Okay, Bob. Was wir jetzt noch brauchen, ist dein Sperma.
Dezember 25th, 2011 § 3 Kommentare
Mein …
Und dein, also, Fäkalien.
Fäkalien?
Deine Scheiße, sagt Phorky.
Scheiß einfach in diesen, mete hält Bob Macha einen etwa 50 cm langen Glaszylinder hin, in dieses Behältnis. Wir werden das dann, na ja.
Verwerten, sagt Tom.
Wartet mal, Freunde! Bob Macha springt einen Sprung nach hinten. Er hebt abwehrend die Arme. Das findet er jetzt alles schon so ein bisschen beunruhigend, wenn er ganz ehrlich sein darf, was hier passiert: Wollten wir nicht ein KUNSTPROJEKT zusammen machen?
Exakt, bestätigt mete mit einem Nicken.
Phorky sagt: Eines, das dich in der internationalen Kunstwelt ganz nach vorne katapultiert.
mete: Auf die vordersten Ränge.
In aller Gelassenheit, ergänzt Tom.
Es geht einfach darum, hebt Phorky zu einem Gesang vom multimedialen 360-Grad-Ereignis an, dich nicht nur in Bildern und Texten zu präsentieren …
Die übliche Scheiße, so Tom.
… sondern dich inklusive all deiner Körperflüssigkeiten …
Urin, Sperma, Kacke.
… zu zeigen.
Ecce Homo, meint Tom noch.
Nackt, versteht sich.
Mit Wanst und Schwanz.
Tom grinst.
Was gibt’s denn da zu grinsen?, keift Bob Macha.
Nur so, sagt Tom.
Sei doch nicht so reizbar, ruft mete. Wenn du keinen Schwanz hast, dann ohne deinen Schwanz. Kein Problem.
Was hat denn, Bob bläst die Backen auf, gleich platzt er, jetzt lasst doch mal meinen SCHWANZ aus dem Spiel, verdammte Scheiße!
Nenenenene. So geht’s nicht. Wir brauchen eine Atmosphäre von Intimität und Vertrauen, rügt Phorky.
Wir machen das hier ja nicht zum Spaß! (mete dixit.)
Alle vier starren sich ein paar Sekunden lang feindselig an. Frost bildet sich auf den makellos weißen Wänden der Galerie. Dann bricht Tom das Eis: Okay, Bob. Was meinst du, wie viel Sperma könntest du ad hoch produzieren? Genug um, er zieht etwas Buntes, Schlaffes aus seiner Tasche, um diesen Luftballon zu füllen?
Also, wenn ich mir dieses Treffen vor Augen halte. Ich meine ja nur. Sollten wir Bob Machas internationalen Durchbruch – als Kunstprojekt oder so – nicht ein bisschen weniger fäkalisierend, ähm angehen? Ein bisschen familientaug- und -freundlicher… ? Bei Bobs Namen sollen die Fans instantan an Popcorn denken und dem nächsten Sequel entgegenfiebern. So sauber wie Hollywood nur sein kann… Nicht avantgardistische, knetescheißerische Kunst heißt die Losung, oder die Lösung? Keine Ahnung.
Statt Scheißekneten Knetescheißen?
Bob kaute auf seinem Zigarrenstumpen herum. Tom dachte, dass er wohl, na ja, nachdachte. Vielleicht, überlegte Tom weiter, ist es bei uns allen so ein gewaltsamer Anblick, wenn wir mal das Gehirn anschmeißen? Was, so Toms nächster Gedanke, erklären könnte, weswegen man in einer krankhaft auf Äußerlichkeiten fixierten Gesellschaft …
Hm, meinte Bob mit einem Mal, klingt gut.
Phorky in der Maske diskutiert mit der Schminkerin.
“Bitte gut grundieren, meine trockne Haut verträgt das sonst nicht so gut.”
“Jaja, schon gut. Du Mimose. – Ach, diese Schauspieler alle.”
“Ja, wir. Aber erst dieser Bob Macha. Mit dem solltest du dich nicht einlassen.”
“Steh’ nicht so auf alte, versoff’ne Säcke weißt.”
“Ich glaub, da unterschätzt du ihn bei weitem. Das ist nur einer seiner vielen Tarnungen, der spielt auf so vielen Metaebenen gleichzeitig, da kann einem ganz schwindlig werden.”
“Keine Gefahr für mich.”
“Schon klar. Jetzt lobe ich ihn auch schon, obwohl ich doch gerade mich ärgerte, dass schon wieder mit Fäkalien geworfen wurde.”
“Schon aufgefallen, dass das oft passiert wenn du da bist?”
“Wie jetzt? Dieses ‘Lecken & Furzen’ war doch noch eindeutig vor meiner Zeit.”
“Mag ja sein, aber in diesem Beitrag kamen die Fäkalien aus deinem Mund.”
“Na danke, was kann ich denn dafür, was der mir wieder in den Mund legt. Ich bin doch auch nur so’n Statist.”
(er reißt sich den Schminkumhang ab und stürmt Richtung Bühne)
“Jetzt reicht’s – jetzt erzähl ich dem Kerl was ich von seinem Schmierentheater halte”, schnaubt er noch vor sich hin..
Als er jedoch die Bühne betritt ist das Saallicht schon aus, 2000 Watt Licht brutzeln auf ihn runter und das Publikum klebt an seinen Lippen:
“Ähh.. Guten Rutsch, Bob, ehrlich!”, stammelt er.