Der Stimulus der Wirtschaft ist: „Kauf, und alles wird gut!“ Eine religiöse, warenfromme Haltung. Eine kindliche Geste; die Konsumwelt streicht uns sachte über das Köpfchen. Schlafe weiter, Vernunft, sei ohne Angst … die Wirtschaftsweisen wachen über dich! In der Ware liegt das Heil, der Rabatt bringt uns der Erlösung noch näher. Natürlich ist die Ware mehr als die Ware, eine Materialisation, die Verkörperung von etwas Immateriellen. Wovon aber? Vom Kontostand? Oder von der Kraft der Lebenslüge? Je blöder und einfältiger eine Lebenslüge ist, desto mehr Menschen können sich hinter sie scharen, und die schiere Masse ihrer Verteidiger gibt der Lüge eine unerhörte, übermenschliche Kraft … der Triumph des Kapitalismus, des Willens zum Kapitalismus beruht auf blanker Verblendung. Je dürftiger und durchschaubarer die Lüge ist, desto mehr Energie setzen die Menschen ein, um ihre Plausibilität zu bewahren. Daher die Wut, die man erlebt, wenn man sich samstags in die Fußgängerzone, in die Kaufrauschgebiete begibt. Nun, auch die Schnäppchenjagd ist eine Jagd, nicht wahr?
Der Kontostand seinerseits ist die Abstraktion eines vitalistischen Prinzips. Die Möglichkeiten, die uns bleiben, können mit Hilfe des Kontoauszugs bemessen werden. Wer sechs Stellen vor dem Komma hat, braucht sich keine Sorgen zu machen. Er kann seine Tage sorglos verbringen, Cappuccino schlürfend, shoppen gehend. Er wird von einer starken Hand in allen seinen Tagen gehalten. In jeder Hinsicht ist das Girokonto virtuell. Was, wenn eines Tages deine Bank dir erklärte: „Das Konto? Aber, das war doch ein Scherz! Haben Sie denn wirklich geglaubt, irgendwo wartete ein Reichtum auf Sie? Haha, also, so was Blödsinniges!“
Die Parole der Kunst hingegen liest sich nach meinem Gefühl so: „Wenn du nicht deine Seele aufs Spiel setzt, haben wir alle keine Chance!“ Vielleicht gibt es inzwischen eine Kunst 2.0, für die nur noch Jux und Dollerei relevant sind. Eine Kunst, sagen wir mal, die etwas zu viel Fernsehen geschaut hat. Aber ich glaube, dass die Kunst eigentlich mit der Seele und der Wahrheit zu tun hat, ja.
Das Sonderbare ist ja, dass die Wirtschaftsleute, die behaupten, alles im Griff zu haben, und permanent oberlustige Werbeauftritte inszenieren, absolut verbissen und ernst bei der Sache sind, geradezu panisch beflissen — während die Künstler jede Menge Grund zum Lachen haben.
Die Frage ist doch, wen das überhaupt interessiert, was das alles hier soll. Oder habe ich was nicht verstanden?
Dann geh doch in die DDR, wenns Dir hier nicht passt. In die sprichwörtliche natürlich. Obwohl: Erlangen ist schon schlimm genug.
Und überhaupt: Das letzte Design, das letzte Titelbild war immer das beste.
angegrinst mit dem lächeln eines debilen, entleerten Idioten, angepisst mit dem überheblichen Lachen eines Volltrottels. ->Feedreadadd