Weltliteratur, hausgemacht

Dezember 30th, 2011 § 1 Kommentar

Könnte ich etwas schreiben, das mir WIRKLICH etwas bedeutet?, fragt sich Bob Macha in einem alten Schulheft, das er auf dem Dachboden des großelterlichen Hauses seit über 20 Jahren aufbewahrt zwischen fauligen Stapeln von pornografischen Heften. Etwas, das aus dem Stand der Virtualität herausrutscht in den Stand des Gewünschten? Ich komme dahin. Bislang war mein Schreiben nur ein Vomleibehalten altvertrauter Gespenster, von Visagen und Wispern. Schreibend versuchte ich mich selbst zu erfinden: das Projekt Ich-Werdung. Nun habe ich immerhin den Erkenntnissprung bewältigt zur Handschrift. Der Begriff der Handschrift scheint mir, gerade in einer individualistischen Zeit wie dieser, essentiell zu sein. Meine Handschrift verrät mich: Sartre schrieb nur mit der Hand, und Sartre war immer eine meiner Lieblingsimagines von Mir-als-Autor. Sicher hat so ein auf dem Bildschirm ausgebreiteter Text eine größere Autorität als das mit der Hand Gekritzelte. Es gibt keine Striche, keine Schmiererei. Die Sterilität dieses Textverfahrens korrespondiert mit der (scheinbaren?) Sterilität der großen Texte. Man schreibt also seinen eigenen Mikrotext unmittelbar dem universellen Makrotext ein. Gutenberg für alle. Es gibt keine Wische mehr. Keine Schein-Ernsthaftigkeit. Das Bewusstsein der meisten hängt jedem Geschriebenen ja automatisch ein Pseudo- vor. Die Dummheit, die per E-Mail unterwegs ist, scheint eine Dummheit geringerer Potenz zu sein als die konventionell verbreitete; vielleicht schlägt man auf seine eigene noch die Intelligenz des Übermittlungssystems drauf? Oder der Zauber der Elektronik ist so groß, dass er die Ödheit der Semantik glatt aussticht?

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§ Eine Antwort auf Weltliteratur, hausgemacht

  • Hat das Schreiben auf Papier – bei mir immer die erste Skizze, Niederschrift -, nicht etwas Rauschhaftes, Entladendes und das Tippen, das Verstellen und Umformulieren etwas von Überlegung, auch von Musikalität?

    Ich behaupte, dass viele schönere Sätze zustande brächten, wenn sie Mühe und Übung in Kauf nähmen (oder Freude daran fänden).

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