Crashtestimonial
Dezember 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich glaube, sagt Bob Macha, das Geheimnis meines Erfolgs, wie Sie es nennen (übrigens ein kauziger Begriff angesichts meiner Verkaufszahlen, aber nun ja), besteht in meiner Authentizität.
Die nicht ganz echt ist, sagt der Interviewer mit einem Lächeln.
Nein, auch darin bin ich sehr authentisch: Meine Authentizität ist gefälscht. Versteht sich. Selbst dieser Whiskey hier …
Bob Macha hält dem Interviewer sein Glas hin. Der Interviewer nähert dem Behältnis seine Nase. Er schnuppert, hebt die Augenbrauen in rundem Bogen empor und ruft: Apfelsaft?
Immerhin, sagt Bob Macha mit einem Grinsen, ich liefere wenigstens keine sorgfältig ausgepinselten Beiträge ab, in denen ich mich von hoher Warte aus mit dem Weltgeschehen, dem Verfall der Kulturen und den rebellischen Bewegungen in der arabischen Welt auseinandersetze. Die Wahrheit darüber ist: Ich bin Reporter. Ein Reporter ohne Reiselust.
Das schreib ich mir auf, murmelt der Interviewer und notiert sich etwas auf seinem Block.
Ich kann nur über das schreiben, was ich erlebe, was ich mit eigenen Augen sehe. Und darum berichte ich aus dem Alltag, fährt Bob M. frohgemut fort. Denn dieser ist ja, richtig angesehen, das Rätselhafteste überhaupt!
Der Interviewer schaut auf.
Das ist jetzt aber ziemlich banal!, ruft er aus.
Stimmt, sagt Bob Macha. Er schaut dabei aus, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Autsch … das war dumm. Können wir diesen Beitrag löschen?
Der Interviewer zuckt bedauernd mit den Achseln: War leider live, sagt er.