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	<title>der blogozentriker</title>
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		<title>Schach von Matt</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 17:55:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA[Konzeptioner]]></category>
		<category><![CDATA[Weltmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Armin Jochums Hände zitterten. Er merkte es allerdings nur daran, dass der Kaffee ihm urinwarm über die Finger rann, denn seine ganze schmächtige Gestalt vibrierte zusammen mit den Händen. Als Gesamtperson bebte er im Gleichtakt seiner tiefen Erschütterung. Ein Grinsen verzerrte sein Gesicht. Es mochte die Anstrengung sein, die ihn durchschüttelte, dachte er, denn innerlich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3202&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Armin Jochums Hände zitterten. Er merkte es allerdings nur daran, dass der Kaffee ihm urinwarm über die Finger rann, denn seine ganze schmächtige Gestalt vibrierte zusammen mit den Händen. Als Gesamtperson bebte er im Gleichtakt seiner tiefen Erschütterung. Ein Grinsen verzerrte sein Gesicht. Es mochte die Anstrengung sein, die ihn durchschüttelte, dachte er, denn innerlich trug er Georg Baur und Torben Otten auf seinen Schultern, hopste mit dieser leicht fassungslosen Last im Triumphzug durch das ganze Gebäude.</p>
<p>Fuck! Jochum ballte die Faust, und der Kaffee aus dem weichen Becher spritzte herum, versaute seinen hellblauen Anzug. Egal! Was spielte ein beschissener Anzug jetzt für eine Rolle? Sie hatten von nun an den europäischen MARKT in der Hand, das war ja wohl klar!<span id="more-3202"></span> Natürlich, wenn er ganz ehrlich sein sollte &#8212; auch Armin Jochum hatte nicht daran geglaubt, dass es möglich sei. Nicht in der Werbung. Nicht in diesem offenen, diesem offensten System, in dem schon die allersimpelsten Planungen kaum einen Sinn machten. Nein. Wie sollte das gehen?</p>
<p>Und dass der Baur dennoch mit seinem Gerede vom &#8222;Konzept to end all Konzepte&#8220; nicht aufgehört hatte &#8212; er war halt ein Kreativer, ein Wirrer, ein Spinner, das musste man in Kauf nehmen. Mit milder Herablassung blickten Jochum und von Weltzien auf ihre Leute herab. Die waren ja alle ganz okay, hatten alle Wert und Bedeutung für das Unternehmen, aber &#8222;am Ende des Tages&#8220; waren sie natürlich doch alle nur Ameisen des Erfolgs.</p>
<p>Blindlings in ihren Bergwerken bastelnd, schufen sie dann und wann Bedeutendes in den Stollen ihrer Manien &#8212; welches allerdings, wenn sich nicht ein Geist wie derjenige Jochums oder von Weltziens seiner erbarmte, auch rasch wieder im ewigen Matsch der Dinge verstampft war. Nichts Großes war groß, das nicht als groß dem Auge der Großmächtigen auffiel! Das war die erste, die goldene Regel des Gewerbes, und zwar nicht nur hier im Haus. Man hätte sie über dem Eingang der Agentur anbringen sollen, über den Eingängen aller Agenturen in aller Welt, in goldenen, fetten Lettern.</p>
<p>Armin Jochum keuchte. Seine Augen glänzten, er lehnte die Stirn gegen die Scheibe seines Bürofensters. Das Bibbern hatte nachgelassen. Er würde jetzt gleich einen wichtigen Besuch abstatten müssen, einen ersten Versuch wagen, prüfen, ein letztes Mal, ob auch wirklich &#8230; Aber jetzt erst mal ein Papierhandtuch, um diese scheiß Hand sauber zu kriegen!</p>
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		<title>Aus Bobby Graf Kessers Tagebüchern</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 08:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern vs. Haifa]]></category>
		<category><![CDATA[Harry Graf Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Live-Erlebnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Norman Bates]]></category>
		<category><![CDATA[Psycho]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Baurs laden zum Fußballschauen. Da ich noch nie ein Spiel gesehen habe, wie ich Otteno Torbén, dem spanischen Botschafter, nachmittags noch zutuschele, im &#8222;Café Stramm&#8220;, zwischen zwei Wiener Melangen (ich) resp. zwei dunkelstämmigen Damen (er), nehme ich die Einladung gerne an, auch wenn sie mit dem handschriftlichen Zusatz versehen ist: Die Dame des Hauses [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3197&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Die Baurs laden zum Fußballschauen. Da ich noch nie ein Spiel gesehen habe, wie ich Otteno Torbén, dem spanischen Botschafter, nachmittags noch zutuschele, im &#8222;Café Stramm&#8220;, zwischen zwei Wiener Melangen (ich) resp. zwei dunkelstämmigen Damen (er), nehme ich die Einladung gerne an, auch wenn sie mit dem handschriftlichen Zusatz versehen ist: Die Dame des Hauses komme später, sie sei noch auf eine Vernissage verpflichtet.</p>
<p>Verpflichtungen lehne ich, als Kosmopolit und Weltenbummler, selbstverständlich ab, habe aber auch Verständnis dafür, wenn eine aufstrebende Künstlerin in ihrer peer group, nun ja, herumstrebern muss.</p>
<p>Er sei den Baurs doch sicherlich auch willkommen, lade ich Otteno Torbén ein, ob er nicht auch mitgucken wolle? Champions League?<span id="more-3197"></span> Das klinge doch schon mal nicht übel, die Klasse der Siegertypen? Das sei doch so recht, sage ich, &#8222;unser Revier&#8220;?<br />
Doch Otteno winkt ab. Fußball, na, das sei nix für ihn, da geb&#8217;s ja keine Weiber!<br />
Die zwei Grazien, links und rechts von ihm verteilt, lassen geziertes Gegiggel hören, und ich empfehle mich, denn es ist spät geworden, wie ein Blick aufs Display meines Handys mich belehrt.</p>
<p>Ich nehme ein Taxi, versteht sich. Soll das doch der Herausgeber dieses Tagebuches berappen! Die Fahrt ist lang, durch verschiedene Wälder weit hinaus aufs Land, wo man ruhig wohnt.</p>
<p>Der Hausherr, Georg Christoph, lässt mich eigenhändig ein ins Baur&#8217;sche Palais, kommt extra vor zum Tor, im Nieselregen. &#8222;PALAIS BAUR&#8220;, flackert riesig die Neon-Schrift neben der Haustür, und ich frage, ob das Flackern beabsichtigt sei?<br />
&#8222;Aber sicher!&#8220; ruft Georg Christoph, ein Original, wie es im Buche steht, eine Anspielung auf &#8222;Bates&#8217; Motel&#8220; sei das! Das kennte ich doch, &#8222;Bates&#8217; Motel&#8220;?<br />
Ich bin natürlich auf der Höhe der Anspielungen (davon lebe ich ja); ob ich duschen gehen solle, kichere ich darum im Scherz.<br />
&#8222;Na&#8220;, Georg Christoph nimmt den Scherz leider nicht gut auf. Ein Voyeur sei er nicht, grummelt er, und eine Dusche hätten sie auch nicht &#8212; &#8222;noch nicht&#8220;, wie hinzuzufügen der Hausherr des &#8222;Palais Baur&#8220; sich beeilt, und dann eilt er in die Küche, und ich wiesele ihm hinterher.</p>
<p>Hier zerhackt Georg Christoph mit einem Käsebeil einen massigen Käselaib in Häppchen. Es gebe heute Abend &#8222;Käseeckchen im Landhausstil&#8220;, lässt er mich wissen, schweißüberströmt von seiner herkulischen Dienstleistung aufschauend.<br />
&#8222;Hm, Käse&#8220;, sage ich vage.<br />
&#8222;Ja, den Käse&#8220;, sagt Georg Christoph, noch ganz außer Atem, &#8222;den stellen wir ja selbst her!&#8220;<br />
Oh? Wie man das anstelle?<br />
&#8222;Wir haben da halt so eine Käserei im Haus, unten, bei den Ställen&#8220;, sagt Georg Christoph, selbst etwas ratlos, &#8222;so eine Art Käsefabrik, nur in Klein, eben. In nuce&#8220;, latinisiert er noch.<br />
&#8222;Ah? Mit eigenen Kühen?&#8220;<br />
Das schreib ich mir rasch auf, fürs Tagebuch. Das sind die farbigen Details, die ein erfolgreiches Tagebuch ausmachen.<br />
&#8222;Ja, natürlich, eigene Kühe, sicher &#8230; es sind allerdings nur wenige, zwei oder drei, oder auch mal vier, wer weiß &#8230; Und ab und an wird von denen auch eine aufgegessen.&#8220;<br />
&#8222;Für zwei, drei Kühe&#8220;, bemerke ich, &#8222;ist das aber ein fetter Laib!&#8220;<br />
&#8222;Hm, nun ja&#8220;, Georg Christoph wird puterrot, wie eine Debütantin beim ersten Kuss, &#8222;ich war in letzter Zeit etwas naschhaft &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Nein, nein!&#8220; ruf ich lachend, &#8222;Laib mit a! Ich mein doch den Käselaib da, mein Lieber!&#8220;<br />
Und ich zeig sogar auf den Käselaib mit a! Um der Peinlichkeit ein Ende zu bereiten &#8212; der Georg Christoph musste sich sogar hinsetzen vor Verlegenheit, der kippt gleich aus den Latschen &#8211;, schnapp ich mir zwei der Weißbrote aus dem Weißbrotkorb und krähe über die Schulter: &#8222;Ich trag&#8217;s schon mal in den Salon, ja?&#8220;</p>
<p>Gleich beim Eintritt in den Salon dann das nächste radikale Missverständnis.<br />
&#8222;Huch, wo sind denn die Fußballer?&#8220; rufe ich aus, weil ich, statt rechteckig-gestutzter Grünfläche, einen blankpolierten Parkettboden erblicke. Überdies scheint mir der Salon weitestgehend leer. Ganz hinten, auf einem Sofa, hockt Pelzi von Pelzenstein; ob er schon wieder angesoffen ist, womöglich schwer, vermag ich von meinem Standpunkte aus nicht zu erkennen. Er sitzt recht reglos.<br />
Nein, klärt mich Georg Christoph auf, der mit einem Käseteller hinter mir auftaucht, wieso denn Fußballer?<br />
Na, in seiner Einladung, ich pfriemele die Karte mit dem handschriftlichen Zusatz hervor (mit heraus fällt die Taxi-Quittung), da sei doch von einem &#8222;Live-Spiel&#8220; die Rede?<br />
Da guckt der Georg Christoph aber! Er ist ja oktogonal (über acht Ecken) mit dem englischen Königshause verwandt, und er scherzt: &#8222;Ja, dachtest du, wir lassen hier Haifa und Bayern spielen, und die Verlierermannschaft wird hinterher enthauptet?&#8220;<br />
Er werde lachen, versetze ich verdrießlich, aber bei den Azteken oder Inkas oder Mayas sei das so Brauch gewesen. Früher, setze ich hinzu, als Georg Christoph mich komisch von der Seite betrachtet.</p>
<p>Wenigstens ist der Fernseher ein Trumm. Ich hab nämlich meine Brille nicht dabei, weil ich, bei so archaisch-rüden Betätigungen wie Ballspielen, stets um ihre Unversehrtheit fürchtete.</p>
<p>Pelzi hebt müde die Hand, als wir uns ihm nähern. Er liegt mehr, als dass er sitzt, auf dem braunledernen Sofa. Er scheint ein Halstuch aus Pelz unter seinem Seidenhemd zu tragen, doch bei näherer Betrachtung erweist sich: das ist seine Brustbehaarung!<br />
&#8222;Servus&#8220;, sagt er, mir zwei Finger reichend. &#8222;Du, ich bin ganz matt, ich komm grad von der Jacht.&#8220;</p>
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		<title>Ein Bob für alle Fälle</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 12:44:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA["De fofftig Penns"]]></category>
		<category><![CDATA[Exzentriks]]></category>
		<category><![CDATA[Release-Party]]></category>

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		<description><![CDATA[Er schneidet mir den Weg ab, mitten auf der Galerie. Es tobt unter uns die Release-Party von &#8222;De fofftig Penns&#8220;, einer Gruppe, die wahnsinnig erfolgreich ist, weil kein Mensch versteht, was sie singen. Plattdeutsche aus Bremen. Alle sind super drauf, natürlich vor allem die Werber-Bräute, die &#8222;De fofftig Penns&#8220; überall hin mit sich schleppen. Ich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3195&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Er schneidet mir den Weg ab, mitten auf der Galerie. Es tobt unter uns die Release-Party von &#8222;De fofftig Penns&#8220;, einer Gruppe, die wahnsinnig erfolgreich ist, weil kein Mensch versteht, was sie singen. Plattdeutsche aus Bremen. Alle sind super drauf, natürlich vor allem die Werber-Bräute, die &#8222;De fofftig Penns&#8220; überall hin mit sich schleppen. Ich war auf die Galerie gegangen, um ungestört eine Zigarette zu rauchen, und er hat mich abgepasst. Scheiße. Was ich jetzt zu allerletzt gebrauchen kann, bei so einer Stimmung, ist so ein Miesmuschel-Auftritt. Mit finsterer Miene, die mich fast zum Lachen reizt, sagt er:<br />
&#8222;Du gehst mir aus dem Weg, oder?&#8220;<span id="more-3195"></span><br />
&#8222;Ich?&#8220; Ich lasse ein sprödes Lachen hören, wie splitterndes Glas. &#8222;Aber nein. Ich will nur nichts mit dir zu tun haben, das ist alles.&#8220;<br />
Er schrickt einen Meter zurück, reißt die Augenbrauen hoch. &#8222;Warum denn nur? Was hab ich getan?&#8220;<br />
&#8222;Du hast gar nichts getan. Eben drum.&#8220;<br />
&#8222;Weil ich &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Ich hatte dich um einen Gefallen gebeten, Gregor, erinnerst du dich?&#8220;<br />
&#8222;Georg&#8220;, korrigiert mich der Typ.<br />
&#8222;Meinetwegen auch Georg, was soll&#8217;s&#8220;, sage ich mit einem Achselzucken. Ich schwenke das Sektglas. Unten steht Patrizia, bezaubernd, mit ihrem nackten Rücken. Sie ist wieder einmal der Mittelpunkt, da können sich die vulgären Werbe-Weiber mit ihren dicken Titten ins Zeug legen, wie sie wollen. Den Unterschied zwischen einer Königin und einer Kuh kann man auch mit den Tricks der Werbewirtschaft nicht verwischen! Ach, Patrizia &#8230; Ich kann von meiner Warte aus fast bis zu der sanften Gabelung ihrer Pobacken sehen. Erregend. Die Investiton ins Kleid hat sich gelohnt, denke ich. Alles geht drunter und drüber, wie sie es prophezeit hat. Die Patrizierin &#8230; sie wird mich zum Führer der Plebs machen, zum Volkstribun. Gemeinsam werden wir Rom beherrschen &#8230; oder Hamburg, oder Berlin. Wurscht. Hauptsache herrschen!<br />
Sie wendet sich just in diesem Augenblick um, strahlt zu mir herauf. Die Blonde, die Große. Die Mächtige. Ich trinke auf sie.<br />
&#8222;Weißt du, das Beste wird sein&#8220;, sage ich also diesem Kerl, der sich mir in den Weg gestellt hat, &#8222;du gehst zu deinen Freunden, und ich halte mich an die meinen. Hm?&#8220;<br />
&#8222;Ich dachte, ich ginge zu einem Freund&#8220;, sagt er mit gramgrimmigem Gesicht, &#8222;als ich zu dir ging.&#8220;<br />
&#8222;Ja, da hast du dich eben getäuscht, was kann ich machen&#8220;, sage ich nur und schiebe mich an ihm vorbei.<br />
&#8222;Bob!&#8220; Er packt mich an der Schulter, reißt mich herum. &#8222;Du kannst mich hier nicht einfach so stehen lassen! Das ist &#8212; demütigend!&#8220;<br />
Ich lächle amüsiert, obwohl mir beim Herum-gerissen-Werden Sekt auf den Hosenbund geschwappt ist. Der Typ ist ja ganz amüsant, denke ich, das muss man ihm lassen! Wie der sich hier aufführt, wie ein kompletter Idiot &#8230; Idioten amüsieren mich grundsätzlich. Ich finde sie faszinierend.<br />
&#8222;Gregor&#8220;, flöte ich. &#8222;Was, bitte, kann ich für dich tun? Was kann ich tun, damit du mich endlich in Ruhe lässt?&#8220;<br />
&#8222;GEORG&#8220;, schreit er.<br />
&#8222;Pardon&#8220;, sage ich und ziehe aus der Hosentasche meines Smokings ein Taschentuch. Während ich mir damit das Gesicht abwische, fange ich Patrizias fragenden, besorgten Blick auf. Ich zwinkere ihr zu. Alles in Ordnung.<br />
Einer der &#8222;De fofftig Penns&#8220; schüttet sich Champagner über den Kopf.<br />
Zeit, das hier zu beenden.<br />
&#8222;Okay, mein Freund&#8220;, sage ich also, &#8222;jetzt reicht&#8217;s.&#8220;&#8216;<br />
Und damit verpasse ich meinem Gegenspieler einen Schwinger, der ihn über die Balustrade hebt. Unten kracht er aufs Parkett. Ich höre, wie sein Hinterkopf ein paar Sekundenbruchteile nach dem Körper aufs Holz prallt, ein hohler, makabrer Knall. Dem folgt ein herzstockender Schreckmoment. Natürlich rappelt Georg sich gleich wieder auf und wischt sich den Staub von seinem weißen Jackett. Er streckt mir dabei die Zunge raus. Letzten Endes sind wir Comicfiguren. Uns kann nichts geschehen. Wir könnten uns auch gegenseitig Dynamitstangen in die Ärsche schieben, gleiches Resultat. Niente, nada. Verurteilt zum ewigen Klamauk. Was soll&#8217;s, denk ich bei mir. Es gibt Schlimmeres.</p>
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		<title>HAUT rein, aber was IST es?</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 22:07:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Ödipus]]></category>
		<category><![CDATA[Burger]]></category>
		<category><![CDATA[Kings]]></category>
		<category><![CDATA[XXL]]></category>

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		<description><![CDATA[Stellen Sie sich vor. Bob und Georg. Mal wieder. Noch einmal. Es ist spät geworden, jetzt sitzen sie bei einem Billigfraßanbieter in diesem grellen Licht, das wie eine kalte Dusche ist, rote Plastiktabletts vor sich auf schmalen Tischen. Bob rutscht auf der harten Sitzbank hin und her. Er ist aufgekratzt, dabei todmüde.
Draußen fährt mit quietschenden [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3186&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Stellen Sie sich vor. Bob und Georg. Mal wieder. Noch einmal. Es ist spät geworden, jetzt sitzen sie bei einem Billigfraßanbieter in diesem grellen Licht, das wie eine kalte Dusche ist, rote Plastiktabletts vor sich auf schmalen Tischen. Bob rutscht auf der harten Sitzbank hin und her. Er ist aufgekratzt, dabei todmüde.<br />
Draußen fährt mit quietschenden Reifen ein aufgemotzter Japaner vom Parkplatz, beladen mit ein paar Halbstarken. Ein Bass wummert aus dem Fahrzeug in die Tiefe der Nacht hinaus. Ein Mann, auf dem Weg zur Beleuchtung, bleibt stehen und schaut den Davondröhnenden nach.</p>
<p>Bob ist froh, dass niemand auf ihn geschossen hat.<span id="more-3186"></span> Er ist nahezu glücklich. Verdammter Bass! Tränen schimmern in seinen Augen, Tränen der Dankbarkeit. Das ist gerade noch mal gut gegangen. Verdammte Kids! Fuchteln die hier doch tatsächlich mit einem Revolver rum! Und warum? Um 6,90 Euro zu sparen &#8230;</p>
<p>Auch die Koreaner und Türken hinter dem Tresen sind erleichtert. Sie schnattern aufgeregt in gebrochenem Deutsch. Der Filialleiter versucht die Angestellten zu beruhigen, erklärt ihnen, dass sie sich mal nicht so haben sollen, in anderen Ländern seien die Sitten sehr viel rauer.</p>
<p>Georg beißt herzhaft schmatzend in seinen Burger. XXL, da braucht&#8217;s beide Hände. Die Soße quillt aus dem weichen Brötchen.<br />
Bob würde auch gern, aber dieses verdammte Magengeschwür &#8230; na, wird schon wieder.<br />
Jetzt ist ihm jedenfalls nach Kotzen zumute.</p>
<p>&#8222;Georg, sag mal.&#8220;<br />
&#8222;Ja? Bob?&#8220;<br />
&#8222;Warum denken wir Menschen nicht so wahnsinnig gern über uns nach? Was glaubst du?&#8220;<br />
&#8222;Wie meinst du das?&#8220; Schmatzend, mampfend. Georg. &#8222;Also, Bruder etwa, der denkt ZIEMLICH gern über sich nach!&#8220;<br />
&#8222;Warum&#8220;, sagt Bob, &#8222;warum VERMEIDEN wir es geradezu, Georg, uns mit uns selbst, unserer Natur, unserer Bestimmung und unserem Ziel auseinanderzusetzen? Dafür muss es doch einen Grund geben.&#8220;</p>
<p>Bis spät in die Nacht haben unsere Helden des Alltags Headlines geschmiedet, Kampagnen gezimmert, am Tischfußballgerät gestanden. Es gibt ja nichts, so muss man das ja auch sehen, das sie weg zöge aus dem Büro. Bob ist frisch geschieden, zum gefühlten achten Mal, allein in diesem Jahr, und Georg &#8230; tja, Georg. Wir werden es vielleicht nie erfahren, was dieser Bursche in den wenigen kostbaren Stunden treibt, da er nicht am Schreibtisch gegenüber von Bob hockt. Vielleicht, hat Nettie einst gemutmaßt, hört Georg einfach auf zu existieren, sobald die Arbeit vorbei ist? Das würde zumindest erklären, warum der Typ immer so aufgeweckt und munter ist, denkt Bob, der verschlafen an seinem Bier nuckelt.</p>
<p>Oder vielleicht, das wäre eher Bert &#8222;Big&#8220; Bruders Vermutung, verbringt Georg die Nacht damit, ein Gummiband zwischen seinen Fingern schnipsen zu lassen?</p>
<p>Es war ein aufregender, arbeitsreicher Tag, und am Ende ist es wieder, als wäre nichts geschehen. Als hätte man 24 Stunden am Stück aus dem Fenster gestarrt.</p>
<p>Georg schluckt den pappigen Matsch hinunter, spült den Mund mit einem Schluck Pepsi frei, dann sagt er:<br />
&#8222;Worauf willst du eigentlich hinaus, sag mal? Willst du mir ein schlechtes Gewissen machen?&#8220;<br />
&#8222;Dir? Wieso?&#8220;<br />
&#8222;Was weiß ich. Dass mit meinem Leben was nicht in Ordnung ist? Das ist bei dir doch immer die Pointe!&#8220;<br />
&#8222;Lass die blöden Scherze &#8230;&#8220; Bob winkt ab. &#8222;Hast du schon mal von Ödipus gehört?&#8220;<br />
&#8222;Sehr witzig.&#8220;<br />
Georg schlürft extra laut Coke durch seinen Strohhalm.<br />
&#8222;Nein, ich meine nicht den Typen mit dem Komplex&#8220;, sagt Bob. &#8222;Diese Wichsvorlage für Psychoheinis. Ich meine den echten Ödipus. Den, der sich die Augen ausgekratzt hat, weil er seinen Vater gekillt hat und seine Mutter &#8230;&#8220; Bob zögert. &#8222;Der eben ein paar Fehler gemacht hat auf seinem Lebensweg. U. a. seine Mutter geheiratet.&#8220;<br />
Georg kratzt sich das Kinn, Bob genau beobachtend. &#8222;Auch von dem hab ich schon gehört, ja. Sophokles&#8217; Ödipus. Wie du vielleicht weißt, habe ich ein paar Semester Theaterwissenschaft studiert. Bevor n+2 meine wahren Talente entdeckt hat.&#8220;<br />
&#8222;Aber&#8220;, sagt Bob, &#8222;hast du auch schon mal über Ödipus nachgedacht?&#8220;<br />
Georg schaut irritiert auf. &#8222;In letzter Zeit nicht allzu oft, muss ich gestehen, nein.&#8220; Er rülpst leicht. &#8222;Du?&#8220;<br />
&#8222;Die Frage ist ja auch nicht, ob WIR schon mal über Ödipus nachgedacht haben. Die eigentlich entscheidende Frage lautet: Hat Ödipus schon mal über sich selbst nachgedacht?&#8220;<br />
&#8222;Ich dachte, ob er über MICH nachgedacht hat, wäre die Frage.&#8220;<br />
&#8222;Ich fürchte&#8220;, sagt Bob mit einem erschreckend ernsthaften Nicken, &#8222;das hat Ödipus nämlich wirklich getan! Er HAT über sich nachgedacht. Über den Stoff, aus dem sein Leben war. Und genau das hat ihn dann in die Probleme gebracht, für die er berühmt geworden ist.&#8220;<br />
&#8222;Bob. Das ist gruselig, wenn du so was bringst. Das weißt du, oder?&#8220;<br />
Bob grinst.<br />
&#8222;Die Einzige, Georg, der je über DICH nachgedacht hat, ist deine Mutter gewesen, fürchte ich.&#8220;</p>
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		<title>Herzklappentexte</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 15:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA["Hohlkörper"]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Liner Notes]]></category>
		<category><![CDATA[Net Hentoff]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist natürlich verdammt schwierig, einen Klappentext zu verfassen, bei dem einem beim späteren Lesen nicht die Kinnlade runter klappt. Die Skylla verstiegener Lyrizität hier, dort die Charybdis knauseriger Plot-Stumpfheit &#8212; dazwischen muss man durch, als Alphabet-Tier, und das schafft eben kaum einer. Meist kommt irgendein arges Wischiwaschi heraus: &#8222;Sie fühlt sich noch kaum, die zarte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3180&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Es ist natürlich verdammt schwierig, einen Klappentext zu verfassen, bei dem einem beim späteren Lesen nicht die Kinnlade runter klappt. Die Skylla verstiegener Lyrizität hier, dort die Charybdis knauseriger Plot-Stumpfheit &#8212; dazwischen muss man durch, als Alphabet-Tier, und das schafft eben kaum einer. Meist kommt irgendein arges Wischiwaschi heraus: &#8222;Sie fühlt sich noch kaum, die zarte Jara Steiß, in der Bedrängnis jenes frühen Irreseins, und doch dräut ihr aus jenem linden Wahn schon heran eine Gewissheit gleichsam im Négligé &#8230;&#8220;</p>
<p>Alles klar?</p>
<p>Die Problematik dürfte ähnlich gelagert sein wie bei den Liner Notes, also den längeren Texten, mit denen früher hinterrücks resp. rückseitig Schallplatten bedeckt wurden, um dem Hörer eine Annäherung an das zu Hörende frontal übers Auge zu ermöglichen. Ein kleiner, saftiger Einstieg, sozusagen, in die Ton-Materie. Es gab echte Könner in diesem Fach, Poeten der Liner Notes. Wenn man deren Ausführungen z. B. über Blue Note-Jazz-Aufnahmen las, bekam man richtig Appetit auf die Scheibe.<span id="more-3180"></span> Die verstanden ihr Handwerk, keine Frage, das waren echte Meister!</p>
<p>Überhaupt sind die &#8222;Hohlkörper&#8220; ja ein wenig wie eine Schallplatte zu begreifen. Es gibt auffällige Parallelen: Man muss die Seiten umwenden (allerdings gibt&#8217;s in Papierform mehr als zwei davon), man braucht einen Tonabnehmer (die Augen), die man richtig platzieren muss (auf den Buchstaben-Reihen), sonst ratscht&#8217;s gleich furchtbar. Beim Lesen handelt sich um ein analoges Wiedergabe-Verfahren: Symbole werden ins Gehirn geleitet und dort mittels eines simplen Decodierungsvorgangs in Laute umgewandelt. Diese Laute formieren sich dann, wiederum durch einen simplen philosophisch-lexikalischen Vorgang, zu Sätzen, die man sogar, kraft eines Lautsprechers (Mund), hörbar machen kann.</p>
<p>Liner Notes wären also für das Buch mehr als angemessen; die läsen sich dann womöglich so in dieser Art:</p>
<p>&#8222;Nach ruhigem, ein wenig spöttisch-melancholischem und gewissermaßen philosophischem Beginn nimmt der Roman allmählich Fahrt auf, als wir Bob auf einer Konferenz in seiner Provinz-Werbeagentur erleben. Eben noch Gast in einer Bar, ins Gespräch mit Elena Förster vertieft, zeigt Bob hier, im Kollegenkreis, in der Drucksituation eines Meetings, zum ersten Mal deutliche Symptome von Geistesgestörtheit.<br />
Das fällt natürlich weiter nicht auf, da alle anderen ebenfalls geistesgestört sind.<br />
Als Leser aber ist man doch erstmalig leicht beunruhigt.</p>
<p>Die Zeit jedoch lässt einem keine Zeit zum Grübeln, sie springt und rennt, und flugs sind wir an einem anderen Ort, in der Städtischen Galerie. Hier heißt es, nähere Bekanntschaft zu machen mit der kulturellen Seite der deutschen Provinz. Keine leichte Sache. Kaum aber haben wir uns ein wenig eingelebt, werden wir schon wieder weiter gescheucht, werden fortgerissen und zurück in die Bar gespült, wo jetzt zu allem Überfluss auch noch Bobs Kollegenschaft auftaucht &#8230;</p>
<p>Grund genug für Bob, sich auf Gedankenreise zu begeben. Er reist wiederum zurück, in die Mittagszeit. Auf der Toilette lag da einer, zusammen geklappt. Ein Betrunkener, dem Bob half, seinen Rausch in Frieden auszuschlafen.<br />
Hin und her, vor und zurück, auf und ab.<br />
Kaum glauben wir so ein bisschen den Durchblick zu haben, gibt&#8217;s auch schon ein knalles BÄNG, und der zweite Teil beginnt.</p>
<p>Georg im Verlag, wie er versucht, sich einer Verabredung mit einer anstrengenden jungen Dame zu entziehen, mit der er eine Affäre hat. Ein polnischer Autor, dessen Debüt ein großer Erfolg wurde, wird eingeführt, gemeinsam mit seinem verachtungsvollen Agenten. Dann rollt Friedemann Maar seinen Trolley herein, mitten in eine Lesung des polnischen Jungautors, und man fasst sich an den Kopf und fragt sich: &#8216;Was soll denn das nur alles, Mensch?&#8217;<br />
Doch nur die Ruhe! Es kommt halt hauptsächlich darauf an, was sich in Friedemann Maars Trolley befindet &#8230;&#8220;</p>
<p>In diesem Stile ginge es, wenn es nach uns ginge, eine ganze Weile. Mein lieber Mann! Und das waren jetzt die überschaubaren, einigermaßen klassisch erzählten Passagen, von denen hier die Rede war.</p>
<p>Am besten, Sie lesen das alles selbst.</p>
<p>And: &#8220;Turn it LOUD!&#8220;</p>
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		<title>In den Tisch geritzt</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 08:14:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Hamlet]]></category>
		<category><![CDATA[Shakespeare]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Geheimnis des Schreibens ist, dass es von der Anschauung lebt. Banal genug. Leider aber kommt an dieser feststehenden Wahrheit keiner vorbei. Auch die Sprache lebt von den Bildern! Da die Sprache jedoch noch immer keinen Zugriff auf die Bilddatenbanken dieser Welt hat, muss sie mit inneren, geistigen Bildern vorlieb nehmen, mit magischen, heraufbeschworenen Vorstellungsbildern. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3178&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Das Geheimnis des Schreibens ist, dass es von der Anschauung lebt. Banal genug. Leider aber kommt an dieser feststehenden Wahrheit keiner vorbei. Auch die Sprache lebt von den Bildern! Da die Sprache jedoch noch immer keinen Zugriff auf die Bilddatenbanken dieser Welt hat, muss sie mit inneren, geistigen Bildern vorlieb nehmen, mit magischen, heraufbeschworenen Vorstellungsbildern. Diese machen gewissermaßen die Seele eines Textes aus, das Unverkennbare daran und dann und wann sogar wohl das Unvergängliche &#8212; viele von Shakespeares Wortschöpfungen, wie Jago, Hamlet oder Richard III, gingen spornstreichs in die kollektive Bild- und Vorstellungs-Welt ein, als wären diese Phantasie-Gebilde direkt aus der Wirklichkeit gekommen!</p>
<p>Solche inneren Bilder sind immer das Resultat von Eroberungen. Die Art, wie Hamlet nach den Worten tastet, beweist es wohl: &#8222;Sein &#8212; oder doch eher Nicht-Sein? Was klingt besser?&#8220;</p>
<p>Was ich sagen wollte.<span id="more-3178"></span> Im Zeitalter des Copy-Paste ist es ein Leichtes, Text-Leichen zu produzieren. Ganze Leichenberge sind mit ein paar Tastengriffen zusammen getragen. Das steht jenseits von Fragen der Entwicklung und der Komposition, der Differenzierung, der Affinitäten. Und darum geht es ruckzuck. Es ist eine Fleißarbeit und schafft Müllberge der Redundanz.</p>
<p>Hingegen muss ein Text, der mehr sein möchte als eine Sammlung von Fakten (von wem auch immer beglaubigt), durch die harte Schule der Anschauung gehen, im Idealfall natürlich der äußeren, als eines Wirklich-vor-Ort-Seins. Das macht die Wertschätzung aus, welche Reportagen immer noch genießen. &#8222;Was, der war ehrlich dabei? In echt?&#8220; Zumindest aber ist für den Schreibenden innere Anschauung unumgänglich, also Betrofffensein, Involviertsein, das gute alte tua-res-agitur. Man muss die Sprache in sich so weit bringen, dass sie von ganz allein an die Gegenstände heran, in die Verhältnisse hinein drängt und dringt. Die Sprache muss zum sechsten Sinn werden, mit dem man den geistigen Gehalt der Weltzustände erfühlt.</p>
<p>Was die Sprache, über ihre fünf biologischen Konkurrenz-Sinne hinaus, vermag, ist, auch das Seelenleben eines Atoms oder eines Superstrings zu erforschen. Denn die Sprache ist unvorstellbar gierig! Die Sprache ist darum die Meisterin der Mimikry, der Mimesis, der nachschaffenden Anverwandlung! Stellen Sie sich einen Tisch vor. Und nun sage ich Ihnen laut und vernehmlich ins Ohr: &#8222;Tisch!&#8220; Und? Sofort werden für Sie Tisch und &#8222;Tisch&#8220; eins, untrennbar, nicht zu unterscheiden. Nur können Sie den &#8222;Tisch&#8220; jederzeit in die Tasche stecken, beispielsweise auf einem Blatt Papier, wohingegen der Tisch meist bleiben muss, wo er ist &#8212; es sei denn, Sie ziehen um.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>So sehen uns die Leser!</title>
		<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/11/23/so-sehen-uns-die-leser/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:49:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Kimme und Korn]]></category>

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		<description><![CDATA[Andere Magazine machen aufwendige Leser-Befragungen (&#8222;Was lesen Sie zuerst in Ihrer &#8216;Emma&#8217;? Die Cellulite-Tipps, die Vermisstenmeldungen&#8220; usw.), die Blogozentriker (&#8222;Immer einen Klick zu weit&#8220;) blättern einfach kurz in ihren Suchanfragen. Und siehe da! Was sich ergibt, wenn man die Suchbegriffe, mit denen dieses Blog heute und gestern gefunden wurde, aneinander reiht, ist wohl schon so [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3176&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Andere Magazine machen aufwendige Leser-Befragungen (&#8222;Was lesen Sie zuerst in Ihrer &#8216;Emma&#8217;? Die Cellulite-Tipps, die Vermisstenmeldungen&#8220; usw.), die Blogozentriker (&#8222;Immer einen Klick zu weit&#8220;) blättern einfach kurz in ihren Suchanfragen. Und siehe da! Was sich ergibt, wenn man die Suchbegriffe, mit denen dieses Blog heute und gestern gefunden wurde, aneinander reiht, ist wohl schon so etwas wie ein Gedicht, das es, ganz profan gesagt, arschmäßig geleckt in sich hat:<span id="more-3176"></span></p>
<p>arschlecken<br />
poetik roman<br />
buch des jahres 2009<br />
star wars badehandtuch<br />
furzen<br />
Ärsche lecken<br />
arsch lecken und furz<br />
hypersensibel test<br />
pfurzen beim lecken<br />
mein name ist bob</p>
<p>arschlecken<br />
die banalität des lebens<br />
erläuterungen zu durs grünbein der kosmo<br />
furzen beim arsch lecken<br />
psychoanalyse flapsig<br />
typ furzt typ ins gesicht<br />
alte wichser<br />
hypersensibel<br />
wie mans macht macht mans falsch<br />
arsch ablecken</p>
<p>PS: Ich gebe zu, dass mich das &#8222;star wars badehandtuch&#8220; auf dem falschen Fuß erwischt hat. Bei der Vorstellung, wie dieser Mensch da mit seinem Handtuch mit Yodas Konterfei drauf mitten hinein tapst in den verstunkenen Arschlecker-Wellnessbereich, konnte ich dann, kurzzeitig, doch nicht mehr weiter lesen &#8230;</p>
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		<title>Oh, Mann, was soll denn das jetzt?</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 15:46:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiktionen]]></category>
		<category><![CDATA[E-Mail-Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Fortsetzungsroman]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperationen]]></category>
		<category><![CDATA[Lese-Sucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich spürte, wie mein Blutdruck in die Höhe schoss. Fassungslos starrte ich auf das Display meines iPhones. Das konnte doch nicht wahr sein!? Mit breiten Beinen saß ich da, wie es meine Gewohnheit war, und um ein Haar hätte ich mir in die Hose gepinkelt. Wieso war denn da die neue Folge von &#8222;Trips Welt&#8220; [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3173&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich spürte, wie mein Blutdruck in die Höhe schoss. Fassungslos starrte ich auf das Display meines iPhones. Das konnte doch nicht wahr sein!? Mit breiten Beinen saß ich da, wie es meine Gewohnheit war, und um ein Haar hätte ich mir in die Hose gepinkelt. Wieso war denn da <a title="Trips Welt" href="http://vauart.wordpress.com/" target="_blank">die neue Folge von &#8222;Trips Welt&#8220;</a> noch nicht eingetroffen?</p>
<p>Ich schaute auf meine Armbanduhr; nein, alles klar, schon nach halb neun, der Text musste da sein. Der musste längst da sein!<br />
Ich klickte mein E-Mail-Programm zu, machte es noch mal auf, checkte alles. Nichts.<br />
Keine Folge 53.<br />
Was war los? Was war hier los?<span id="more-3173"></span><br />
Es hielt mich nicht mehr auf meinem Sitz. Ich sprang auf. Die ältere Dame neben mir blinzelte irritiert an mir hoch, wie ich da plötzlich auf meinen Füßen stand, schwankend, der Schal rutschte mir vom Hals, Schweiß sammelte sich auf meiner Stirn, das Gel rann mir aus den Haaren in den Nacken, bis ich es mir zwischen die Finger wischte in wilder Kämmgebärde.</p>
<p>ICH BRAUCHTE DOCH MEINE TÄGLICHE DOSIS VAU, VERDAMMTE SCHEISSE!</p>
<p>Das konnten die doch nicht bringen?<br />
Das könnt ihr doch nicht &#8230;</p>
<p>Eines, dachte ich finster, würde ich in meiner E-Mail, die ich jetzt natürlich sofort &#8230; ich hockte mich wieder hin und begann sofort zu tippen. Dabei, beim Hinsetzen, stieß ich die ältere Dame leicht an, und ich brüllte sie völlig fassungslos an:<br />
&#8222;Entschuldigung!&#8220;<br />
Weil mir die Brille runter gefallen war, beim Hinsetzen, und ich sie nur mit knapper Mühe hatte auffangen können.</p>
<p>Ich traf kaum eine Taste, mit meinen fahrigen Fingern, aber das musste jetzt raus, das musste jetzt getippt werden, diese Protest-E-Mail, sonst platzte ich noch. Und spritzte dabei all die anderen Fahrgäste, die mit mir auf dem Weg in ihr Büro waren, mit meinem Hass, mit meiner Wut und meiner Frustration voll, mit dieser abgrundtiefen Verzweiflungssoße, die ich in mir schwappen und brodeln fühlte.</p>
<p>HALLO!<br />
EINES, ich sah die Buchstaben sich auf meinem iPhone reihen, EINES STEHT JA WOHL ABSOLUT WASSERDICHT FEST: DASS ICH IHRE SCHEISS-ZEITUNG NUR AUS EINEM EINZIGEN GRUNDE ABONNIERT HABE. UND DIESER GRUND SIND GANZ SICHER NICHT DIE NACHRICHTEN!</p>
<p>Nein, der Grund war natürlich der Fortsetzungsroman um Trip und seine Welt, die Trips des Trip, die Reise des Reisenden, die neverending tour des Mannes von der Straße, dieses modernen Odysseus &#8230; meine Story, MAL VON ODYSSEUS GEHÖRT? Mann, ihr Fucker, dachte ich, verflucht, das ist MEINE STORY!</p>
<p>Das tippte ich natürlich auch sogleich, all inclusive, auch die Schimpfwörter!</p>
<p>Blöderweise kam just in dem Augenblick, da die E-Mail von meinem iPhone weggeschickt wurde, die neue Folge an. Im selben Augenblick. Saublöd. Ich hatte offenbar in einem Empfangsloch gesessen.<br />
Ei, Scheiße, dachte ich.<br />
Auf der anderen Seite, dann kam halt so ein blöder Praktikant mal ins Schwitzen.<br />
Hihi. Bei der Vorstellung musste ich lachen, wie da diese arme Sau von einem Praktikanten saß und ganz flatterige Finger bekam, ich kicherte da so vor mich hin, auf meinem U-Bahn-Sitz.<br />
Ich war natürlich auch wirklich erlöst, klar. In mir breitete sich ein Gefühl von Erleichterung aus. Mir fiel echt ein Stein von der Seele.<br />
Das hatte mich jetzt ganz schön ins Schwitzen gebracht, dieses peinliche Malheur!</p>
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		<title>Carla</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 11:22:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA["Tonio Kröger"]]></category>
		<category><![CDATA[family business]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielerinnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie war begabt, keine Frage, aber sie war auch überspannt. Das ganz entschieden. Nicht, dass sie damit in ihrer Zunft einzig dagestanden hätte. Schauspielerinnen gelten nicht zu Unrecht als exzentrisch, als Rand-Figuren im psychologischen Sinne, Grenzgänger und Absturzgefährdete. Ich habe, als Carlas Bruder, einige dieser Damen kennen gelernt, manche auch näher, nicht wenige intim. Aufregende, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3171&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Sie war begabt, keine Frage, aber sie war auch überspannt. Das ganz entschieden. Nicht, dass sie damit in ihrer Zunft einzig dagestanden hätte. Schauspielerinnen gelten nicht zu Unrecht als exzentrisch, als Rand-Figuren im psychologischen Sinne, Grenzgänger und Absturzgefährdete. Ich habe, als Carlas Bruder, einige dieser Damen kennen gelernt, manche auch näher, nicht wenige intim. Aufregende, aber zuweilen auch arg strapaziöse Erfahrungen. Der Applaus hält sie alle auf dem straff gespannten dünnen Seil, über welches sie, vibrierend von Ehrgeiz und Beachtungswut, balancieren über den Abgrund ihrer Existenznot.<span id="more-3171"></span> Überhaupt scheint durch sie alle ein Draht zu verlaufen &#8230;</p>
<p>Schon als Kind hatte Carla sich leidenschaftlich gern maskiert, wohingegen ich jeden Versuch, mich zu kostümieren, schroff, ja nahezu beleidigt, zurückwies. Ich wollte sein, wer ich war, da ich doch ohnehin nicht war, für den man mich hielt. Das war mir alles ganz recht; sich dazu noch eine Maske vors Gesicht zu halten, erschien mir eine Wendung zu viel, eine Verschraubung ins Unrichtige.<br />
Die Zigaretten mussten reichen als Maskerade, die dunklen Zigaretten und der Wein. Hinter dem Rauch und dem Rausch verbarg ich alles Wesentliche. Und war&#8217;s zufrieden.</p>
<p>Carla hingegen kehrte ihr inneres Drama nach außen, verkleidete sich als Prinzessin, als Pierrot und als Puppe, die auf der Suche war nach dem Puppenspieler. Ihre Tragödie war, dass sie einen solchen nicht fand. Bernd Baumgärtner, der Schauspieler, zog zwar eine Weile mit ihr durch die Lande, führte an ihrer Seite sein unstetes Mimen-Leben. Das ja. Aber es endete furchtbar, gemein und sehr naturalistisch. Baumgärtner war keiner, den ich meiner Schwester gewünscht hätte. Ich liebte ja meine Carla, auch wenn sie sich mir schon früh entzog. Ich respektierte ihren Wunsch nach Unabhängigkeit, mischte mich nicht ein.</p>
<p>Woher sie es hatte, das Histrionische? Nun, bei uns daheim war niemand der, der er schien, weder die Mutter noch der Vater, und selbst die Großeltern in ihren gläsernen Etuis aus Zeit wirkten nicht ganz echt, wirkten irgendwie unglaubwürdig, schauspielerhaft, und insofern packte Carla nur das Bestehende und kehrte dessen Inwendiges nach außen. Sie zeigte die Komödie vor, die wir alle spielten mit ernsthaften Kaufmannsgesichtern, in teurem Tuch und mit blinkenden Siegelringen. Ich schrieb, nach Geschäftsschluss, meine kleinen Novellen, spaßhafte Bosheiten gegen das Milieu, das mich ernährte und mir jede meiner Unartigkeiten sogleich unter großem Gelächter vergab.</p>
<p>Ich wäre der Clown der Gemeinde gewesen, wenn es nicht meinen Bruder Christian gegeben hätte. In punkto Narrheit machte dem keiner etwas vor!</p>
<p>Christian, immer schon übermäßig nervös, ein Zappelphilipp und Vielredner, packte eines Tages seine Siebensachen und machte sich davon, nach Südamerika. Das geschah mehr oder weniger wortlos. Dort, in Brasilien, heiratete er dann ein Mädchen, die Tochter eines verlotterten deutschen Barons, wie ich später erfuhr, als er, nach Jahren des Schweigens, den Kontakt zögernd wieder aufnahm.</p>
<p>Ja, Carla! Arme Carla &#8230; Sie stürzte sich in Affären wie in Abgründe, suchte im Morphiumnebel Vergessen, schreckte vor Engagements in der Provinz nicht zurück, bei denen sie unterm Strich sogar wohl drauf zahlte. Bloß nicht in der Einsamkeit enden! Das schien inzwischen ihre ganze raison d&#8217;être zu sein. Doch die Einsamkeit holte sie ein.</p>
<p>Ich musste ihr Versprechen, ein Stück für sie zu schreiben. Doch schon im dritten Akt endete das gemeinsame Abenteuer. Eines Nachts schluckte sie Schlaftabletten, eine ganze Hand voll davon, und dann schluckte sie Kognak nach. Teurer Kognak, auch wenn sie arm war; den Tod ließ sie sich etwas kosten. Auch das, muss ich sagen, war ein bisschen ein Rezept aus unserer Familie! Mein Großvater hatte in seiner Jugend ein Gedicht geschrieben: &#8222;Tod, du knöcherne Rose &#8230;&#8220;</p>
<p>Alle waren verrückt bei uns zu Hause, aber die meisten hielten das Gleichgewicht, gingen als Sonderlinge und &#8222;interessante Naturen&#8220; durch. Carla nahm&#8217;s alles zu ernst. So war&#8217;s, auf den Punkt gebracht, das war ihr Problem. Sie vertiefte sich zu sehr in die Unplausibilitäten unser aller Existenzen, und das konnte nicht gut gehen.</p>
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		<title>Die Notwendigkeit des Kritzelns</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 07:42:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetik]]></category>
		<category><![CDATA[Fußballmetaphorik]]></category>
		<category><![CDATA[Hymne]]></category>
		<category><![CDATA[Leonard Cohen]]></category>

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		<description><![CDATA[Da reißt man sich den Arsch auf, mit Verlaub, und dann? Dann steckt einen so ein Leonard Cohen mit einer simplen Hymne einfach in den Sack! So ein alter Knacker &#8230; es ist zum Verrücktwerden! So müssen sich jahrelang die Gegner des FC Bayern gefühlt haben, oder die anderen, nichtdeutschen Nationalmannschaften. Ein Anrennen auf ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3169&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Da reißt man sich den Arsch auf, mit Verlaub, und dann? Dann steckt einen so ein Leonard Cohen mit einer simplen Hymne einfach in den Sack! So ein alter Knacker &#8230; es ist zum Verrücktwerden! So müssen sich jahrelang die Gegner des FC Bayern gefühlt haben, oder die anderen, nichtdeutschen Nationalmannschaften. Ein Anrennen auf ein Tor, über 90 Minuten, Überlegenheit über einen desinteressierten, in Stolz gegossenen Gegner, die sich aber nicht in einem Tor bezahlt machen will, und dann, 92. Minute, der Referee hat die Pfeife schon zwischen den Lippen, dann knallt so ein Mittelfeldbrecher von gegenüber den Ball in die eigenen Maschen. Und man sieht sich am nächsten Tag, auf Video, wieder im Gras liegen, Atem pumpend<span id="more-3169"></span>, die Arme verzweifelt ausgebreitet, der Blick leer oder die Augen geschlossen. Man will ja nicht heulen als Kerl, auch wenn einem danach ist. Und die Fans schwenken Fahnen und danken für ein tolles Spiel, aber was nützt einem das, ein Stadion, das wie die Scala ist nach einer Arie der Callas? Wenn doch nur die Tore zählen und nicht die Schönheit?</p>
<p>Das Notizheft hat man also vollgeschrieben, klingt ja auch alles ganz nett, aber wo ist der Bass? Wo klopft das Schlagzeug? Welche Akkorde werden gewoben und aufgelöst? Da bläst ganz allein die Moraltrompete vor sich hin, in Säckingen wie anderswo, und das noch ganz ohne Reim. Manchmal hört vielleicht einer hin, denkt sich: &#8222;Aha, aha&#8220;, aber insgesamt ist das eine Schinderei, das Schreiben, die einer besseren Sache würdig wäre.</p>
<p>Wenn aber, andererseits (und die Dialektik, meine Damen und Herren, ist nun mal das Hauptgebiet der Sprachfixierten), wenn also andererseits Leonard Cohen so dächte, wenn er den Gedanken zuließe: &#8222;All dieses Schlagwerk und die Bässe und die Akkorde, und wozu das? Damit ein paar Narren sich für 90 Minuten an einem Abend in Zürich oder Stuttgart oder Montreal Illusionen über den Zustand von Welt und Menschheit hingeben können? Und meine Musiker was zu beißen bekommen?&#8220; Wenn er so dächte, der alte Sangeskauz, der Melodienmagier, dann wär&#8217;s ja geschehen um die prachtvollen Hymnen, die natürlich aus dem Glauben an die Notwendigkeit des Kritzelns kommen.</p>
  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/blogozentriker.wordpress.com/3169/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/blogozentriker.wordpress.com/3169/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/blogozentriker.wordpress.com/3169/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/blogozentriker.wordpress.com/3169/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/blogozentriker.wordpress.com/3169/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/blogozentriker.wordpress.com/3169/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/blogozentriker.wordpress.com/3169/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/blogozentriker.wordpress.com/3169/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/blogozentriker.wordpress.com/3169/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/blogozentriker.wordpress.com/3169/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=blogozentriker.wordpress.com&blog=3920341&post=3169&subd=blogozentriker&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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