zwanghafte Neuigkeit ist)?

      [Was ist ein Pseudoevent? Hat nicht das Wort Event schon genug Pseudohaftigkeit in sich?]

      • blogozentriker sagt:

        Daniel J. Boorstin schrieb 1963 — korrigieren Sie mich — ein Buch mit dem Titel: “The Image”, eine unfassbar kluge, hellsichtige Studie über die nach und nach an “pseudo-events” verkaufte Kultur der damaligen Vereinigten Staaten von Amerika. Es geht um news, die allein aus PR-Gründen lanciert und vorbereitet werden. In Frage steht die Trennung zwischen echten Ereignissen (9/11) und rein gemachten (Eröffnung eines Hotels) — wenn es sich natürlich auf einer anderen Ebene nur um eine Frage der Information handelt (vielleicht ist dann nur noch ein Erdbeben ein WIRKLICHES Ereignis?).

  • tom-ate sagt:

    Hm, “das Leben vorwärts auch schon zu verstehen” – ja, Scheiße, das wär ja wirklich ein Knaller. Also das steckt hinter der ganzen Schreibmaloche? Als SehnSUCHT ist es dann ein “Pseudo-Event” und davon leben die Medienpseudoknallfrösche. Solln wir jetzt unsere Blogs dicht machen?

  • blogozentriker sagt:

    Klar. “Heute hör ich mit dem Saufen auf, Tom — nur einen letzten Absturz gönn ich mir noch”, sagte der Alkoholiker zum Barmann.

  • tom-ate sagt:

    Und später im Suff: “Tom, die Welt ist total am Arsch, sie weiß es nur nicht. Woher auch? Gib mir noch einen.”

  • blogozentriker sagt:

    Noch später: “Tom, ich bin sowas von froh, dass ich jetzt endlich mit dem Saufen aufhöre! Ich kann dir gar nicht sagen, wie erleichtert ich bin. Das Saufen, das ist ja auch eine furchtbare Last! Ich meine, es hat auch seine geilen Seiten, klar, wer wollte das … gib mir noch einen, wer weiß, vielleicht … vielleicht ist das hier, dieses Glas in meiner Hand … ah, schau! Schau das klare gelbe Getränk! Ist es nicht eine Tragödie, dass es mein letztes sein soll? Dass es hiermit VORBEI sein soll? Aber anders ist es nicht zu machen! Ich muss töten, was mein Herz leben lässt, damit ICH leben kann! Tom, nein”, kopfschüttelnd, exend, “Tom … gib mir noch einen. Komm.”

  • Das hatten wir doch schon einmal ausführlich diskutiert? Und bedeutet Moderne nicht ihre stetige Selbstüberwindung?

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