Dame, König, As, Spinner

Januar 21st, 2012 § 7 Kommentare

Bob Macha ist immer für eine Überraschung gut. Doch manchmal übertrifft er sich selbst! So kam gestern Abend aus dem Staunen kaum heraus das Publikum im Bayreuther Markgräfinnentheater, als “the blogocentric mastermind” (“Huffington Post”) auf die Bühne trat, um zur Eröffnung der “Fränkischen Kulturwochen 2012″ eine Keynote zu speechen zum Thema: “Brot und Spiele: Brauchen wir wirklich Computer, um das Internet zu usen?”. Gedrängt voll war der Saal, an einigen Stellen knickte die rotsamtene Bestuhlung unter dem Andrang ein. Die Ränge hingen bedenklich durch, weil sich vor allem schwergewichtige Personen nach oben geflüchtet hatten, als die Zuschauer, meistenteils ältere Semester, wie eine irr gewordene Herde Büffel durch die enge Eingangspforte … na ja. Jedenfalls saßen oder lagen dann irgendwann alle.
Und Macha? War in erschütternd neuem Outfit erschienen! Denn er trug ganz stolz seinen Schrumpfkopf zur Schau über elegantem Abendanzug! “Was soll ich mich dessen schämen?”, rief er der tobenden Masse zu, die nach Blut oder Thesen verlangte. “Wir alle sind doch vom Leben gezeichnet!”
Gerade auf den weiblichen Teil des Publikums verfehlte dieser Anblick seine Wirkung nicht. Es kam zu Ohnmachten, viele Damen erbrachen sich in die Hüte ihrer männlichen Begleiter, es herrschte ein Jammern und Wehklagen, das Herz jauchzte bei diesem Anblick! Wenn Theater doch nur immer so polarisieren könnte, dachte man als Berichterstatter bei sich in seiner kleinen Seele.
Macha begann seinen Vortrag mit einer recht umständlichen Darlegung, wie er selbst zum Blogozentrismus gekommen war. “Der Weg war desto kurvenreicher, als es damals den Blogozentrismus ja noch gar nicht gab, es gibt ihn ja im Grunde heute noch nicht!” Sein alter Kumpel Georg, sagte der Querdenker, sei womöglich der einzige Mensch auf der Welt, der “genug Grips” habe, um zu kapieren, was der blogozentriker wirklich solle: “Es hat etwas mit dem Nachleben zu tun, so viel ist gewiss. Es hat etwas zu tun, meine Damen und Herren, mit Peter Sloterdijks REDE ÜBER DEN MENSCHENPARK, es hat mit Selbsterschaffung zu tun und mit Verbalaufrüstung. Perfektion, das ist das Ziel! Nur frage ich mich halt: Wie kann so ein fortgesetzter Dauerstuss zu Perfektion führen? Würde man da nicht Inhalte erwarten, Argumente, hard facts? Nein, sagt da mein Freund Georg, wenn ich ihm mit solchen Bedenken komme, wozu denn? Das ist schon ganz okay so, wie es ist! Das passt.” Und das, so Macha abschließend, genüge ihm “an Gewissheit”.
Dann räusperte sich der Mann mit dem winzigen, unschönen Kopf. Kurz verschwand sein Haupt hinter der Faust, man hörte ein Krächzen. Dann das Geständnis: “Leider habe ich zum Thema selbst, das ich mir für diesen Abend gestellt habe, nicht viel zu sagen … um es weniger euphemistisch zu formulieren”, er scharrte mit den Füßen, “ich hab dazu GAR NICHTS zu sagen.”
Zu diesem Zeitpunkt war der Saal am Überkochen.
“Keine Ahnung, was dieser Blödsinn soll, das Internet interessiert mich ja nun wirklich nicht, ich war offenbar ein wenig angeheitert, als ich den Veranstaltern der Fränkischen Kulturtage …”
“-wochen!”, brüllte jemand aus dem Publikum.
“… oder auch -wochen, wie Sie möchten, wenn Sie so lange durchhalten … jedenfalls, das war’s. Danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!”
Unter wilden Buh-Rufen und wüsten Verwünschungen kletterte Macha vom Podium und warf sich in die Menge. Statt des erhofften Crowdsufings kam es jedoch zu einer Steinigung mit Programmheften; in letzter Sekunde konnte die Intendantin des Theaters, eine Frau mit gemeinen Augen, den alten blogozentriker-Chef durch eine Seitentür aus dem Saal retten.

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