Dunkel ist’s noch nicht, aber das kommt schon noch
Januar 27th, 2012 § 1 Kommentar
Er hielt den Zettel gegen das Licht. Kniff sein linkes Auge zusammen, um besser erkennen zu können. Entzifferte mühsam Georgs Handschrift. Uralt musste diese Notiz sein. Für einen Artikel zum 20-jährigen Bestehen des blogozentrikers.
Bob ist daran gewöhnt, noch die allersimpelsten Informationen aus einer Eierschale schlürfen zu müssen. Und er ist daran gewöhnt, dabei, sehr nach Alexander Kluge, aufs Prinzip der Gutmütigkeit der Schöpfung zu setzen! Daher seine Ausdrucksweise.
Der Artikel war damals nie erschienen, erinnerte sich Bob Macha. Er hatte es untersagt. Er hatte einfach den 21. Geburtstag feiern lassen, ein Handstreich, der allen Gefühligkeiten das Wasser abgrub. Heute würde er allerdings anders entscheiden …
Bob, inzwischen reine Projektion, Leere, die von Nullen und Einsen gefüllt war, ließ den Wisch sinken. Auch wenn es einem Paket äußerst fein gesponnener Algorithmen schlecht zu Gesicht stand, fühlte er Wehmut in sich aufsteigen. Georg, dachte er. Wie war das noch mal gewesen? Die ZEIT hatte den Weggefährten abgeworben, der Altkanzler Schmidt persönlich, inzwischen weit über die Jopi-Heesters-Rekordmarke hinaus, hatte sich auf seinem Sauerstoffzelt ins feudale Chefredakteurszimmer tragen lassen und eine Zigarette geschmaucht. Unwiderstehlich, dieser Auftritt. Machas Imagemachinationen wirkten dagegen wie der Provinzbühnenspuk, der sie ja auch tatsächlich waren. Bob Macha, Mephistopheles aus Oldenburg.
Georg hatte also ja gesagt, ja, machen wir, yes.
Bob Macha stand auf und trat an das Fenster seines Büros. Er hob zwei der Jalousienlamellen auseinander und lugte hinaus, hinüber zu Christian Kleins Büro. Freundlich und gewissenhaft fertigte der inzwischen Ergraute die zahlreichen Bittsteller, mehrheitlich Redakteure und freie Beiträger, ab. Er war unermüdlich, er war klug, er war gut. In seinem Bücherregal hatte er, eine unmissverständliche Geste, sogar ein Exemplar von Bob Machas Autobiografie aufgestellt. HOHLKÖRPER. BEKENNTNISSE EINES MEDIENMANNES. Jetzt fing Klein zufällig den neugierigen Blick seines Vorgängers und Spiritus rector von gegenüber ab. Waffengefährtenhaft blinzelte er, dabei ein weiteres Dokument unterzeichnend, dem blogozentriker-Gründer zu. Dieser musste schmunzeln, nickte dankbar und ließ die Lamellen wieder zusammenfallen.
- Noch jede Menge zu tun, sagte er zu sich selbst, sagte es zu dem leeren Raum, der ganz genau wusste, dass nicht das kleinste Fitzelchen von irgendwas zu tun war. Und er rieb die Hände aneinander, ein behutsames Rascheln wie von altem Papier.
Ist das weniger spontan geschrieben? Kommt mir nämlich rhythmisch durchkomponierter vor? Schön auf jeden Fall!