Form Follows Fun

Dezember 30th, 2011 § 4 Kommentare

Zünd ihn an.
Soll ich? Wirklich?
Nun mach schon, brummt Bob Macha.
Wenn er schon selber darum bittet, sagt Tom.
Aber das ist doch eine Scheiße, ruft Phorky verzweifelt aus. Acht Gläser Glühwein haben nichts daran geändert, dass er diese Hinrichtungsart als ausgesprochen bestialisch empfindet. Einen Menschen zwischen Lkw-Reifen zu stecken. Mit Benzin zu übergießen. Und –
Zünd mich an, kräht Bob Macha. Mach schon!
Können wir ihn denn nicht wenigstens vorher erschießen?, fragt Phorky flehentlich.
Hast du eine Waffe?
Toms Zynismus ist so kalt, wie seine Logik unbestechlich ist.
N-n-nein, stammelt Phorky, der plötzlich am ganzen Leibe schlottert. In seinen Pennerklamotten schlottert. So heftig schlottert, dass lauter leere Dosenbierdosen aus seinen verschiedenen Taschen (vorn, hinten, seitlich am Bein) purzeln. Es sind löchrige, ausgefranste Taschen — um so lauter das Klappern, Scheppern, Kullern.
Wie lange soll ich mir dieses Affentheater eigentlich noch antun?, keift Bob Macha. Das ist ja unmenschlich! Habt ihr denn kein Herz, ihr Halunken?
Mach Schluss, Phorky, sagt jetzt auch mete, der sonst zu den Besonnensten gehört. Wir wollen ja auch mal nach Hause, oder?
mete macht sich schnell noch ein paar Notizen auf seinem karierten Block; ein Aphorismus, den er heute Abend, daheim, ausarbeiten wird, vor dem dunkelnden Fenster, mit Blick auf den Stephansdom, umgeben von den Requisiten einer klassischen Geistesmenschenbehausung. Er wird, was er jetzt flüchtig notiert, auskomponieren, den Satzbau entschleunigen, die Betonungen kontrollieren; dazu wird er sich seine Formulierungen vorsingen, ein ums andere Mal, bis oben wieder dieser Barbar, dieses versoffene Vieh, der Herr Behringer, mit seinem Stiefelabsatz aufs Parkett hämmert, nur damit er in Ruhe seine Frauentausch-Scheiße schauen kann …
Hey, ruft in diesem Augenblick einer der Studioarbeiter aus einiger Entfernung, ist da noch wer? Hallo?
Pst.
Tom presst seinen Zeigefinger auf die Lippen. Phorky fällt auf die Knie und stoppt die letzte zerknickte Bierdose in ihrem holprigen Lauf. mete lässt den Block sinken.
Sie stehen zu viert im Lichtkegel eines letzten Scheinwerfers. Sie haben beschlossen, an diesem Tag auch beim Film demokratische Ideale umzusetzen. In Tyrannos! Da für die Antagonisten-Rolle nur einer in Frage kam, Bob Macha, hat man halt ihn dieser brutalen Auslöschungsmethode auszusetzen beschlossen. Entliehen wurde die Idee dazu aus einem Film über die ausufernden Gewalttätigkeiten in brasilianischen Favelas. Eigentlich war alles perfekt, Phorky hatte extra ein Zippo-Feuerzeug besorgt …
Na ja, und jetzt tauchte dieser Techniker auf und vermasselte die ganze Show. Am nächsten Morgen fanden sie Bob Macha in seiner Lkw-Reifen-Hülle, ein Michelin-Männchen des Todes, lebendig zwar, doch eingenässt vom eigenen Urin. Der Kultregisseur ließ daraufhin eine besonders langweilige Szene mit Phorky, Tom und mete proben, immer und immer wieder, bis auch der fünfte Regieassistent verschlissen und mit einem Nervenzusammenbruch abtransportiert war.

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§ 4 Antworten auf Form Follows Fun

  • Tom sagt:

    Nichts gegen Dosenbier, haste noch ‘ne volle Dose? Aber hättest du nicht diesen bescheuerten Sammeltick UND löchrige Taschen in deinem Pennermantel, Phorky… (Tom winkt ab)

    (Phorky schweigt) Dann sollten wir uns mal ganz in Ruhe “Plan 9 from Outer Space” anschauen. Da kannst du ‘ne Menge lernen. Wie man schön Kulissen schiebt, wie man Zombies RICHTIG darstellt und überhaupt all das, was Filme zwar günstig hält und doch ziemlich lustig macht. Steppenwolf mit flatternder Untertasse wäre irgendwie magischer, oder nicht? Und wenn schon barbarisch, dann mit Stil.

  • Michelin-Männchen des Todes, wunderbar!

    Statt “Dosenbierdosen” vielleicht “Bierdosen”? Klingt weniger umständlich.

  • blogozentriker sagt:

    Aber das “Dosenbierdosen” an sich kullert doch schon über den Lese-Boden, mete!

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