I’am bus
Dezember 2nd, 2011 § 6 Kommentare
Er war eine jener poetischen Seelen, aus denen nie ein Dichter wird.
Dafür gibt es viele Gründe. Vielleicht ist es Zartheit des Herzens, ein Übermaß an Takt? Seinen Mitmenschen Stunden über Stunden ihrer Lebenszeit zu rauben, nur damit sie hinterher sagen können, sie hätten das Buch von dem und dem gelesen, einem echten Dichter — das ist nicht jedermanns Sache. Mancher ist sich darüber sehr wohl im Klaren, dass all diese leere Zeit gefüllt sein muss und dass es edlere Weisen gibt, die Leere zu füllen, als das Lesen mittelguter Romane. Und vielleicht spürt unser Fallbeispiel ja, dass er mehr als ein mittelguter Romancier nie sein wird?
Gedichte wiederum — Gedichte sind heikel. Wer schreibt heute denn noch Gedichte? Man muss schon bekloppt sein, um heute noch Gedichte zu schreiben. Gar nicht, weil es nicht die höchste menschliche Tätigkeit wäre, Gedichte zu verfassen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Theater, reine Gegenwart
Dezember 1st, 2011 § 5 Kommentare
Ich tu mich schwer mit der Präsenz. Die Präsenz ist schon ein harter Brocken. Ich hab mich auch immer schwer getan mit dem Präsens, aber die Popliteraten haben mir das ausgetrieben. Die haben die Jetztigkeit von allem dermaßen arg akzentuiert, sind so herumgeritten auf dem Punktuellen, Flüchtigen, Vorläufig-Spontanen jeder Äußerung und Wahrnehmung, dass einem ja letztlich nichts anderes übrig blieb, als wie jeder andere Handelsmarketing-Kasper auch zu schreien: JETZT, JETZT, JETZT! Und der Satz: KAUFTEN Sie JETZT ein Brot!, der geht ja nicht. Das ist ja Schwachsinn — schlimmer, das ist Konjunktiv! Das geht ja nicht mal als Werbung durch! (Von Dichtung, die dickere Bretter, dichtere Bretter bohrt, ganz zu schweigen.)
So hat sich also die etwas rüschige Philosophie des Präsens durchgesetzt. Als heißgelaufener Sprachgebrauch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »