Literaturliebhaber
Januar 26th, 2012 § 9 Kommentare
JUSTINES LITERATURSALON – weiße Schriftzüge auf blauem Hintergrund, wie von einer Feder flink hingewischt in den stillen Tiefen der Bastille. Eine Buchhandlung, und Magnus tritt ein. Er will etwas von Tolstoj kaufen, die Empfehlung eines Freundes, „Der Tod des Iwan Iljitsch“. Und verschnaufen.
An einem runden Tisch sitzen zwei Männer. Hinter Sonnenbrillen schauen sie auf, als Magnus hereinkommt. Draußen hat Schneefall eingesetzt. Der eine der Männer trägt gleichwohl einen hellbraunen Sommeranzug. Der andere hat einen grauen Mantel mit Pelzkragen an. Eine Aura von gepflegter Verwahrlosung geht von ihnen aus. Vor ihnen auf dem Tischchen stehen zwei Weingläser, beide leer. Neben dem Tisch bemüht sich ein Dritter, einen Korken aus einer Flasche zu ziehen; vor Anstrengung – der Korken will nicht heraus – hat sich sein Kopf rot gefärbt. Er ächzt leise.
Es ist kurz nach Mittag.
Magnus geht schnell vorbei; die Blicke der beiden am Tisch Sitzenden folgen ihm. Er nimmt vor einem der Bücherregale Aufstellung, sieht gar nicht, in welcher Abteilung er gelandet ist. Er nimmt den nächstbesten Bildband heraus und blättert. Die Blicke vom Tisch her spürt er in seinem Rücken brennen. Was wollen die denn? Dazu dieses Ächzen, das lauter wird.
Eine Frau spreizt vor ihm ihre Beine in Hochglanzschwarzweiß. Er überfliegt einen kursiv gedruckten Text. Die Buchstaben elegant verschnörkelt, der Text desto schnörkelloser. Das Gesicht der Frau drückt unerbittliche Hingabebereitschaft aus.
Magnus, in einem schäbigen, dunkelbraunen Mantel, dem Erbstück seines Vaters, bekommt mit einem Mal ein flammendrotes Gesicht. Hinter sich hört er die Worte: „No questions.“
Dann ein Lachen.
Er fühlt eine Schwäche im Genick. Hektisch stellt er das Buch zurück ins Regal und dreht sich um. Der Korken ploppt heraus.
„Ah, endlich“, sagt der Mann mit dem Korkenzieher und stellt die Weinflasche auf den Tisch. Er schwankt leicht dabei. Hinter den Sonnenbrillen sind immer noch Augen auf Magnus gerichtet. In dessen Manteltasche schließen sich die feuchten Finger um den Griff des Revolvers …
Ganz schön viele Anspielungen was?
Ich mag den Ausdruck “gepflegte Verwahrlosung” und kann mir sogar etwas darunter vorstellen.
Und Iwan Iljitsch sollte jeder einmal gelesen haben, aber auch diese kleine Erzählung vom Schnee, im Schnee von Tolstoi, deren Name mir aber leider gerade nicht einfällt.
(Etwa: Метель / Schneesturm?- Iwan Iljitsch sollte ich auch endlich mal lesen)
ja, ja. Genau Schneesturm! Reicht aber nicht an Iwan Iljitsch heran. Aber man sagt, selten sei der Schnee so gut beschrieben worden.
Based on a true story.
Dann um so mehr: Den letzten Satz streichen!
Ich hab ihn taxidriverisiert. Okay so?
Taxidriverisiert, ok — aber ich weiß nicht so recht.
Die gepflegte Verwahrlosung oder die gesamte Geschichte?
Sowohl, als auch.