Einflussangst?
November 6th, 2011 § 2 Kommentare
CAROLE DESBARATS/JEAN PAUL GORCE: Glauben Sie, dass das Werk von Jean-Luc Godard einen Einfluss auf Ihre eigene Arbeit oder auch auf Ihre Vorstellungskraft ausgeübt hat?
JACQUES DERRIDA: Nicht den geringsten Einfluss, so weit ich weiß. Entschuldigen Sie die Kürze und brutale Offenheit der Antwort. Wenn ich Zeit und Kraft hätte, würde ich vielleicht mehr sagen, aber ich bin mir da nicht so sicher.
(„L’effet Godard“, hg. v. Carole Desbarats & Jean Paul Gorce, Paris & Mailand 1989.)
Text, entstanden bei dem Versuch, ganz blogozentrisch-hohlkörperisch die Kritik einer Kritik zu verfehlen
November 5th, 2011 § 3 Kommentare
Wissen Sie, Gide und seine FALSCHMÜNZER, und dann noch MEISTER UND MARGARITA — Pardon, aber welcher Roman sähe in dieser Umgebung nicht reichlich beknackt aus? Ich will Ihnen aber ein Geheimnis verraten. Es ist ja gar kein Roman. Es ist, wie Sie ganz richtig sagen, ein Metaroman, ein Roman über das Nichtzustandekommen eines Romans. Und zwar kommt für mich, mich persönlich, heute ein ernstzunehmender Roman nicht mehr zustande. Das ist eine ganz idiosynkratische Angelegenheit! Das Hineintauchen in die Kontinuität und Kongruenz einer Geschichte — bitte verzeihen Sie, dass ich Sie mit diesen stümperhaften Fremdwörtern langweile — es ist mir versagt. Seit geraumer Zeit schon. Vielleicht schon immer. Ein Defekt meines Sensoriums, eine Aufmerksamkeitsstörung außerhalb der Schulbänke. Ich schlage einen Roman auf, und ich schüttele den Kopf: Nein, nein, stimmt doch nicht, nein, Quatsch, Pose, wann denn, Banalität, Betrug, das Leben ist nicht so, wer liest denn noch Gedichte (wer las je Gedichte?), wo findet man so zarten Umgang miteinander, Moment: Hochherzigkeit? Das sollen MENSCHEN sein? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Karls Song
November 4th, 2011 § 12 Kommentare
Ich war nur so ein Junge.
Ein Junge aus Trier. Na ja. Trier …
Ein Kandidat halt für die Eiserne Lunge
Nach einer Überdosis Bier.
Ich stamm aus ner Kiste voller Rabbis.
Vielleicht daher die Eschatologie?
Die letzten Dinge – damit hab ich’s.
Heißer Hirndrang, hin zu Jetzt oder Nie!
Ich qualmte krautige Zigarillos.
Jeder andre wär daran erstickt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Mythen sind innen hohl
November 3rd, 2011 § 5 Kommentare
- Bob. Wo willst du denn …
- Ich? Ich will abhauen, was denn sonst!
- Abhauen? Aber du kannst doch jetzt nicht abhauen! Die Leute da draußen warten alle auf deine Lesung! Der Saal ist proppevoll!
- Ja, eben!
- Hä? Was soll denn das jetzt schon wieder heißen?
- Hilf mir doch mal eben, diese Blumenkübel hier zur Seite zu …
- Stopp, Bob! Komm da runter, was willst du denn auf dem Fensterbrett? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Auf Tiefen gegähnt
November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Ja, aber dann die Vorstellung, all diese, diese Geister, diese … Dämonen … das ist …
- Dämonen?
- Ich weiß ja auch nicht, sie räumte mit infernalischem Klappern das Geschirr beiseite, aber wenn er mich so anstarrt … oder durch mich hindurch starrt. Er sieht mich ja nicht einmal. Er glotzt mich an, und weiß der Henker, was er dabei sieht! Das ist schon angsteinflößend!
- Ich glaube nicht, dass er eine Psychose hat, Christina.
- Ein großer Trost! Sie stemmte ironisch ihre Fäuste in die Hüfte, in diese von einer Schürze bedeckte Hüfte, die einst so viele Männer zu Dummheiten hingerissen hatte. Wirklich, Bob, ich muss sagen, es ist wirklich ein ungeheurer Trost, wenn ein Mann wie du mir sagt, er sei der Ansicht, dass Georg keine Psychose hat! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
In Pallagonia
November 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Bei geistlosen Scherzen, bemerkt Goethe, spiele das Geschlecht der Zwerge überall eine große Rolle. Also schlüpfe ich mal eben in ein schellenlautes Hofnarrengewand, um an einem Beispiel zu erläutern, warum manche von uns solche Probleme mit der postmodernen Ästhetik haben. Dazu ziehe ich, ähem, einen Passus aus der RÖMISCHEN REISE heran:
Im Schlosse selbst nun, dessen Äußeres ein leidliches Innere erwarten läßt, fängt das Fieber des Prinzen schon wieder zu rasen an. Die Stuhlfüße sind ungleich abgesägt, so daß niemand Platz nehmen kann, und vor den sitzbaren Stühlen warnt der Kastellan, weil sie unter ihren Sammetpolstern Stacheln verbergen. Kandelaber von chinesischem Porzellan stehen in den Ecken, welche, näher betrachtet, aus einzelnen Schalen, Ober- und Untertassen und dergleichen zusammengekittet sind. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Körper voller Hohlheit (4): Der Verfasser
November 1st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Eine Kindheit habe er nicht gehabt, sagt er. Meine Kindheit, sagt er, war KING KONG. Außerirdische waren mir näher als meine Familie.
Ich frage noch einmal nach diesem Buch, dessentwegen wir uns ja auch überhaupt treffen! Wir treffen uns ja nicht in diesem Hotel, um über problematische Kindheiten zu sprechen – da hätte ich nämlich auch ganz schön was aufzutischen! Ich frage also: Ja, sicher, aber wie war das, das mit Ihrem Buch?
Die erste Idee zu diesem Buch ist so alt wie das Universum, sagt der Autor der HOHLKÖRPER also. Der Autor der HOHLKÖRPER ist ein aufgeschwemmter, träge in seinem Stuhl hängender Saufsack. Sein bevorzugtes Betäubungsmittel ist Gin Tonic. Ich wollte ursprünglich ein Ding mit dem Titel GONDELN AUS BLEI schreiben, sagt er, aber das ist voll abgesoffen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »