Ich hab einfach keine Lust, mir für so einen Quatsch auch noch einen Titel auszudenken!
Dezember 2nd, 2011 § 1 Kommentar
- Ja, da war die Idee, sagte Nikodemus, ob wir uns, also, ein satirisches Stück für den blogozentriker. Für die morgige Ausgabe.
Ich zupfte meine Krawatte in Form. Was mir nicht recht gelang.
- Satirisch?
- Und zwar. Er zog einen Stuhl heran und setzte sich zu mir an den Tisch; er war sehr aufgeregt. Ich spürte seinen fauligen Atem, verursacht von zu vielen schlaflosen Nächten und geschundenen Magenwänden. Goethes WILHELM MEISTERS WANDERJAHRE.
- Was hab ich damit zu schaffen?, brummte ich leise, doch mehr wie zu mir selbst. Er hörte es gar nicht.
- Das lang erwartete, heiß ersehnte Sequel der LEHRJAHRE.
- Ah, ja.
Nur wenig Licht noch im CHEZ CHEF, wenig Gäste auch. Der Erwerbsdruck saugte die Menschen in ihre Betten. Drüben tuschelten Mimi und die schmale, dunkle Bäckereifachverkäuferin miteinander. Sie sahen immer wieder in unsere Richtung. Was es da zu tuscheln gab? Ich raffte mich auf:
- Und wie, was soll das? Wo ist da jetzt die Satire?
- Nu warte doch mal ab!
- Ah, so.
- Die Idee, die Georg und ich hatten, ist: Da stehen die Leute schon zwei Tage, bevor das Buch erscheint, vor den Buchhandlungen. Lange Schlangen aus überhitzter Erwartung und schierer Hysterie. Verstehst du? Wie in den Neunzigern bei der Veröffentlichung von Guns’n'Roses-Alben, oder wie heute, wenn das neue iPhone erscheint.
- Ja, na ja …
- Also, gewissermaßen diese absurde, Nikodemus kichert, ein paar Finger vor den schadhaften Zähnen, diese abstruse Legendenbildung karikierend. Dass damals die Leute alle Goethe gelesen hätten, während sie heute nur noch Scheiße läsen, wie Roche oder Heinz Strunk, oder so Popliteratur für Impotente, Handke und Müller usw.
- Heinz Strunk?
- Du weißt schon. Diese ganzen …
- Aber wen soll denn das interessieren?, rufe ich endlich aus, halb hilflos, halb belustigt.
Als Chef eines solchen haarsträubenden Unternehmens, wie der blogozentriker es ist … aber das wissen Sie ja mittlerweile, dass man da manches krude Wort zu Gesicht bekommt.
Mimi und die Bäckereifachverkäuferin sind still geworden, beobachten unseren Tisch aufmerksam. Nikodemus blickt mich an. Empört, verblüfft.
- Na, das ist doch komisch! Was ist denn sonst komisch, wenn nicht das?
Auch wenn Druck und Sog ein widersprüchlich sind, ein schöner Satz: Der Erwerbsdruck saugte die Menschen in ihre Betten.