Verballistiker
November 14th, 2011 § 3 Kommentare
Erstaunlich, wie einen das geschaffene Textcorpus darauf verpflichtet, einfach immer weiter so zu schreiben, wie man es einst (mit gutem Grund) getan hat – wie man aus dem Gespinst, das man gesponnen hat, schlicht und einfach nicht mehr herauskommt! Die Masche vernascht einen. Haps! Es ist wie bei Kafka: Man folgte dem Läuten der Nachtglocke, und wirklich – es war nicht wieder gut zu machen, nie! So verbos oder erbost man sich auch gibt – man bleibt ein Schiff in enger Fahrrinne. An Umkehr ist nicht zu denken. Man nennt das landläufig wohl „Charakter“, auch „Stil“ wäre ein passendes Wort, will uns (uns?) scheinen. Schicksal ist es auf jeden Fall. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Wie ein rollender Stein, oder: Vielleicht müssen wir uns Sisyphus auch als unnützen nützlichen Idioten vorstellen?
November 14th, 2011 § 8 Kommentare
Ich schreibe Texte. Texte, in denen es in DEM Sinne um nichts geht. Was so mühsam ist, wie es klingt. Mit einem pictorial turn gesagt: Ich rolle tagein, tagaus (der baureiheneigene word processor schläft nie) diese unglaublich schweren, sperrigen und nutzlosen Brocken den Berg des größten Widerstands hoch. Was alle um mich herum (sehr zu Recht wohl) eher lächerlich finden. Sie sagen: Geh doch lieber schwimmen, Mann, wen interessieren denn TEXTE? – Schön. Mich juckt’s nicht, was sie reden. Denn genau das ist eben mein Leben: Steinbrocken einen steilen Hang hinauf wuchten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ein Text wie alle anderen: Mash-up with Macha
November 12th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Es ist ein Skandal, sagt Johnny Kröger und wirft erst mal den Tisch um, den vorhin zwei kraftvolle Zopfträger in leichenwagenschwarzen T-Shirts herangeschleppt haben und auf dem bald danach Mikrofone, Wasserflaschen und Pressemitteilungsausdrucke zu liegen kamen! Und wir fragen uns: Warum, Johnny? Was ist denn jetzt schon wieder in dich gefahren? Peter Berling, der neben Johnny am Tisch gesessen hat, solange ein Tisch zum Dransitzen noch vorhanden war, schüttelt nur stumm den Kopf. Irgendwo in dem Kladderadatsch auf dem Podium sind seine handschriftlichen Erinnerungen, Aufzeichnungen zu Rainer Werner Fassbinder, vermischt jetzt mit billigem Rotwein und totem Leitungswasser. Alles zu seinen Füßen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Die einzig richtige Art, die HOHLKÖRPER zu kaufen
November 11th, 2011 § 3 Kommentare
Für Phorky und die Tomate
Sie betreten die Buchhandlung Ihres Vertrauens. Zum Buchhändler, einem Kauz mit verstrubbeltem weißen Haar und einer halben Brille auf den Nasenflügeln, sagen Sie: – Ich hätte gerne einmal die HOHLKÖRPER, bitte.
Der Buchhändler blickt Sie über seine halbe Brille hinweg an. Verwirrt. Hinter ihm erheben sich stumm und hehr die Regalwände. Prall gefüllte Wortphalanxen.
- Die HOHLKÖRPER, wiederholen Sie, in etwas strengerem Ton.
- Ja, aber was …
Der Buchhändler zuckt ratlos die Achseln, Sie marschieren stracks an ihm vorbei, zur Belletristikabteilung.
- Na, sagen Sie forsch (gern können Sie sogar die Hände reiben, um den Effekt zu verstärken), was ist da so schwer, da schaut man halt unter M, wie „Mattheis“, und da findet man dann …
Sie bleiben vor dem Bücherregal stehen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Schriftsteller und Schauspieler. –
November 10th, 2011 § 11 Kommentare
Während der echte Schriftsteller für das Schaffen schafft, sich also absolut in sein Werk versenkt, selig ist im Abtauchen in den Zeilenfluss und sich von seiner Tätigkeit (die ja keine Tätigkeit ist) aufnehmen lässt wie die Tinte vom Löschpapier, braucht der Schauspieler den Spiegel des Publikums. Der Schauspieler ist gewissermaßen auf den Widerstand der Blicke und des kollektiven Atems angewiesen, der ihm unter die Flügel schwimmt wie die Auftriebsluft dem Adler, oder vielleicht ist ein besserer Vergleich ein Rettungsboot, das auf den Wogen der Begeisterung tanzt (er kann nicht schwimmen? Während der Schriftsteller selbst zum Meer wird, zum Strom, zum Weißen Wal, zum besessenen Hapunier?). « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Trauerkloß, Ausgebrannter, Schwächling, Lowperformer, Nichtsnutz, Arbeitsverweigerer, Faulpelz, Wehrkraftzersetzer, Träumer, Unbrauchbarer, Minderqualifizierter, Trantüte, Wertloser
November 9th, 2011 § 1 Kommentar
- Der Roman, das ist natürlich nicht ein zusammengeleimtes Konvolut von bedrucktem Papier. Ein Roman ist ein geistiger Organismus, ein Mensch in Reinform, ein höherer Mensch! Nietzsches Übermensch, das ist der Roman! Der Roman ist die Wahrheit über uns, über die Menschen, sagte der Autor der HOHLKÖRPER zu mir mit heiserer Stimme « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Dittemann verließ seine Wohnung.
November 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Genau genommen war es nicht SEINE Wohnung, weil natürlich seine Frau die Eigentümerin war und seine Frau mit ihm nichts mehr zu tun haben wollte. Wegen einer 17-Jährigen, das stelle man sich mal vor! Dittemann arbeitete als Abteilungsleiter bei einer Versicherung, er tat, mit anderen Worten, gar nichts, als Verträge zu begutachten. Das tat er mit einem müden Auge, denn meist stimmte ja alles, und fiel ihm doch einmal etwas auf, eine klitzekleine Unrichtigkeit (er wusste inzwischen genau, in welchen Ritzen sich solche bevorzugt versteckt hielten), rief er den zuständigen Sachbearbeiter zu sich und sagte ihm in harschen, klaren Worten, dass es so nicht ginge, dass ein Minimum an Sorgfalt ja wohl vom Angestellten einer der größten Versicherungen Europas erwartet werden könne! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Oh, nein, nicht schon wieder: eine Reflexion über den Roman
November 8th, 2011 § 7 Kommentare
Was ist eigentlich der WAHRE Inhalt eines Romans? Eine spannende Fabel – ja, gut. Braucht’s die? Wie spannend ist denn Prousts Fabel? Er ging früh schlafen, war’s nicht das? War das nicht der Clou? Oder James Joyce, sein ULYSSES. Die Story: Ein jüdischer Anzeigenverkäufer läuft durch Dublin, redet, wichst und trinkt. Und denkt. Was für ein Thriller! Noch schlimmer ist ja der Fall des ZAUBERBERGs. Da passiert auf 700 Seiten gar nichts mehr, bis sich am Ende völlig überraschend der Naphta in den Kopf schießt, dieser katholische Action-Fanatiker. Natürlich macht heute, im Zeitalter der Massen, jeder Leser sein Recht auf Unterhaltung geltend. Wenn man Gebühren zahlt, ist das ja auch naheliegend. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
sein Gesicht muss durch des Löwen Hals gesehen werden
November 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Nja, nee, ich weiß nich … das muss ja noch glaubwürdig sein! So ergibt’s keinen Sinn. Basti, stell doch mal den Laptop da drauf, du bist ja der DJ, du brauchst n bisschen Überblick!
- Hierher? Okay.
- Und jetzt, warte mal … was können wir da noch … hattest du nich nen Schal um, gestern?
- Hab ich jetzt mal weggelassen, weil, es is ja doch relativ heiß hier mit den ganzen Scheinwerfern …
- Ach so, ja. Klar. Nee, passt schon, Basti. Ich frag mich nur, wie wir noch mehr … das Licht stimmt so aber, oder?
- Das war so, ja.
- Vielleicht sollte er noch ne Bierflasche kriegen? Dass er ne Bierflasche hält? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Das Biederkraftmeier, in dem wir leben.
November 7th, 2011 § 6 Kommentare
Alles das Größte, das Beste, das Tollste. Die Gehirne aufgepumpt von zu viel Gedankengymnastik, unbrauchbare Nervenzellballungen zwischen zu starren Knochenwänden. Da brauchst du schon eine Stange Dynamit, um da Abhilfe zu schaffen. Das Menetekel, vor dem wir alle zittern seit Erfindung der Globalausrottung, entpuppt sich plötzlich als Slogan, der von einer besonders cleveren Werbeagentur an die Wand gesprayt wurde. Jetzt ist es Kunst und hängt in einem Museum in Los Angeles, Tiflis oder Tokio. Sorry, Leute. Wir haben uns geirrt. Die Apokalypse war schon. Entropie statt Big Bang. Und die Sprachmaschine produziert seine leicht verkäufliche Ware nach dem Schema F (wie „Ficken“) vor sich hin.
Das beste Beispiel für das, was gründlich falsch läuft, ist doch Sven. « Den Rest dieses Eintrags lesen »