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	<title>der blogozentriker</title>
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		<title>Künstlerische Probleme von gestern</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 16:42:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetik]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[docujumption]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumental]]></category>

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		<description><![CDATA[- Das ist vollkommen &#8230; das ist vollkommen wahnsinnig, Bob!
- Du brichst dir nur den Hals. Was soll das bringen?
Bob lächelte und sagte:
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			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>- Das ist vollkommen &#8230; das ist vollkommen wahnsinnig, Bob!<br />
- Du brichst dir nur den Hals. Was soll das bringen?<br />
Bob lächelte und sagte:<br />
- Schaut mal, Jungs. Wir können nicht ewig so weitermachen. Eine statische Einstellung an die andere geklebt. Das ist John Wayne, Leute, aber heute geht das nicht mehr so. Film kann heute so nicht mehr gehen! Wir brauchen Dynamik. Abel Gance, entfesselte Kamera. Mal etwas Neues, Waghalsiges. Spektakuläres, aber im guten Sinne spektakulär.<span id="more-3108"></span><br />
Ich dachte: Du liebe Scheiße &#8230;<br />
- Du willst dich also, sagte Carlo, mit der Kamera in der Hand aus dem Fenster stürzen? Und deinen Aufprall filmen?<br />
- Ich werde filmen, bestätigte Bob. Er nickte entschlossen. Sein Blick war finster.<br />
- Neun Stockwerke! rief Michi aus.<br />
- Und warum schwarzweiß? fragte ich.<br />
- Weil, sagte Bob zerstreut, weil es sonst ja, ich meine, das könnte ja sonst auch jeder MTV-Idiot machen, oder? Lustige Kamera, oder wie das heißt. Wenn Vati beim Grillen in die Kohlen fällt. Ich aber, sagte er stolz, will Kunst! Ich will etwas Gestaltetes, nicht einfach nur ein Dokument. Ich will ein Werk, ein Kunstwerk. Ein Meisterwerk!<br />
- Okay, sagte ich. Pass auf, ich stell dir die Kamera an, und dann kannst du loslegen.<br />
- Danke, sagte Bob und stieg auf das Fensterbrett.<br />
Carlo schob seinen Kopf zwischen Bobs Beinen hindurch und spähte hinab.<br />
- Mann.<br />
Er stieß einen Pfiff aus.<br />
- Und du weißt sicher, was du tust, ja? fragte er noch einmal, an Bob gewandt.<br />
Bob reagierte gar nicht mehr. Er stierte in den Sucher.<br />
- Na, dann Abflug, sagte ich und gab Bobs einen ziemlichen Schubs.</p>
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		<title>Flugblatt</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 15:55:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturgezänk]]></category>
		<category><![CDATA[Café]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchverbot]]></category>
		<category><![CDATA[Soziales Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun stellen Sie sich aber mal vor, Sie säßen in einem Café. Was passiert da? Reden die Leute aufeinander ein? Wollen Sie etwas voneinander, wollen sie zueinander? Entstehen gesprächsweise Schicksale, werfen sich Perspektiven auf, werden Möglichkeiten von ferneren Momenten in die rauchgeschwängerte Luft gezaubert?
Nein.
Die Leutchen haben entweder eine Zeitschrift vor sich liegen, plaudern über Shoppingerlebnisse [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3106&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Nun stellen Sie sich aber mal vor, Sie säßen in einem Café. Was passiert da? Reden die Leute aufeinander ein? Wollen Sie etwas voneinander, wollen sie zueinander? Entstehen gesprächsweise Schicksale, werfen sich Perspektiven auf, werden Möglichkeiten von ferneren Momenten in die rauchgeschwängerte Luft gezaubert?<br />
Nein.<br />
Die Leutchen haben entweder eine Zeitschrift vor sich liegen, plaudern über Shoppingerlebnisse oder checken ihre SMSe. Man redet nicht miteinander, man fängt miteinander nichts an.<span id="more-3106"></span> Man trinkt sein Bier und bleibt bei sich. Jeder verwaltet die Last seiner Augenblicke, das ist alles, und Begegnungen, die Schmerzen oder Erkenntnisse aufrühren könnten, werden tunlichst vermieden.</p>
<p>Nicht einmal die Luft ist mehr rauchgeschwängert. Sie ist so klar und steril wie die Absichten eines endgültig Resignierten.</p>
<p>Es ist, als hätte die Meinungsfreiheit uns von allen Meinungen befreit.</p>
<p>Es gibt kein Gemeinsames, in das die Menschen investierten, in so einer Café-Situation, und weil dem so ist, stirbt das Drama aus. Denn das Drama handelt ja von der Begegnung von Menschen. Sogar ein Drama, in dem Menschen sich nicht begegnen, erhält seine Bedeutung aus der Abwesenheit der allfälligen Begegnung mit dem Anderen. Wir jedoch verlegen unsere Dramatik ins Fernsehen, und dort köchelt immerfort ein schwachsinniger Absud von echten Tragödien vor sich hin, lauter billiges, fades Zeug, das wir in uns hinein schlingen, wenn wir es nicht mehr aushalten vor Langeweile.</p>
<p>Hohle Männer, ausgestopfte Männer, um mit T. S. Eliot zu reden.</p>
<p>Im Grunde leben wir ein Leben nicht der Kommunikation &#8212; das hieße echte Begegnung, hieße Kampf und Auseinandersetzung, hieße Drama &#8211;, sondern bloß der Konversation.</p>
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		<title>Auf dem Balkon des Südens</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 09:58:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenlesung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikumskontakt]]></category>
		<category><![CDATA[Signierstunde]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelmsburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesereise. Heute mache ich Station im &#8222;Südbalkon&#8220;. Das ist eine kleine Location am Rande von Hamburg, dort, wo der adressenbewusste Hamburger sich eher nicht blicken lässt. Darüber klärt mich ein hanseatisches Urgestein auf, mit dem ich vor dem &#8222;Südbalkon&#8220; ein paar Schritte auf und ab tue. Dabei finde ich Wilhelmsburg, wie der Stadtteil heißt, vom [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3104&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Lesereise. Heute mache ich Station im &#8222;Südbalkon&#8220;. Das ist eine kleine Location am Rande von Hamburg, dort, wo der adressenbewusste Hamburger sich eher nicht blicken lässt. Darüber klärt mich ein hanseatisches Urgestein auf, mit dem ich vor dem &#8222;Südbalkon&#8220; ein paar Schritte auf und ab tue. Dabei finde ich Wilhelmsburg, wie der Stadtteil heißt, vom Hauptbahnhof mit S-Bahn und Bus zu erreichen, gar nicht unangenehm. Erinnert mich ein bisschen an Kölner Zeiten, an den Westen Deutschlands. Andere dächten wahrscheinlich an den Osten. Auch das wäre als Assoziation okay. Designfreie Zone, sagt das Hamburger Urgestein. Das liebe er so an Wilhelmsburg.<span id="more-3104"></span> Später erfahre ich, dass die Stadtoberen, die Verwaltungsbonzen gerade mächtig damit beschäftigt sind, aus dem Problemstadtteil ein Szeneviertel zu machen. Wohnraum ist knapp. Man muss die Menschen auch mal zu ihrem Glück zwingen.</p>
<p>Genau das &#8212; die Menschen zu ihrem Glück zwingen &#8212; ist ja auch der Sinn meiner Lesereise. Wenn man sich als Autor nicht persönlich dahinter klemmt, liest einen keiner. Man muss heutzutage so eine Art Hörbuch auf zwei Beinen sein, dann kommt man irgendwie zurecht. Mein Agent hat mir einen &#8222;schönen Abend&#8220; gewünscht und &#8222;aufmerksame Zuhörer&#8220;. Per SMS. Er schaffe es heute leider nicht, selbst zu erscheinen, er fühle sich kränklich und seltsam matt, und gleichzeitig heiß &#8230; Nun, er hat mir schon wochenlang von den &#8222;Tränen der Hamburgerinnen&#8220; vorgeschwärmt, von deren kühler, blonder Unbeherrschtheit, die ihn ganz wirr im Kopf mache, und ich habe diesem Gerede entnommen, dass er eine Affäre hat.</p>
<p>Der &#8222;Südbalkon&#8220; ist klein und gemütlich, ein etwa 30 Quadratmeter großer Raum, von dem eine Küche mit prall gefülltem Getränkekühlschrank abgeht und ein schlauchartiger Raum, eine Art langgezogenes Separee, als Brücke frei schwebend über der Nacht. Die Toilette ist riesig und nebenan, drei Kabinen am Stück. Sehr angenehm, das alles.<br />
Angenehm ist auch der DJ, der mich begrüßt, ein junger Mann namens Vau. Er sagt mir, er käme aus Franken, und ich solle das alles mal nicht so ernst nehmen. Da kämen später noch mehr Gäste, das sei freitags immer so. Und dann noch an einem Freitag, den 13.!<br />
Er lacht und fragt mich, wie ich denn gerade auf diesen Termin gekommen sei?<br />
Ich lege ab, Mantel und Tasche, und räume mein Manuskript auf den kleinen Tisch. Der DJ stellt mir eine Lampe hin, mit gelblichem Licht. Er fragt, ob das okay sei so, und ich sage: Prima!</p>
<p>Ich trinke zwei Bier, um locker zu werden und um mir die Zeit zu vertreiben. Leider hält sich der Zustrom von Gästen sehr in Grenzen. Am Ende sind es gerade mal zehn Leutchen, die meinem Vortrag lauschen. Aber dafür sind die sehr konzentriert und freundlich, gehen gut mit. Ich bin auch gut drauf, meine Stories gefallen mir an diesem Abend. Das ist ja auch nicht immer so. Wenn das Publikum feindselig ist, reserviert, schnippisch und kühl, was einem ziemlich oft passiert, wenn man eher komisch-satirische Sachen präsentiert, dann wird das Lesen schnell zur Qual. Man fragt sich dann selbst, ob das alles Dreck ist, was man da zusammen geschrieben hat.<br />
Ich glaube aber, diese Leute würden auch Robert Musil ablehnen und Hermann Broch, auch wenn sie hinterher, in der obligatorischen Diskussion, genau nach diesen Autoren fragen. Immer wieder Robert Musil und Hermann Broch. Ob ich nicht lieber wie die schreiben wolle?<br />
Nö, sag ich, das wäre mir zu heikel.<br />
Heikel? Eine Dame, die die ganze Zeit über den Hut aufbehalten hat im Jugendzentrum Kalkar, reißt die Augen auf. Wieso denn heikel?<br />
Nun, sage ich, Musil und Broch, das seien ja die größten ihrer Art, die lägen ja in einer Linie mit Proust, Joyce, Beckett und Kafka. Diese Art von Literatur sei durchdekliniert, bis zum absoluten Exzess. Das führe nur noch zu Verkrampfungen, sage ich, wenn man versuche, sich mit denen zu messen. Das wäre selbstmörderisch! Da gerate man in dünne Luft, in eisigen Höhen (ich benutzte wirklich diesen Ausdruck, &#8222;eisige Höhen&#8220;), und ganz, ganz schnell sei man da erstickt, erfroren, abgeschrieben. Der Welt abhanden gekommen.<br />
Ob ich mich aber nicht schämte, so einen lächerlichen Murks zu schreiben?<br />
Ein alter, strenger Herr, wahrscheinlich der letzte WK-II-Veteran fragt mich das. Ich bin froh, dass ich nicht sein Sohn oder sonstwie mit ihm verwandt bin. Das hätte ich nicht überstanden, so viel ist mir auf Anhieb klar.</p>
<p>Nun, nichts davon in Wilhelmsburg, im &#8222;Südbalkon&#8220;. Als ich am Ende bin mit meinen Texten, gibt es Beifall, man bedankt sich bei mir. Ich bedanke mich bei diesem sensationellen Publikum, das mir den Glauben an meinen Beruf zurückgegeben hat. Ich denke kurz an den alten WK-II-Knacker. Der hätte am liebsten mit seinem Stock auf mich eingedroschen, damals in Kleve, das war ihm ganz klar anzumerken. Der kochte vor Wut. Der hasste alles, was das Leben nicht hasste, und meine Geschichten versuchen ja schon, wenn auch nicht das Leben, so doch die Macht der Phantasie zu preisen.</p>
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		<item>
		<title>Elsa und das rote Handtuch</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 13:48:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Brad Pitt]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Tolle an einem Roman ist, dass er ohne Strom funktioniert. Sie können ihn also auch in einem Regionalexpress lesen oder in einer Regionalbahn. Er kann auch nicht aktualisiert werden. Was im Roman nicht stimmt, stimmt im Roman für alle Zeiten nicht.
Sie wissen schon, so eine Art Anschlussfehler. Im einen Bild hat Brad Pitt die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3102&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Das Tolle an einem Roman ist, dass er ohne Strom funktioniert. Sie können ihn also auch in einem Regionalexpress lesen oder in einer Regionalbahn. Er kann auch nicht aktualisiert werden. Was im Roman nicht stimmt, stimmt im Roman für alle Zeiten nicht.<br />
Sie wissen schon, so eine Art Anschlussfehler. Im einen Bild hat Brad Pitt die Schramme auf der linken Wange, in der nächsten Einstellung hat die Schramme ihren Sitz auf die rechte Wange des Megastars verlagert. Das sind Anschlussfehler.<br />
In STAR WARS z. B. gibt es eine Szene, in der ein paar Sturmtruppler durch eine automatische Schleusentür gestürzt kommen, die Waffen im Anschlag, ballerbereit.<span id="more-3102"></span> Man sieht aber ganz deutlich, wie einer von ihnen mit seinem Helm oben, BOING, gegen die hochgesauste Stahlschleusentür knallt.<br />
Da es sich bei STAR WARS anfangs bekanntlich um ein Low-Budget-Projekt handelte, konnte man das nicht mehr korrigieren.</p>
<p>Um nun auf den Roman zurückzukommen. Nehmen wir an, ich habe als Autor im ersten Kapitel meines Werkes immer von &#8222;Elsa&#8220; gesprochen (lies: geschrieben), und später, so ab Kapitel 8, als diese Dame wieder auftaucht, ist immer nur von &#8222;Else&#8220; die Rede. Oder gar von &#8222;Helga&#8220;!<br />
Schlimm. Dann hat die Lektorin ebenso geschlampt wie der Autor, und Sie können sich zurecht aufregen.<br />
Aufregen wird sich allerdings auch der Verfasser, da können Sie Gift drauf nehmen; er würde sich am liebsten in den Hintern (sprich: Arsch) beißen vor Wut, aber was soll er tun? Gedruckt ist gedruckt.<br />
Passierte mir das hier, auf dem Blogozentriker, dann könnte ich in meinem Kommandobrücken-Bereich einfach auf &#8222;Artikel bearbeiten&#8220; klicken, und im Handumdrehen usw. Alle Spuren beseitigt, alles wäre wieder stimmig, entweder in Kapitel 1 &#8222;Else&#8220; oder &#8222;Helga&#8220;, oder in allen übrigen halt auch konsequent &#8222;Elsa&#8220;.</p>
<p>Jetzt fragen Sie sich: &#8222;Na, komm &#8212; so genau lese ich doch ein Buch gar nicht! Das würd mir doch gar nicht auffallen!&#8220;<br />
Stimmt schon. Aber es ist ja denkbar, dass Sie, aus Gründen, die heute noch vollkommen im Dunkeln liegen, plötzlich von einem Roman besessen sind. Was weiß ich, vielleicht stellen Sie fest, dass alles, was in diesem Werk der Fiktion dargestellt wird, 1:1 in Ihrem Leben passiert. Also in Echt, in Echtzeit, live, vor Ihren Augen.<br />
Als stiege der Text von den Buch- oder Internetseiten und entwickelte ein Eigenleben, direkt in Ihrer Nachbarschaft.</p>
<p>Ein Beispiel. Nehmen wir an, ich, der Autor, habe beschrieben, wie sich einer meiner Protagonisten immer ein rotes Handtuch vors Toilettenfenster hängt, wenn er scheißen geht. Keine Ahnung, warum, ich begründe das auch nicht näher, und genau deswegen vielleicht hat es sich Ihnen eingeprägt. Das rote Handtuch ist bei Ihnen irgendwie hängen geblieben.<br />
Und dann gehen Sie ein paar Tage später bei einem Freund auf die Toilette. Und? Sie bemerken, dass vor dessen Toilettenfenster &#8230; ein rotes Handtuch hängt!<br />
Was sollen Sie tun? Ihren Freund zur Rede stellen? Der würde ja nur denken, die zwei, drei Bierchen hätten Ihnen schon den Verstand geraubt. Nein, lieber schauen Sie zu Hause noch mal nach, im Roman, wie das war, das mit dem roten Handtuch.</p>
<p>Beim Blogozentriker &#8212; und damit komme ich zum entscheidenden Punkt &#8212; wüssten Sie halt nie: Stand das mit dem roten Handtuch WIRKLICH vorgestern schon da? Oder hat der das nachträglich eingefügt? Ist etwa, überlegen Sie plötzlich, dieser Freund, mit dem ich gestern Abend zwei, drei Bierchen getrunken habe, ist etwa DER &#8212; ob das der Blogozentriker ist? Daniel? (Oder wie Ihr Freund heißen mag.)</p>
<p>Wenn Sie aber einen Roman in der Hand halten und nicht einen Laptop auf dem Schoß, ist absolut klar, dass Ihnen hier niemand einen intermedialen Streich spielt. Das ginge ja gar nicht, beim bösesten Willen nicht! Sondern das Schicksal hat Sie bei den Eiern, mein Freund! Und wenn Ihnen mulmig zumute sein sollte, dann kann ich das nur zu gut verstehen &#8230;</p>
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		<title>Noch keine Sekunde mehr!</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 10:28:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Don DeLillo]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehabend]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Handy klingelt jetzt schon zum dritten Mal in Folge, ein schriller, fürchterlicher Laut, und endlich gehe ich dran.
- Ja, sage ich missmutig.
Im Fernsehen läuft gerade ein Porträt über Don DeLillo, den großen amerikanischen Schriftsteller, u. a. AMERICANA, WEISSES RAUSCHEN, UNTERWELT und, sein jüngstes Werk, FALLING MAN. Ich mache mir Notizen, habe schon sechs Seiten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3100&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Das Handy klingelt jetzt schon zum dritten Mal in Folge, ein schriller, fürchterlicher Laut, und endlich gehe ich dran.<br />
- Ja, sage ich missmutig.<br />
Im Fernsehen läuft gerade ein Porträt über Don DeLillo, den großen amerikanischen Schriftsteller, u. a. AMERICANA, WEISSES RAUSCHEN, UNTERWELT und, sein jüngstes Werk, FALLING MAN. Ich mache mir Notizen, habe schon sechs Seiten in meinem neuen Notizbuch vollgeschmiert. Wahnsinn. Don DeLillo war für mich immer schon eine ganz wesentliche, absolute Inspiration. Ich bin richtig high von dem, was er so erzählt.<span id="more-3100"></span> Ich freue mich, am Leben zu sein, und dass ich auch morgen wieder schreiben darf, unabhängig und unzensiert.<br />
Kein Wunder, oder, dass ich nicht unbedingt scharf darauf bin, jetzt ein Telefongespräch zu führen?<br />
- Rob? Wo bist du?<br />
- Wieso?<br />
- Ich bin&#8217;s, Vau. Bist du auf dem Weg, oder was?<br />
- Auf dem Weg? Wir sind, sage ich, mit einem Lächeln, das Vau natürlich nicht sehen kann, immer auf dem Weg, alle, ja.<br />
- Wo bist du denn?<br />
Die Stimme klingt jetzt kälter, strenger. Gereizt.<br />
Dabei habe doch wohl eher ICH Grund, gereizt zu sein!<br />
- Wieso? sage ich unwirsch. Was soll denn diese Fragerei? Ich sitze auf meinem Sofa und schaue mir ein TV-Porträt über Don DeLillo an, den großen amerikanischen Schriftsteller, dessen jüngstes Werk, einen Roman über den 9. September 2001, ich in der englischen Original- &#8230;<br />
- Verdammt, Rob, WAS? Machst du Witze? Du machst einen Spaß, oder?<br />
- Ich wüsste nicht, sage ich stolz, wo da der Witz versteckt sein sollte, Vau.<br />
- Wir haben hier eine Lesung! Deine Lesung!<br />
- Na, sage ich, ist doch prima. Wie läuft&#8217;s denn?<br />
- Na, halt nicht so gut. Weil du nicht da bist, liebe Scheiße!<br />
- Wer liest denn dann?<br />
- Ja, keiner!<br />
- Warum liest denn keiner?<br />
- Weil du nicht da bist! Du sollst hier doch lesen!<br />
- War das denn vorgesehen, dass ich da lese?<br />
- Natürlich! Ist doch groß angekündigt. Ich hab doch Plakate aufgehängt. Die Bude ist gerammelt voll!<br />
- Mein Verlag hat mir nichts gesagt von dem Termin.<br />
- Dein. Vau schnappt nach Luft, irgendwo in Wilhelmsburg. Aber wir haben doch gestern noch E-Mails deswegen gewechselt?<br />
- Ja, aber ich hab mich in dieser Sache voll auf den Verlag verlassen! Tut mir leid, aber da musst du die mal anrufen und fragen, was da schief gelaufen ist! Ich bin jetzt wirklich beschäftigt, Vau.<br />
- Du musst dich sofort in die S-Bahn setzen und &#8230;<br />
- Quatsch. Wieso? Das wär doch wohl ein ganz klein wenig übertrieben, oder? Lies doch einfach was aus einer der &#8222;du&#8220;s, die da bei euch im &#8222;Südbalkon&#8220; rum liegen. Das sind doch immer wirklich spannende Sachen, die da abgedruckt werden!<br />
- Was? Willst du mich &#8230;<br />
- Ich muss jetzt wirklich Schluss machen, Vau! Man sieht sich.<br />
- Rob, wenn du</p>
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		<title>Ein Hohlkörper in Wilhelmsburg</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 15:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Fanal]]></category>
		<category><![CDATA[Freitod]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[PR-Aktion]]></category>
		<category><![CDATA[Theatercoup]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich werde es tun! denkt er. Morphium. In Pillenform. Er blinzelt, hyperaufgeregt, ins Publikum. Nicht nur seine Nerven flattern. Auch die Seiten, beim Umblättern. Er sieht all die Anmerkungen seiner Lektorin, in diesem frühen Ausdruck des Manuskripts, grüne Schriftzeichen, und ihm wird schlecht. Der &#8222;Südbalkon&#8220; dreht sich vor seinen Augen. Was hab ich zu verlieren? [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3094&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich werde es tun! denkt er. Morphium. In Pillenform. Er blinzelt, hyperaufgeregt, ins Publikum. Nicht nur seine Nerven flattern. Auch die Seiten, beim Umblättern. Er sieht all die Anmerkungen seiner Lektorin, in diesem frühen Ausdruck des Manuskripts, grüne Schriftzeichen, und ihm wird schlecht. Der &#8222;Südbalkon&#8220; dreht sich vor seinen Augen. Was hab ich zu verlieren? denkt er. Der Roman ist in der Druckerpresse; irgendwann liefern sie ihn aus. Irgendwann werden sie ihn ausliefern müssen, denkt er.</p>
<p>Der Selbstmord Robert Enkes hat ihm zu denken gegeben. 35.000 sind für Robert Enke auf die Straße gegangen, Oliver Bierhoff hat im Fernsehen geweint. Die Medien sind voll von diesem Thema.<span id="more-3094"></span> Manche Menschen werden rührselig, wenn einer sich umbringt. Sie fragen sich dann: &#8222;Wie hätten wir ihm helfen können?&#8220; Bei ihm war das immer anders. Er schöpfte Mut, ein unerklärliches Gefühl der Erleichterung ergriff von ihm Besitz, sobald jemand sich umbrachte. Er dachte dann vage etwas wie: &#8222;Na, so einfach geht das.&#8220; Oder es war einfach ein Gefühl von Solidarität, etwas wie: Einer weniger, der leidet &#8230;</p>
<p>Der Freitod des Nationaltorhüters, mit dem Auto vor einen Zug, hat das Land bewegt. 20 Jahre nach dem Mauerfall waren die Gefühle eh gelockert. Und dann tat es noch einer, der alles erreicht hatte, der menschlich im höchsten Maße integer war. Nicht so ein Feigling, so eine Dreckssau, die bis zum Hals im Sumpf steckte, womöglich noch im Drogen- und Dopingsumpf, und jetzt die Notbremse zog, weil sie einfach keinen Ausweg mehr sah. Sondern da war ein Höchstsympathischer abgetreten, so empfanden das die Massen, einer, der einfach diese Schweinewelt nicht aushielt, die uns alle bis aufs Blut quält. Das denkt er da hinter seinem Tisch im &#8222;Südbalkon&#8220;.</p>
<p>Gleich diese Lesung, denkt er, das muss sein. Das muss noch sein, wie der letzte Satz eines Streichquartetts. Und dann, wenn ich mit den paar Texten hier durch bin, denkt er, mit dem Bauch an das Tischchen stoßend, dann werf ich mir diese zwölf Pillen ein. Und dann aus, the short good-bye. Morphium. Es wird ein schöner Tod. Ein Tod mit Flügeln. Ein Davonschweben wird das, geigenuntermalt &#8230;</p>
<p>Natürlich, die Frage muss erlaubt sein, ob es nicht stilvoller wäre, sich in den Kopf zu schießen. Das wäre eindrucksvoller, ein Fanal, ein Trompetenstoß, sozusagen. Das würde noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit erregen, Auflage bringen, Medieninteresse locken. Aber nein. Er ist nicht so der handwerklich begabte Typ. Das ginge voll in die Hose bzw. in die Stirn, und dann bin ich blind, denkt er, das Cover seines Romans, der noch in der Druckerpresse hängt, parat legend, um es gleich vorzeigen zu können, und zu allem Überfluss muss ich mir dann noch von allen Seiten Vorwürfe gefallen lassen, warum ich denn nichts gesagt, warum ich denn nicht um Hilfe gebeten hätte. Meine Güte! Wenn ich etwas nicht gebrauchen kann, denkt er, dann ist es so ein Sermon, diese Art von Anteilnahme. Ich will ja gar keine Hilfe! Die Leute, von denen ich Hilfe hätte gebrauchen können, können mir jetzt keine mehr geben, und vorher wollten sie nicht. Und alle anderen? Nein, sorry; für Notopfer und Mitleidstaten bin ich mir zu schade! Auch ich, auch ich habe Ansprüche!</p>
<p>Ihm stehen Tränen in den Augen, und der DJ beendet jetzt seinen Einstiegsset und nimmt die Kopfhörer von seinem Kopf, die Gäste haben in dem engen Raum Platz genommen. Alle sehen ihn erwartungsvoll an, auch ein bisschen irritiert, natürlich, ein paar. Was heult der denn? Das ist ja wirklich auch selten dämlich, dass so ein Entertainer schon vor seiner Show heult. Und was ist man als Vorleser, selbst wenn man sich als ernsthafter Schriftsteller begreift, denn letztlich anderes als ein Entertainer? Eine Lachnummer? Die Unterhaltungswurst? Ein paar kichern, weil sie denken, die seien witzig gemeint, die Tränen. Ironisch.</p>
<p>Er denkt: Was les ich denn als erstes, welchen Text? Und er sucht seinen Zettel, wo er das notiert hat, die Kapitelnummern in diesem fetten Manuskript, das er als Ringbuch hat binden lassen. In der richtigen Reihenfolge. Wo hab ich denn diesen, das gibt&#8217;s doch nicht, denkt er, ich hatte doch extra &#8230; Jetzt kichern noch mehr Leute, allmählich setzt sich die Meinung durch, dass das alles Show ist, dass er einen leicht Wirren spielt, so eine Verrückter-Schriftsteller-Type, die ihren Arsch nicht von ihrem Ellenbogen unterscheiden kann. Und er wird darob immer verzweifelter, das ist ja klar. Das hier soll seine große Stunde werden, sein final countdown, um noch mal auf den Mauerfall zurückzukommen, oder war das winds of change, und jetzt findet er doch diesen Scheißzettel nicht, diesen &#8230; wo ist der? Liegt der auf dem Boden?</p>
<p>Und dann kriecht dieser Schriftsteller, der bei diesem völlig unbekannten Verlag einen Roman publiziert hat, den er jetzt vorstellen möchte, aber nicht als Roman, bizarrerweise, sondern anhand von so genannten &#8222;Outtexts&#8220;, was ja auch schon wieder so bescheuert ist, dass man es für clever halten könnte, nur, wer kann einen Schriftsteller für clever halten, der als erstes mal unter seinen Vortragstisch kriecht? Und jetzt doch wirklich und ganz real zu heulen anfängt? Und die Arme um seinen Kopf schlingt, und ins laute Wimmern ausbricht, und jetzt fällt er noch auf die Seite, in die stabile Seitenlage, und Schluchzen, ja, Schluchzen EXPLODIERT geradezu in ihm, aus ihm heraus? Das ist schon freaky, mein lieber Mann! Und jetzt verteilt er auch noch Smarties überall im Raum, aus einer silbernen Pillendose! Die Leute schnappen sich die Pillen natürlich sofort, gierig, wer weiß, vielleicht wird man ja high davon? Und der Schriftsteller, der findet das gar nicht komisch, der wird jetzt richtig aggressiv und attackiert die Leute, die seine Smarties auffressen &#8230; haha, das ist ja echt der Wahnsinn! Der geht ja voll ab! Da mach ich doch gleich mal ein Handyfilmchen, wer weiß, vielleicht kann man das später irgendwo ins Internet stellen? Vielleicht beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf die Homepage?</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Ich vertraue Peter Sloterdijk!</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 09:33:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetik]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Kluge]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred Polgar]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Winkler]]></category>
		<category><![CDATA[Kai Diekmann]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Sloterdijk]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Willemsen]]></category>
		<category><![CDATA[Witold Gombrowicz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Frage ist ja in erster Linie: Welchem Autor vertraue ich? Das Verhältnis zwischen Leser und Autor ist ja eines der intimsten überhaupt, vielleicht sogar das allerintimste, da es ein ideales ist. Auf alltagspraktische Fragen muss keine Rücksicht genommen zu werden, nirgends. Wir teilen kein Bett, wir essen nicht vom selben Brot. Notlügen sind also [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3088&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Die Frage ist ja in erster Linie: Welchem Autor vertraue ich? Das Verhältnis zwischen Leser und Autor ist ja eines der intimsten überhaupt, vielleicht sogar das allerintimste, da es ein ideales ist. Auf alltagspraktische Fragen muss keine Rücksicht genommen zu werden, nirgends. Wir teilen kein Bett, wir essen nicht vom selben Brot. Notlügen sind also unverzeihlich. Ich dränge nicht darauf, dass mein Autor mir Dinge erzählt, die er mir nicht erzählen will. Was er mir aber erzählt, sollte er exklusiv mir erzählen &#8212; wenn Sie verstehen, was ich meine.</p>
<p>Um das auszuführen. Ich vertraue blind Witold Gombrowicz, ich vertraue Alfred Polgar, ebenfalls blind. Gut, könnte man einwenden, die sind auch tot!<span id="more-3088"></span> Toten vertraut es sich leicht. Aber ich vertraue auch Alexander Kluge. Ich vertraue sogar Dietmar Dath, auch wenn ich wenig von ihm gelesen habe. Er meint es unverkennbar ehrlich und ernst.</p>
<p>Nie etwa aber könnte ich ein Buch von Roger Willemsen lesen. Zwar mag der ein guter Stilist sein etc. &#8212; aber ich traue ihm nicht. Für mich ist er nur ein Hausfrauen-Stilist. Seine Brillanz ist von der aufpolierten Sorte. Sie soll Leuten gefallen, Pardon, die selbst nicht brillant sind. Willemsen ist gefangen in einer Blase von Eitelkeit &#8212; und bitte, kommen Sie mir nicht mit: &#8222;Einer musste ja damals diese Palaversendungen moderieren!&#8220;, oder: &#8222;Wer sonst hätte Jazz-CDs für das Zweitausendeins-Monatsheft besabbern sollen?&#8220;</p>
<p>Nebenbei ist es aber auch egal; ich vertraue ihm einfach nicht.</p>
<p>Ganz anders bei Peter Sloterdijk. Während sicher viele von Roger Willemsens pseudoernsthaftem Getue tief beeindruckt sind (&#8222;Interviews mit den Gefangenen von Guantanamo Bay! Wow! Nicht nur ein Poet, sondern auch noch ein SERIÖSER Journalist!&#8220;), finden sie Sloterdijk oberflächlich, schillernd und seicht. Eine echte Blase, eben. Dabei finde ich, dass man sehr viel mehr Mut braucht, um sich zu seiner Blasenhaftigkeit zu bekennen und sich, etwa, mit einem Buch mit dem Titel &#8222;Blasen&#8220; zu einer Tauchfahrt ins Ungewisse aufzumachen, als sich mit Leuten in einen Raum zu setzen, die zu einem Kosmos gehören, der auch nur eine Blase ist, wenn auch eine, die von so genannten &#8222;Journalisten&#8220; mit so genannten &#8222;Fakten&#8220; zum Schillern gebracht wird.</p>
<p>Die Gefangenen von Guantanamo Bay, die interessieren einen Gockel wie Roger Willemsen doch gar nicht! 9/11, das konnte seinerzeit den Empfindenden nicht entgehen, war für die Medienbande ein Glücksfall. Die Schamlosigkeit, mit der sogar die &#8222;Süddeutsche Zeitung&#8220; das Foto eines &#8222;falling man&#8220; (Don DeLillo) brachte, war ekelerregend, nichts weiter. Die Gier nach Auflage leuchtete einem aus jedem seifigen Kommentar entgegen. Und bis heute ist dieses Zusammenklappen schlampig konstruierter Hochhäuser (resp. für Verschwörungstheoretiker: dieses eklatante, unfassbare Menschenrechtsverbrechen der damaligen US-Regierung) ein Glücksfall für jeden Journalisten. Das Thema zieht einfach, weil wir alle denken, wir wüssten etwas darüber.</p>
<p>Das Foto eines Mannes, der in die Tiefe stürzt, weil er nicht verbrennen möchte. Reportagen eines Mannes, der durch die Lande reist, weil er endlich ernstgenommen werden möchte. Für mich ist das ein und dasselbe. Es sind Coups, Manöver, Kurzatmigkeiten, taktisches Getue. Das Werk von schamlosen Manipulatoren. Dahinter steckt keine Ananke, wenn Sie mir dieses klassische Wort gestatten, also kein Zwang, keine Notwendigkeit, kein innerer, tiefer, idiotischer Drang, der auf eine Sache zielte. Willemsen inszeniert sich als Interview-Held, nicht als Schreib-Idiot, wie etwa Josef Winkler, dem Peinlichkeiten egal sind. Was Roger Willemsen tut, scheint nützlich, darum darf es so absolut ersichtlich unnütz sein. Auf Roger Willemsen könnte jeder Idiot, jeder Bürgermeister einer schwäbischen Kleinstadt könnte sofort eine Laudatio auf Roger Willemsen halten, und das ist furchtbar! Das ist wie bei Ibsens &#8222;Stützen der Gesellschaft&#8220;. Wenn man sofort eine Rede auf jemanden halten kann, dann ist das Ausweis einer fetten Lebenslüge, einer Selbst-Inszenierung im pathologischen Maßstab. Nur zu Kitsch fällt einem sofort eine Rede ein. Zu Kitsch und Quatsch.</p>
<p>Was mich noch mehr wurmt, ist, dass Roger Willemsen nicht zu seinem Fiesling-Potential steht. Dass er partout als Guter durchgehen will. Darum biedert er sich ja so an mit seinen Human-interest-Sachen. Das ist doch enttäuschend, bei so einem Talent! Ich will ja z. B. auch nicht, dass Kai Diekmann ehrlich und anständig wirkt! Ich finde es grandios, wenn diese dubiosen, gegelten Schauergestalten sich die Treue halten.</p>
<p>Gestern sah ich kurz im Vorbeizappen im Fernsehen den Versuch, Kai Diekmann, den Oberschurken, mit seinen fast schon glänzenden Haaren mit Beobachtungen Stefan Niggemeiers zu konfrontieren, wonach der &#8222;Bild&#8220;-Blog, den der &#8222;Bild&#8220;-Boss betreibt, eher nicht so ganz und gar aufrichtig sei, allenfalls ironisch-abwürgend. &#8222;Echt?&#8220; sagte Diekmann, gar nicht zuhörend, und &#8222;echt?&#8220; Er hörte nicht hin, stattdessen streckte er der Fragestellerin die Hand hin und sagte: &#8222;Da ist Stefan Niggemeier der größere Sachverständige&#8220;, und ohne Lächeln entschwand er, zwei seiner Nadelstreifenbuben im Kielwasser.</p>
<p>Das ist für mich vertrauenswürdig, auf Kai Diekmann ist erkennbar Verlass, und darum würde ich nie, nie eine &#8222;Bild&#8220;-Zeitung lesen, selbst wenn es eine Sonder-Ausgabe gäbe, in der alle Gefangenen von Guantanamo Bay interviewt werden.</p>
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		<title>E-e-etwa noch 1,62 Tage: Vom Rande her brechen &#8222;Hohlkörper&#8220; herein</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 07:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenlesung]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Kafka]]></category>
		<category><![CDATA[Freund des Lesers]]></category>
		<category><![CDATA[Kummerkastenliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Seelentröstung]]></category>
		<category><![CDATA[Unphilosophische Brosamen]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin]]></category>

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		<description><![CDATA[Die „Hohlkörper“ verstehen sich als &#8222;kleine Literatur&#8220;, also als Text, der aus der Position eines Marginalisierten (und zu Recht Marginalisierten) geschrieben ward. (Ward!) Walter Benjamin nannte bekanntlich das Werk &#8222;die Totenmaske der Konzeption&#8220;. Gemeint ist mit dieser Konzeption von Konzeption ja wohl ein sisyphotisches Vorhaben: Den Stein solange auf den Berg trümmern, bis der Berg [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3083&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Die „Hohlkörper“ verstehen sich als &#8222;kleine Literatur&#8220;, also als Text, der aus der Position eines Marginalisierten (und zu Recht Marginalisierten) geschrieben ward. (Ward!) Walter Benjamin nannte bekanntlich das Werk &#8222;die Totenmaske der Konzeption&#8220;. Gemeint ist mit dieser Konzeption von Konzeption ja wohl ein sisyphotisches Vorhaben: Den Stein solange auf den Berg trümmern, bis der Berg platte Ebene ist und Sisyphos endlich heimgehen kann … meine Güte, man schreibt ja nicht zur Unterhaltung!</p>
<p>Leider aber wird aus diesem radikalen Geiste in den letzten Jahren wenig geschrieben. Man schreibt lieber aus der Pantoffelkino-Perspektive<span id="more-3083"></span>, schafft eine Art von Literatur, bei der man sich an seinem Feierabend-Tee nicht verschluckt. So eine Art Fernsehen im Buchformat. Verlage und Verfasser wollen ja nicht auch noch die letzten paar Leserinnen vergraulen!</p>
<p>Kafka bemerkte hierzu: &#8222;Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?&#8220; Das ist starker Tobak, das ist sogar Pfriem; darum hält sich das im allgemeinen ohnehin von Überforderung geplagte Leservolk lieber an eine weiter entfernt liegende Passage des anzitierten Briefes: &#8222;Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.&#8220; Das ist Kafka, wie wir ihn lieben, das hat, im Schmuckrahmen, in jeder Buchhandlung Platz!</p>
<p>Generös überspringt der an solchen alltagsphilosophischen Rosinen interessierte Kafka-Kuchenesser harte Formulierungen wie diese: &#8222;Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord &#8230;&#8220;</p>
<p>Das klingt pervers, das schluckt sich nicht so leicht, aber genau so ein Selbstmord möchten die „Hohlkörper“ sein. Sie sollen ein Neustart sein, eine Beschwörung, der Versuch, verschiedene, normalerweise sorgsam geschiedene Ebenen unseres Seins (Gedächtnis, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Phantasie, Traum, Sehnsucht, Angst &#8212; was gibt es da nicht alles in diesem äußerlich so gut verfugten Ich!) miteinander zu verbinden, Wurmlöcher ins Universum unseres Schädelinnern zu graben.</p>
<p>Das alles hat, anders als die Weltuntergangsszenarien eines Frank Schätzing oder eines Roland Emmerich, definitiv keinen Anspruch auf die Aufmerksamkeit des ganzen Erdballs oder gar der Mondbewohner! Es ist eine fast familiäre Sache, etwas Begrenztes, eine freundschaftliche Unternehmung. Dass die „Hohlkörper“ je die Macht der Masse zu binden vermöchten, steht eigentlich nicht zu befürchten … Jedenfalls liest im „Südbalkon“ in Wilhelmsburg nicht John Cusack, sondern nur der Autor dieses aufmüpfigen kleinen Romans.</p>
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		<title>BUT IN OUR NAME?</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 15:45:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Antikapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gängeviertel]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienspekulanten]]></category>
		<category><![CDATA[NOT IN OUR NAME]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Seifenblasenbläser]]></category>

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		<description><![CDATA[Das war eine Riesensache, auf die sich Bob und Georg damals eingelassen haben. Die konnten ja gar nicht absehen, die zwei Quarkköpfe, wohin diese Angelegenheit nun wieder führen würde. In dieser Hinsicht waren die zwei Textprofis absolut unbelehrbar. Nicht einmal stur. Eher wie vollkommen beknackt. Totale Idioten. Sie begriffen einfach nicht, dass es manchmal das [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3078&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Das war eine Riesensache, auf die sich Bob und Georg damals eingelassen haben. Die konnten ja gar nicht absehen, die zwei Quarkköpfe, wohin diese Angelegenheit nun wieder führen würde. In dieser Hinsicht waren die zwei Textprofis absolut unbelehrbar. Nicht einmal stur. Eher wie vollkommen beknackt. Totale Idioten. Sie begriffen einfach nicht, dass es manchmal das Beste ist, zu Hause sitzen zu bleiben und das Fenster geschlossen zu halten.<span id="more-3078"></span> Das hat ja schon der große Philosoph Pascal gesagt. Blaise Pascal. Wer nicht zu Hause bleiben kann, dem blüht Böses. Und so war&#8217;s auch in diesem Fall.</p>
<p>Man brauchte einen Text, und also wendete man sich an eine Text-Agentur, und das war nun einmal n+2. An Geld herrschte ja kein Mangel. Ein Haufen von Großinvestoren, Venture-Kapitalisten, Spekulanten, Immobilienhaien. Eine ausgesuchte Klientel. Ein merkwürdiges Geräusch, wie die flüsternde Arbeit von Verdauungsorganen, und ein ebenso merkwürdiger Geruch erfüllten den Raum. Man lächelte allenthalben, aber ganz ernst gemeint wirkte das nicht. Diese Leute wünschten sich eine knackige Antwort auf ein Pamphlet, das irgendwelche &#8230; aber vielleicht kann Ihnen das Harm Harmsen, der Pressesprecher der ad hoc gegründeten Interessenvereinigung BUT IN OUR NAME, besser erklären.</p>
<p>&#8222;Also&#8220;, räusperte sich Harm Harmsen und überprüfte ein letztes Mal den Sitz seines Krawattenknotens, &#8222;nachdem da diese Asozialen und Künstler, wenn hier eine Differenzierung überhaupt gestattet ist.&#8220;<br />
Harmsen merkte, dass sein feines, gemeines Lächeln unbeantwortet blieb, und fuhr fort:<br />
&#8222;Also, dieses unter dem Titel NOT IN OUR NAME publizierte Schriftstück manifestartigen Charakters, das, wie Sie ja sicher auch mitbekommen haben, u. a. im &#8216;Hamburger Abendblatt&#8217; und in der &#8216;ZEIT&#8217; nachzulesen war &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Genug, es reicht, jetzt rede ich!&#8220;<br />
Vehement drängte Kai Haye, Immobilienboss und Charakterschwein, in den Vordergrund, Harm Harmsen brüsk das Wort abschneidend.<br />
&#8222;Dieses ganze Drumherumgerede höre ich mir jetzt schon seit Tagen an!&#8220; schrie er. Dann wandte er sich an Bob und Georg:<br />
&#8222;Meine Herren. Was wir uns von Ihnen wünschen, ist ein Anti-Manifest. Wir haben den Titel schon festgelegt, also, vielmehr hat ihn meine kleine Tochter, Elsa, festgelegt. BUT IN OUR NAME soll diese Gegenerklärung heißen. Wir möchten, dass Sie darin ganz deutlich unsere Haltung darlegen. Klipp und klar. Ohne Ausflüchte.&#8220;<br />
&#8222;Okay&#8220;, sagte Bob mit einem strahlenden Lächeln. &#8222;Kein Problem. Und was ist Ihre Haltung?&#8220;<br />
Kai Haye zog den Kopf ein, runzelte die Brauen. Er warf ängstliche Blicke zu den anderen Ganoven, die mit ihm in dem Raum versammelt waren.<br />
&#8222;Hm&#8220;, sagte er, &#8222;tja, das jetzt so in einem Satz &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Ganz genau wissen wir&#8217;s auch nicht&#8220;, sagte Harm Harmsen, der Oberwasser witterte, schnell.<br />
&#8222;Was sollen wir Ihnen das denn sagen?&#8220; Der Immobiliengrande, der sich jetzt zu Wort meldete, ein Mann, der wesentlich älter aussah, als er war, eine schleimige und aufgeschwemmte Kreatur, rümpfte die Nase. &#8222;Wofür bezahlen wir Sie denn, wenn wir hier selbst die ganze Formulierungsarbeit machen?&#8220;<br />
&#8222;Na ja&#8220;, Georg warf Bob einen hilfesuchenden Blick zu, &#8222;ein bisschen ein Briefing, also, das könnte nicht schaden.&#8220;<br />
&#8222;Steht doch alles im Internet!&#8220; sagte Kai Haye apodiktisch.<br />
Man erhob sich reihum.<br />
&#8222;Im, im Internet?&#8220;<br />
Da blieb selbst Bob die Spucke weg.<br />
&#8222;Recherchieren Sie halt ein bisschen!&#8220; Kai Haye umfasste seinen Kopf mit beiden Händen und verzog das Gesicht. &#8222;Sobald Sie sich in unsere Lage versetzt haben, wird Ihnen sofort klar sein, wo für uns das Problem liegt mit diesem Asozialen-, also, mit dieser Stellungnahme der Künstler.&#8220;<br />
&#8222;Es gibt Abmachungen&#8220;, sagte Harm Harmsen, &#8222;und Verträge. Und&#8220;, fügte er schnell hinzu, &#8222;Verantwortung!&#8220;<br />
&#8222;Ja, wir tragen Verantwortung für die Zukunft dieser Stadt!&#8220;<br />
&#8222;Und nicht nur dieser Stadt!&#8220;<br />
&#8222;Aller Städte!&#8220;<br />
&#8222;Es geht hier doch nicht nur um Profit! Es geht um Werte!&#8220;<br />
&#8222;Profit, das ist doch ein Wert!&#8220;<br />
&#8222;Profit, das ist ein Wert an sich! Ohne den können Sie keine Wirtschaft machen. Das ist absurd, Wirtschaft ohne Wert, also Profit!&#8220;<br />
&#8222;Und Wirtschaft braucht Raum! Büros! Ladenflächen!&#8220;<br />
Wild tobten die Meinungsäußerungen durcheinander. Georg schrieb mit fliegender Bleistiftmine mit.<br />
&#8222;Geld ist für unsere Wirtschaft, was Benzin für einen Verbrennungsmotor ist!&#8220;<br />
&#8222;Bravo!&#8220;<br />
&#8222;Immobilien sind Wert gewordener, also, zukunftsfähiger Besitz.&#8220;<br />
&#8222;Immobilien bieten ungeahnte Wertsteigerungsmöglichkeiten, das belegt jede Prognose.&#8220;<br />
&#8222;Mehr Werte durch mehr Raum!&#8220;<br />
&#8222;Mehrwert durch mehr Werte!&#8220;<br />
&#8222;Oder mehr Werte durch Mehrwert?&#8220;<br />
&#8222;Ist doch eigentlich gleich.&#8220;<br />
&#8222;Passt doch beides!&#8220;<br />
&#8222;Find ich beides gut!&#8220;<br />
&#8222;Schreiben Sie das so!&#8220;<br />
&#8222;Ja, schreiben Sie&#8217;s einfach so auf!&#8220;</p>
<p>Bob sah Georg an, als der Besprechungsraum sich wieder geleert hatte. Er glaubte, dem großen Blaise Pascal verständnismäßig gerade einen Riesenschritt näher gekommen zu sein. Nur ein einsamer Hut lag, zertreten, auf der dunklen, staubabwehrenden Auslegeware.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Nur noch 2,3 Tage &#8212; und was macht der Blogozentriker?</title>
		<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/11/11/nur-noch-23-tage-und-was-macht-ein-blogozentriker/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 12:09:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Casting-Show]]></category>
		<category><![CDATA[scripted series]]></category>
		<category><![CDATA[Statisten]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Außer Fingernägelkauen? Er bastelt an seiner intermedialen Karriere, na klar! Nachdem der Buchmarkt jetzt mehr oder weniger erobert wurde, sei, so der Blogozentriker-CEO Matthias Orbert, &#8222;der Sprung auf die Mattscheibe, vulgo Glotze, der logische nächste Schritt&#8220;. Und setzt verschmitzt hinzu: &#8222;Ich meine, Bühne, das hatten wir ja schon, nich?&#8220;
Alles klar, den Fernsehbildschirm erobern &#8230; aber [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3074&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Außer Fingernägelkauen? Er bastelt an seiner intermedialen Karriere, na klar! Nachdem der Buchmarkt jetzt mehr oder weniger erobert wurde, sei, so der Blogozentriker-CEO Matthias Orbert, &#8222;der Sprung auf die Mattscheibe, vulgo Glotze, der logische nächste Schritt&#8220;. Und setzt verschmitzt hinzu: &#8222;Ich meine, Bühne, das hatten wir ja schon, nich?&#8220;</p>
<p>Alles klar, den Fernsehbildschirm erobern &#8230; aber wie geht man da vor?<br />
Ein Blogozentriker pirscht sich erst mal in ein Castingbüro, durch St. Paulianer Hintergassen. Gesucht werden hier Freiwillige für eine RTL-Serie über den alltäglichen Schulhof-Horror, ein &#8222;Scripted series&#8220;-Format.<span id="more-3074"></span> Das heißt, es wird ein grober Handlungsablauf vorgegeben, der Rest wird improvisiert. Für so etwas braucht man, laut Lehrbuch für Fernsehschaffende, folgende Statisterie: Schüler, Lehrer, einen Hausmeister.</p>
<p>Schon am Empfang der erste Schock: Die Hausmeister-Rolle sei bereits besetzt! Und zwar mit einem Profi, einem Münchner Fernsehgesicht &#8230; obwohl, eigentlich ist das schon der zweite Schock. Der erste, nach gewundenem Hochkraxeln auf einer Wendeltreppe, war der Empfang selbst. Vier Tapeziertische, notdürftig mit lauthals labernden Laptops und leise summenden Praktikanten vollgestellt. Ab und an pfeift bei so einem die Lüftung. Youtube-Filmchen erfüllen die Luft mit ihrem Gekicher.<br />
Die Räume: kahl, ausgerotzt, wie bei einer Wohnungsbesichtigung bei einem Maklertermin. Wenigstens ist alles ungefähr weiß gestrichen.</p>
<p>Und tatsächlich wird mir als erstes (dritter Schock) ein Selbstauskunftsbogen in die Hand gedrückt. Konfektionsgröße, Name, Führerschein. (Alles nicht vorhanden.) Dann geht&#8217;s mit einem gut gelaunten Caster in einen Raum, den Flur runter, erste Tür links. Dort wartet schon einer auf mich, leise schniefend, der eben noch zusammen mit mir einen Fragebogen ausgefüllt hat, im Empfangsraum.</p>
<p>&#8222;Okay, du willst doch einen Lehrer spielen, Olli&#8220;, sagt der Caster, lässig eine Digicam in der Hand haltend. In diesem Augenblick wird mir klar, warum Leute einen Haufen Geld für Calvin-Klein-Unterhosen ausgeben: weil der Logo-Schriftzug beim Aufstehen sichtbar wird! Bei mir nicht. Bei mir sitzt die Hose. Darum tut&#8217;s auch Tchibo-Underwear &#8230; aber das eher en passant, als Randnotiz.<br />
&#8222;Okay, Olli&#8220;, sagt also der Caster, &#8222;du willst doch einen Lehrer spielen &#8212; dann hau hier dem Octavio mal eins in die Fresse.&#8220;<br />
&#8222;Was?&#8220; Ich glotze ungläubig.<br />
&#8222;Ja, was ist denn das Problem?&#8220;<br />
Der andere Fernsehgeile, Octavio, lächelt mich aufmunternd an in seiner dunklen Jacke. Ich könnte mir vorstellen, dass der für heute noch einige weitere Casting-Termine in seinem Timeplaner stehen hat.<br />
&#8222;Ich heiße nicht Olli&#8220;, sage ich und ballere Octavio eine, dass der in die Knie geht.<br />
&#8222;Ach so. Na ja. Egal&#8220;, meint der Caster. &#8222;Das war schon ganz gut. Kannst du noch mal zulangen? Aber diesmal stell dir vor, du seist ein böser, strenger Lehrer.&#8220;<br />
&#8222;Klar.&#8220;<br />
Ich schmettere Octavio, der eigentlich ganz nett aussieht, nicht wie einer dieser typischen Crack-Problemschüler, die Faust ins Gesicht, so in Richtung Nase.<br />
&#8222;Ah, pass auf&#8220;, ruft der Caster, &#8222;du blutest ja alles voll!&#8220;<br />
&#8222;Sorry&#8220;, meint Octavio und versucht auf die Beine zu kommen, &#8222;ich neige leider zum Nasenbluten.&#8220;<br />
&#8222;Hättste was gesagt&#8220;, sag ich, &#8222;dann hätt ich dir doch in die Eier getreten, Mensch!&#8220;<br />
&#8222;Au ja, das wär geil&#8220;, ruft der Caster, seine Digicam hebend, &#8222;mach das auch noch mal. Dann haben wir&#8217;s auch, im Groben.&#8220;</p>
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