Kill Bob
Dezember 11th, 2011 § 1 Kommentar
Hey, Bill.
Bill blickt auf. Er hebt mir seine Sonnenbrillengläser entgegen. Sein Gesicht: reglos. Er ist ja dafür berühmt geworden, dass er notfalls auch einen ganzen Film durchspielen kann, ohne eine Miene zu verziehen. Einmal hat er zu mir gesagt, dieser ganze Text in den Drehbüchern ekele ihn an. Er käme auch ohne diese leeren, nichtigen Wörter über die Runden. Alles, was ich brauche, sagte er, ist ein Whiskey in der Hand.
Damals hatte ich das cool gefunden. Ziemlich frech und absolut. Ich hätte nur nie erwartet, dass es seine wahre Natur beschreibt!
Bizarrerweise hat er just in diesem Moment einen Strohhalm zwischen seinen Lippen hängen. Er schlürft eine Cola-plus-irgendwas-Hochprozentiges in sich hinein. Durch einen rot-weiß gestreiften Strohhalm. Die Farben seines Hemds sind unbeschreiblich. Jedenfalls in den Worten, die unsere Sprache uns zur Verfügung stellt. In einer Mischung aus Gekreische und Pavianlauten bekäme ich es hin. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Stilsicher bis krisenfest
Dezember 9th, 2011 § 1 Kommentar
Sag mal, Bob, ist es wahr, dass du nie recherchierst, weil du davon Kopfschmerzen bekommst?
Von allem, was real ist, bekomme ich Kopfschmerzen, ja.
Und darum willst du Schriftsteller werden?
Simon Bunar, seit diesem Semester Dozent am Weimarer Literaturinstitut, schaute streng in die fünfte Reihe seines Kurses, dorthin, wo Bob saß. Bob überlegte, welcher Ausdruck für sein Gesicht in diesem Moment der angemessene wäre. Er war unschlüssig … er legte sich einen Blick von Alles-oder-nichts zu.
Draußen schlug der Frühling sacht ein paar Akkorde an. Vögel, Sonne, Grashalme – eigentlich ein sehr nettes Arrangement. Indes achtete niemand darauf. Denn Bunar hatte ein Exemplar seines deutschlandweiten Welterfolgs vor sich auf dem Tisch liegen: DOM PELLEGRINO, erschienen im Suhrkamp Verlag. Das Buch bestand zur Hälfte aus schicken Markennamen und zur anderen Hälfte aus ausdauernden Sexszenen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Voynich
Dezember 9th, 2011 § 3 Kommentare
Als ich den Raum betrat, krampfte sich mein Herz zusammen. Es war weder die stickige Dunkelheit, die mir den Atem raubte, noch die plötzliche Stille; viel stärker deprimierte mich die Trostlosigkeit des Anblicks. Wie ein Hammerschlag wirkte diese mit Händen zu greifende Tristesse auf mich. Alles war mit Büchern übersät, die Couch, die zwei Stühle, der kleine, mickrige Tisch mit den dünnen Beinchen, an dem mein alter Freund schrieb. Sogar auf dem Bett bemerkte ich einige Bücherstapel. Geputzt worden war hier auch lange nicht mehr. Dicke Staubschichten waren auf den billigen weißen Regalen zu sehen, auf einer Kerze in Gestalt eines Buddhas, auf ausrangierten Pfeifen. Überall lagen Kugelschreiber und Bleistifte herum — ich hatte das Gefühl, all dies sei längst nicht mehr einsatzfähig, längst vergessen. Relikte, zurückgelassen bei einer Flucht.
Nur die Reiseschreibmaschine, orangerot und vital in der Mitte des Chaos thronend wie eine insektoide Lebensform, die das ganze menschliche Elend nichts anging, strahlte eine bizarre Energie aus. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Postdramatische Epik
Dezember 8th, 2011 § 2 Kommentare
Lady Gaga. Ja. Das ist eine unserer Agentinnen.
Ich zog das Messer genüsslich durch mein saftiges Steak. Sogar an den Zinken meiner Gabel trat Saft aus.
Bitte?
Eine blogozentrische Agentin. Sie kennen Lady Gaga?
Der Reporter sah mich von der Seite an. Dann blickte er auf meinen Teller.
Diese Sängerin, die sich mit Fleischstücken behängt? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Why nott, ne?
Dezember 7th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Oh, sagte sie, das ist toll!, doch was sie eigentlich wollte, war ein Cellobrummen im Hintergrund und eine „New York Times“ vom 25.09.1955, die mit grobem Bindfaden an eine Ledertasche aus den 30er Jahren gebunden und so an eine streng weiß gestrichene Wand « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ketchupmashup
Dezember 7th, 2011 § 1 Kommentar
- Also, er kam hier rein und sagte: Packen wir’s an. Mehr hat er eigentlich nicht gesagt.
- Das war alles, was er gesagt hat?
- Zum Abschied sagte er noch: Sonst noch was?
- Ehrlich? Das ist ja übel!
- Tja, besonders ergiebig wird diese Geschichte für Ihre Zeitung nicht werden … Er hat im Grunde nicht mal wirklich aufgesehen, die ganze Zeit über, wo er hier war. Wollen Sie auch nen Kaffee?
Der Reporter reibt sich mit dem Knöchel seines Zeigefingers die Nase.
- Na ja, sagt er, warum nicht?
Tom holt einen Pott aus dem Regal, schenkt Kaffee aus der Kanne der Kaffeemaschine ein und reicht ihn an den Reporter weiter. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Lee Strasberg wäre entzückt gewesen
Dezember 6th, 2011 § 2 Kommentare
Ach, du …
Ich spucke den Kaffee zurück in meinen Pappbecher und drehe mich gereizt zu der Stewardess um, die mit ihrem Wägelchen durch den Gang zwischen den Sitzreihen zuckelt.
Hömma, Lady, sag ich, was ist denn das für ne Plörre hier?
Sie lächelt charmant: Stimmt was nicht, Sir?
Ja, sag ich, dieser Kaffee hier stimmt nicht! Und zwar stinkt der gewaltig zum Himmel, wenn Sie’s genau wissen möchten! Der schmeckt wie Jauche!
Sie bleibt der Linie treu, die ihr keckes Mützchen ihr vorgibt: Charme bis zum Umfallen. Möchten Sie vielleicht Zucker dazu?, säuselt sie. Oder Milch?
Nein, sage ich, Kaffee! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Reisen um’s Skriptorium
Dezember 5th, 2011 § 12 Kommentare
Okay. Zack. Szenenwechsel.
Nicht immer nur die eitle Selbstbespiegelung des Literaten, die wurstige Nabelschau des Medienprofis! Auch mal das echte Leben einlassen in all seiner verrotzten Dürftigkeit. Das, was unterm Tresen klebt, zeigen, nicht immer nur die Gespräche davor. Bakterien, Kakerlaken, Mitesser. Gibt’s nicht auch jede Menge Achselschweiß beim Umsichschlagen? Zieht nicht jede Sause einen Kater nach sich? Und wofür braucht unsere Gesellschaft all diese irrwitzigen Mengen Klopapier, wenn nicht, um sich den Arsch abzuwischen?
Also, Schnitt, und wir sehen Bob Macha, wie er sich eine Rinderhälfte auf die Schulter wuchtet. Chicago. Schlachthaus. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ein Auszug aus den MEMOIREN EINES SPAZIERGÄNGERS von Fritz von Viellach
Dezember 2nd, 2011 § 2 Kommentare
- Liebling, rief ich durch den Flur, meinen Kaschmirschal um den Hals schlingend, ich gehe mir eben einen Roman kaufen! Auch ein paar Schritte in der frischen Luft werden meinen Bronchien gut tun …
- Oh, aber beeil dich, wir essen doch gleich!, antwortete meine Frau aus der Küche.
- Iss du deinen Braten mal schön allein, rief ich lachend.
- Verpiss dich doch einfach, du Hurenbock!, kam das eheliche Echo lauthals über mich.
Ich flitzte also die Treppe hinab und auf die Straße. Den Spazierstock schwingend, schritt ich aus.
Ich freute mich auf den neuen Roman. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ich hab einfach keine Lust, mir für so einen Quatsch auch noch einen Titel auszudenken!
Dezember 2nd, 2011 § 1 Kommentar
- Ja, da war die Idee, sagte Nikodemus, ob wir uns, also, ein satirisches Stück für den blogozentriker. Für die morgige Ausgabe.
Ich zupfte meine Krawatte in Form. Was mir nicht recht gelang.
- Satirisch?
- Und zwar. Er zog einen Stuhl heran und setzte sich zu mir an den Tisch; er war sehr aufgeregt. Ich spürte seinen fauligen Atem, verursacht von zu vielen schlaflosen Nächten und geschundenen Magenwänden. Goethes WILHELM MEISTERS WANDERJAHRE.
- Was hab ich damit zu schaffen?, brummte ich leise, doch mehr wie zu mir selbst. Er hörte es gar nicht.
- Das lang erwartete, heiß ersehnte Sequel der LEHRJAHRE.
- Ah, ja.
Nur wenig Licht noch im CHEZ CHEF, wenig Gäste auch. Der Erwerbsdruck saugte die Menschen in ihre Betten. Drüben tuschelten Mimi und die schmale, dunkle Bäckereifachverkäuferin miteinander. « Den Rest dieses Eintrags lesen »