Kill Bob

Dezember 11th, 2011 § 1 Kommentar

Hey, Bill.
Bill blickt auf. Er hebt mir seine Sonnenbrillengläser entgegen. Sein Gesicht: reglos. Er ist ja dafür berühmt geworden, dass er notfalls auch einen ganzen Film durchspielen kann, ohne eine Miene zu verziehen. Einmal hat er zu mir gesagt, dieser ganze Text in den Drehbüchern ekele ihn an. Er käme auch ohne diese leeren, nichtigen Wörter über die Runden. Alles, was ich brauche, sagte er, ist ein Whiskey in der Hand.
Damals hatte ich das cool gefunden. Ziemlich frech und absolut. Ich hätte nur nie erwartet, dass es seine wahre Natur beschreibt!
Bizarrerweise hat er just in diesem Moment einen Strohhalm zwischen seinen Lippen hängen. Er schlürft eine Cola-plus-irgendwas-Hochprozentiges in sich hinein. Durch einen rot-weiß gestreiften Strohhalm. Die Farben seines Hemds sind unbeschreiblich. Jedenfalls in den Worten, die unsere Sprache uns zur Verfügung stellt. In einer Mischung aus Gekreische und Pavianlauten bekäme ich es hin.
Vielleicht.
Er liegt ausgestreckt auf einer Liege neben seinem Pool. Seine neue Frau schwimmt in dem klaren, chlorgestärkten Wasser. Sie hat den Rücken einer Athletin, was mich zum Schlucken bringt.
Liebe Grüße von Quentin, sage ich.
Quentin wer, sagt er und lässt ein monströs lautes Schlürfen hören. Als würde der Swimmingpool mit einer High-Speed-Vakuumpumpe geleert.
Tarantino.
Quentin Tarantino. Bill Murray wiederholt den Namen langsam. Aha. Und wer ist das?
Quentin Tarantino? Ich gebärde mich wie eine dieser unseligen Hollywoodschauspielerinnen, wenn sie Fassungsloskeit zum Ausdruck bringen. Ich haue mir mit der flachen Hand auf die Brust und klimpere mit meinem Schmuck und all diese Sachen. Was man in schlechten Schauspielschulen so lernt, um am Set nicht allzu sehr aufzufallen.
Du fragst mich, wer Quentin Fuckin’ Tarantino ist? Bill?
Noch während ich diese Nummer abziehe, wird mir klar, was für eine miese Schauspielerin ich bin. Diese Szene müsste man definitiv rausschneiden. Gut, dass ich wenigstens ganz geil aussehe.
Ach, der. Murray verzieht weiterhin keine Miene. Ich weiß schon. Der PULP-FICTION-Typ.
Ich rede eher vom KILL-BILL-Typ, sage ich, weil ich das für einen witzigen Einfall halte.
Du meinst wohl eher diesen NATURAL BORN BASTERD, richtig?
Seine Stimme ist müde. Sie kommt von weit, weit her. Ihr Ursprung liegt noch jenseits der magischen neun Buchstaben, die in riesigem Weiß im Hintergrund prangen.
H.
O.
L.
L.
Y.
W.
O.
O.
D.
Ich ziehe den Rotz durch mein linkes Nasenloch hoch. Das andere ist von gestern Abend noch ziemlich ramponiert. Verstopft mit Blut und Gaze und Rauschgiftabfällen. Ich werfe mir die blonden Haare zurück in den Nacken.
Okay, sage ich. Wie ich höre, sollst du Bob Macha spielen, ja?
Wer sagt das.
Dein Agent sagt das, Bill.
Hör mal, Scarlett, sagt er, du glaubst doch nicht alles, was mein Agent sagt? Oder glaubst du tatsächlich alles, was mein Agent sagt?
Ich senke den Blick. Ich denke nach. Ich muss meine Gedanken sortieren …
Scarlett?
Lass mich einen Augenblick … nur einen Augenblick, sage ich. In einer sehr theatralischen Gebärde fasse ich mir an die Stirn, aber so, mit gespreizten Fingern, dass ich nicht meine Frisur vollkommen ruiniere. Auch das habe ich auf der Schauspielschule gelernt. Ich bin mir nur gerade nicht sicher, ob es die richtige Gebärde ist, ob ich nicht vielleicht ein Lächeln hätte probieren sollen. Ein verletztliches, scheues Lächeln. Sanft und töricht genug, um Bill inklusive aller Zuschauer dieser Welt auf meine Seite zu ziehen … schwierig!

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§ Eine Antwort auf Kill Bob

  • Scarlett sagt:

    Nun, Bob, äh Bill war seinerzeit auch ganz flott unterwegs in “What About Bob?” Gut, damals war ich erst sieben, aber ich mochte ihn trotzdem diesen Bob Wiley. Er war einfach entzückend.

    Das alles kann kein Zufall mehr sein. Bill muss jetzt Bob Macha spielen, wer sonst? Und warum eigentlich nicht großes Hollywood-Kino? Oder will jemand, dass der Held wie dieser Dombrowski aussieht und zu lachen gibt’s dann nichts mehr? (Köpfchen schief legend, Schmollmündchen)

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